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Stuttgart schockt Melsungen erneut

Entsetzen bei den Melsungern. Außenseiter TVB Stuttgart schickt das Grimm-Team nach der Auswärtsbegegnung in der Scharrena mit 31:28 nach Hause. Foto: Alibek Käsler
Entsetzen bei den Melsungern. Außenseiter TVB Stuttgart schickt das Grimm-Team nach der Auswärtsbegegnung in der Scharrena mit 31:28 nach Hause. Foto: Alibek Käsler

Bad Cannstatt. Für die MT Melsungen entwickelt sich der TVB Stuttgart so langsam zum Albtraum-Gegner. Nach den beiden Niederlagen in der vergangenen Saison mussten die Nordhessen auch das Match an diesem 17. Spieltag in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga an die Schwaben abgegeben.

MT lässt Torgelegenheiten ungenutzt

Nach einem 10:13-Rückstand zur Halbzeit – geschuldet vor allem einer Vielzahl technischer Fehler – kämpfte sich das Grimm-Team gegen Ende des Spiels zwar auf ein Tor heran, ließ aber in der entscheidenden Phase aussichtsreiche Torgelegenheiten ungenutzt. So gelang es den Gastgebern, das Spiel verdient mit 31:28 über die Ziellinie zu bringen. Beste Schützen vor 2.251 Zuschauern in der Stuttgarter Scharrena waren für die Gäste Lasse Mikkelsen (10/4) und für die Hausherren Sascha Pfattheicher (9). Um die Niederlage zu verarbeiten, hat die MT jetzt 10 Tage Zeit, ehe sie am 22. Dezember den mutmaßlich noch schwereren Gang nach Magdeburg antreten muss.

Zugegeben, die MT Melsungen war aufgrund des krankheitsbedingten Fehlens von Felix Danner und Kai Häfner zweier wichtiger Korsettstangen in Abwehr und Angriff beraubt, aber Heiko Grimm hatte schon vor dem Spiel angemerkt, dass dies keine Ausrede sein darf. An dieser Aussage hielt er konsequenterweise auch nach dem Schlusspfiff fest, als er im Sky-Interview Rede und Antwort stand. Denn eines war in den vorangegangenen 60 Minuten erkennbar: Die Formation, die nach Stuttgart gereist war und auf dem Feld stand, hatte ausreichend Gelegenheiten, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Bei den Gastgebern fehlte mit Adam Lönn der erfolgreichste Rückraumtorschütze.

Stuttgart konnte früh das Eis brechen

Doch der Reihe nach: Die MT begann im Angriff mit Michael Allendorf, Julius Kühn, Lasse Mikkelsen, Marino Maric, Stefan Salger, Tobias Reichmann und mit Johan Sjöstrand im Tor. Nach von beiden Seiten nervös geführten Anfangsminuten fing sich als Erster der TVB. Kreisläufer Manuel Späth holte einen Strafwurf heraus. Doch Johan Sjöstrand, von Beginn an hellwach, kaufte dem Schützen Patrick Zieker den Ball ab. Dennoch gelang es Stuttgart, das Eis zu brechen, nach 4:01 gespielten Minuten markierte Sascha Pfattheicher das 1:0. Im Gegenzug vergab Michael Allendorf eine gute Gelegenheit von Linksaußen, Marino Maric bügelte das im Nachsetzen aus – 1:1.

Nach acht Minuten gelang es Lasse Mikkelsen per verwandeltem Strafwurf, sein Team mit 3:2 in Führung zu bringen. So weit, so gut. Und auch angesichts der Tatsache, dass der Tabellenvierzehnte sich nach einer Viertelstunde leichte Vorteile verschafft und mit 6:4 in Führung lag, musste die MT noch nicht nervös machen. Schließlich waren auch bis dahin schon Torgelegenheiten herausgearbeitet worden, allein der Ball wurde nicht in dem von Johannes Bitter gehüteten Kasten untergebracht. Apropos Torhüter: Bis zu dem Zeitpunkt hatte die MT auf dieser Position die Nase vorn: Johan Sjöstrand bestätigte seinen guten Start und vereitelte diverse Stuttgarter Chancen.

Fehlerquote erreicht auffälliges Maß

Inzwischen hatte die MT ihre Abwehr von 6:0 auf 5:1 umgestellt, mit Michael Allendorf als Vorposten. Doch kaum hatte der Linksaußen dort seine Arbeit aufgenommen, verletzte er sich bei einem Angriff und musste für einige Minuten zur Behandlung auf die Bank. Seinen Platz nahm unterdessen Yves Kunkel ein. Weitere Personalwechsel gab es wenig später. Stuttgarts Siebenmeterspezialist hatte seinen Fauxpas von der Strafwurflinie zu Beginn des Spiels verdaut, diesmal traf er zum 7:4 (17.). Grund genug für Heiko Grimm, sein Team per Timeout neu zu justieren. Der MT-Coach brachte mit Timm Schneider für Stefan Salger und Domagoj Pavlovic für Julius Kühn frische Kräfte und mahnte an, vorne nicht weiterhin so leichtfertig die Bälle wegzuwerfen. In der Tat hatte die Fehlerquote bis dahin schon ein auffälliges Maß erreicht.

Zerberus Johannes Bitter landet Weitwurftreffer

Das 7:5 durch Timm Schneider gleich nach Wiederanpfiff hätte ein Signal sein können, das Spiel in die eigene Richtung zu lenken. Aber Stuttgart zeigte sich davon unbeirrt und kam durch David Schmidt zum 8:5 und anschließend, nach einem Fehlpass von Timm Schneider, durch Sascha Pfattheicher gar zum 9:5 (19.). Und sie blieben beim 10:6 weiter am Drücker, hielten den Vier-Tore-Vorsprung bis zum 11:7. Die Chance, zu verkürzen, hatte die MT zwischenzeitlich schon. Doch Fehlwürfe von Timm Scheider, Lasse Mikkelsen und Michael Allendorf verhinderten dies. Zu allem Überfluss gelang Stuttgarts Zerberus Johannes Bitter auch noch ein Treffer per Weitwurf aus dem eigenen Kasten.

Nach dem 12:10, Michael Allendorf war im Gegenstoß erfolgreich und auf der anderen Außenbahn Tobias Reichmann aus unmöglichem Winkel – hatte die MT Möglichkeiten, weiter zu verkürzen. Zumal Johan Sjöstrand zwei eigentlich todsichere Bälle der TVB-Angreifer entschärfte. Allein im Angriff wollte es nicht recht klappen, Domagoj Pavlovic unterlief ein Fehlwurf, den Gegenangriff nutzte postwendend Patrick Zieker zur 13:10-Halbzeitführung.

Gegner geht neue Dynamik voll mit

Mit dem Start in die zweite Spielhälfte machten die Hausherren dort weiter, wo sie vor der Pause geendet hatten: Dominik Weiß erzielte aus dem Rückraum das 14:10. Aber die MT zeigte Gegenreaktionen. Julius Kühn, in den ersten 30 Minuten mehrere Male mit Pech an den Händen, netzte zum 14:11 ein (32.) und Tobias Reichmann schloss einen Gegenstoß zum 14:12 ab. Somit war gleich eine ganz neue Dynamik im Spiel, das sich in den ersten 30 Minuten doch eher als zähflüssig erwiesen hatte. Endlich Tore!

Aus MT-Sicht aber leider auch für die Gastgeber. So sehr sich die Nordhessen mühten, den Anschluss herzustellen, so sehr mussten sie erkennen, dass der Kontrahent nicht so einfach abzuschütteln war. Im Gegenteil: Die Zwischenstände 16:14 (34.) und 17:15 (36.) waren die engsten, die die MT bis dahin erreichen konnte. Warum? Weil jeder Fehler in der Offensive vom Gegner mit einem Tor bestraft wurde.

Schwabenpfeil auf Rechtsaußen

Besonders deutlich wurde das zwischen der 36 und 44. Minute: Tobias Reichmann setzt aus dem Gegenstoß heraus den Ball an den Pfosten, Sascha Pfattheicher markiert umgehend das 18:15. Die MT vorne ohne Abschluss, auf der anderen Seite Pfattheicher zum 19:15. Auf den Fehlpass von Lasse Mikkelsen folgt das 20:15. Durch wen? Richtig, durch Pfattheicher. Tobias Reichmann funkt mit dem Treffer zum 20:16 dazwischen. Johan Sjöstrand vereitelt den nächsten TVB-Angriff, aber im übernächsten ist er machtlos. Gegen wen? Gegen Pfattheicher – 21:16 (39.). Keine Frage, der Schwabenpfeil auf Rechtsaußen hatte einen Goldenen Tag erwischt. Die MT offenbar einen ziemlich schwarzen.

Da geht noch was aus nordhessischer Sicht

Dass die Nordhessen aber dennoch nicht aufsteckten, zeigten sie in der Schlussphase des Spiels. Natürlich war es für sie frustrierend, jeweils mit drei, vier Toren hinterher zu laufen. Aber aufgeben war keine Option. Und tatsächlich zeigte sich plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels: Lasse Mikkelsen, an diesem Abend stärkste Offensivkraft, verkürzte von der Siebenmeterlinie nervenstark gegen den für „Jogi“ Bitter gekommenen Nick Lehmann auf 27:24. Anschließend gelang Michael Allendorf das 27:25 (54.). Das 28:25 durch den gerade eingewechselten Zarko Peshevski beantwortete auf dem Fuße wiederum Lasse Mikkelsen zum 28:26 (54.). Und damit ging es in die Crunchtime. Wer hatte nun im Endspurt die besseren Nerven?

Zunächst keine von beiden Mannschaften. Denn hüben wie drüben passierten Fehler: Bei der MT scheitern nacheinander Julius Kühn und Tobias Reichmann ziemlich frei an dem ins Tor zurück gekehrten Bitter. Und auch der TVB vergibt dazwischen eine Großchance. Dann setzt sich Timm Schneider vehement durch – 28:27! Zu spielen sind nun noch 2 Minuten und 23 Sekunden. Da geht noch was, musste man aus nordhessischer Sicht geradezu denken. Kurz zuvor hatte Heiko Grimm noch einmal eine Auszeit genommen und Nebojsa Simic für Johan Sjöstrand zwischen die Pfosten beordert.

Aus dem Remis wurde auch nichts

Wenig später blieb Johannes Bitter Sieger im Duell mit Tobias Reichmann, auf der anderen Seite gelang dem eingewechselten Robert Markotic das 29:27. Damit wurde es endgültig dramatisch. Erst recht, als Julius Kühn vergab, aber auf der anderen Seite Manual Späth Lasse Mikkelsen den Ball in die Hände spielte und der Schwede kühl zum 29:28 aufschloss. – Jetzt noch genau 60 Sekunden. Schafft die MT den Gegenangriff torlos zu überstehen, kann sie wenigstens noch ein Remis erzielen.

Daraus wird aber nichts. Weil ausgerechnet Max Häfner, der jüngere Bruder des an diesem Tage fehlenden MT-Goalgetters, zum 30:28 trifft, Jogi Bitter einen letzten MT-Angriff zunichte macht und Manual Späth mit dem 31:28, sieben Sekunden vor dem Abpfiff, endgültig den Deckel zugunsten des vermeintlichen Außenseiters zumacht.

Stimme zum Spiel

Heiko Grimm: „Wir wussten, dass es schwer sein würde, in Stuttgart zu bestehen. Zudem ist diese Mannschaft derzeit gut drauf. In der ersten Halbzeit haben wir überhaupt nicht zu unserem Angriffsspiel gefunden, zu wenig Druck entfaltet, zu viele Fehler gemacht und obendrein kaum einen Zweikampf gewonnen. Im Verlauf der zweiten Hälfte konnten wir uns steigern und hätten in der Crunchtime sogar das Blatt noch wenden können. Aber auch da sind wieder Fehler passiert und wir haben einige Chancen liegen gelassen. Wir suchen auch nicht nach Ausflüchten und wollen keinesfalls das Fehlen von Felix Danner und Kai Häfner als Entschuldigung anführen, wenngleich uns diese beiden Spieler heute natürlich schon gefehlt haben. Ich kann unserer Mannschaft auch nicht vorwerfen, nicht gekämpft zu haben. Im Gegenteil, wir haben ja einiges versucht, die Abwehr umgestellt, vorne Umbesetzungen vorgenommen – leider aber ohne das erhoffte Ergebnis. Jetzt haben wir über eine Woche Zeit, das Spiel und die Fehler aufzuarbeiten und uns intensiv auf den nächsten schweren Auswärtsgegner vorzubereiten.“

Statistik

• TBV: Bitter (1 Tor / 12 Paraden / 27 Gegentore), Lehmann (0 P. / 1 GT) – Häfner 2, Asgeirsson, Weiß 8, Faluvégi 1, Späth 3, Markotic 1, Röthlisberger, Zieker 4/3, Pfattheicher 9, Peshevski 1, Schmidt 1, Wieling – Trainer: Jürgen Schweikhardt.
• MT: Sjöstrand (12 Paraden / 28 Gegentore), Simic (1 P. / 3 GT) – Maric 1, Kühn 4, Lemke, Reichmann 5, Ignatow, Kunkel, Mikkelsen 10/4, Schneider 2, Allendorf 4, Sidorowicz, Salger 2, Pavlovic – Trainer Heiko Grimm.
• SR: Thomas Kern (Bellheim) / Thorsten Kuschel (Karlsruhe)
• Zeitstrafen: 2 Min. – 6 Min. (Weiß – Salger, Kühn, Schneider)
• Strafwürfe: 3/4 – 4/4 (Zieker scheitert an Sjöstrand, 03:27 Min.)
• Zuschauer: 2.251, Scharrena Stuttgart.

Die nächsten Spiele

So, 22.12.19, 13:30 Uhr, SC Magdeburg – MT Melsungen, GETEC Arena Magdeburg
Do, 26.12.19, 14:00 Uhr, MT Melsungen – HBW Balingen-Weilst., Rothenbach-Halle Kassel

(red)



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