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Erinnerungen an jüdisches Leben

Dr. Dieter Vaupel und sein neues Buch. Fotos: Schüren Verlag | nh
Dr. Dieter Vaupel und sein neues Buch. Fotos: Schüren Verlag | nh

Felsberg. Früher als geplant ist nun das Buch „Etwas Schaden ist wohl bei den meisten Juden eingetreten“ im Schüren-Verlag Marburg eschienen. Autor ist der Gudensberger Dr. Dieter Vaupel.

Zeit für lückenlose Dokumentation

Der Dozent für Geschitsdidaktik an der Universität in Kassel und ehemaliger Felsberger Schulleiter, legt mit dem Hardcover-Buch die Ergebnisse seiner Recherche zum jüdischen Leben in Felsberg von den ersten Anfängen im 16. Jahrhundert bis in die heutigen Tage auf insgesamt 376 Seiten vor.

„Es wurde Zeit, die Geschichte der Felsberger Juden endlich lückenlos zu dokumentieren. Es ist der Einblick in den Mikrokosmos dieses Ortes, vieles lässt sich auf andere Gemeinden Nordhessens übertragen, viele Verknüfungen lassen sich herstellen. Dabei verschweige ich nichts, auch nicht über Opfer, Nutznießer und Täter während der NS-Zeit sowie über die juristischen Aufarbeitung der Verbrechen nach 1945“, so der Autor.

In der Buch-Ankündigung des Schüren-Verlages ist zu lesen „Der Autor lässt die Geschichte einer kleinen Gemeinde lebendig werden, indem er den Blick auf Details richtet. Er gibt den verfolgten Menschen einen Namen und ein Gesicht und dokumentiert Einzel- und Familienschicksale, die exemplarisch zeigen, wohin Hass und Intoleranz führen. Das Buch enthält zahlreiche Fotos und Dokumente, zusammengetragen aus Archiven und Privatbeständen.“

Familiengeschichten sind das Herzstück

Der Kasseler Professor Dr. Dietfried Krause-Vilmar, Experte für regionale Geschichte und Erinnerungskultur, schreibt in seinem Vorwort, Vaupel spanne den Bogen weit, von den ersten Nachrichten über Juden in Felsberg bis in unsere Tage, in denen Stolpersteine die Erinnerung wachhalten, und in denen die Synagoge von der neu gegründeten Jüdischen Gemeinde wieder genutzt werde. Beeindruckt haben ihn die „einfühlsamen und gut recherchierten Portraits“, in denen die Lebens- und der Leidenswege von jüdischen Familien der Stadt dargestellt werden. Einigen dieser Familien gelang rechtzeitig die Flucht ins Ausland, andere wurden vollkommen auseinandergerissen, zahlreiche Familien wurden ganz ausgelöscht. „Dieses bewegende familiengeschichtliche Kapitel bildet in meinen Augen das Herzstück des Buches“, so Krause-Vilmar.

Nationalsozialistische Vernichtungswut

Der Autor beschreite multiperspektivisch neue Wege, indem er dokumentarische, monographische, erzählende und vergegenwärtigende Abschnitte integriere. Krause-Vilmar findet, das sei eine „gelungene und die Leser ansprechende Form, der vielleicht Darstellungen in anderen Gemeinden folgen möchten“. Und weiter formuliert er: „Vaupel hat das Notwendige getan, was uns nachkommenden Historikern angesichts der Katastrophe, die mit der nationalsozialistischen Vernichtungswut über die Jüdische Gemeinde Felsberg herfiel, als Aufgabe bleibt: Er hat einen beispielhaften Beitrag zum Gedächtnis der Felsberger jüdischen Familien geschrieben. Er hat die Voraussetzungen bereitgestellt, um sie nicht zu vergessen. Und er hat darauf aufmerksam gemacht, wohin Hass und Diskriminierung führen.“

Selbst die Namen der Täter genannt

Eckhard Preuschhof aus Homberg, der zur Genealogie jüdischer Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis forscht, ist begeistert: „Ich habe nicht wenige Bücher über jüdisches Leben, über jüdische Schicksale gelesen, aber noch niemals ein so stimmiges, umfassendes und abgerundete. Jüdisches Leben wird dem Leser ganz nahe gebracht. Nichts wird verschwiegen, selbst die Namen der Haupttäter werden genannt. Sie drücken in aller Deutlichkeit aus, warum ein solches Buch geschrieben worden ist und von vielen Menschen gelesen werden muss. Und alles ist durch Quellenangaben belegt.“

Viele Unterstützer

Die Drucklegung des Buches wurde durch das Regionalmangement Mittleres Fuldatal, den Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, der Kreissparkasse Schwalm-Eder, dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft materiell und ideell unterstützt.

Daten zum Buch

Dieter Vaupel: „Etwas Schaden ist wohl bei den meisten Juden eingetreten“. Jüdisches Leben in Felsberg: Integration – Verfolgung – Erinnerung. 376 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Hardcover. ISBN 978-3-7410-0270-0. Preis 28,00 €.

(red)



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