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Nicht unser Jahr – MT will aus Fehlern lernen

Gudmundur Gudmundsson und Axel Geerken (re.). Foto: Alibek Käsler
Gudmundur Gudmundsson und Axel Geerken (re.). Foto: Alibek Käsler

Melsungen. Seit gut zwei Wochen ist die Saison 2020/21 der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga Geschichte. Mit etwas Abstand zogen die Verantwortlichen bei der MT Melsungen selbstkritisch Bilanz.

Schlechteste Liga-Platzierung seit acht Jahren

Dabei ging es vor allem darum, welche Konsequenzen aus den Ergebnissen der Aufarbeitung im Hinblick auf die neue Saison gezogen werden. Aufsichtsratschefin Barbara Braun-Lüdicke, Vorstand Axel Geerken und Trainer Gudmundur Gudmundsson redeten Klartext.

„Wir wollen an dieser Stelle gar nicht mehr näher auf die Auswirkungen der Pandemie eingehen. […]. In dieser Hinsicht sind wir einfach nur froh, dass […] unsere Spieler trotz einiger Corona-Fälle in der Mannschaft keine gesundheitlichen Schäden davongetragen haben. […]“, eröffnete MT-Vorstand Axel Geerken die Runde der Statements.

Barbara Braun-Lüdicke. Foto: Heinz Hartung
Barbara Braun-Lüdicke. Foto: Heinz Hartung

Das sportliche Abschneiden in den drei Wettbewerben, in denen die MT Melsungen vertreten war, sei jedoch insgesamt mehr als ernüchternd. Mit Rang 8 erreichten die Rotweißen ihre schlechteste Bundesligaplatzierung seit acht Jahren. In der European League war bereits nach der ersten Qualifikationsrunde Endstation. Im DHB-Pokal, in der zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Finale erreicht wurde, unterlag die MT einem vermeintlich schlagbaren Gegner und vergab damit die bislang größte Chance auf einen Titel.

Sich um die MT Gedanken machen

„Wir müssen hier nicht drumherum reden. Mit diesen Ergebnissen sind wir hinter unseren eigenen Erwartungen und denen unserer Fans, unserer Partner und allen, die sich für die MT interessieren, ganz klar zurückgeblieben. Um es auf den Punkt zu bringen: Das war nicht unser Jahr“, sagt Barbara Braun-Lüdicke. „Insofern haben uns die zahlreichen Reaktionen aus allen Richtungen nicht überrascht. Als Bundesligist steht man in der Öffentlichkeit und muss eben damit rechnen. Das zeigt andererseits auch, dass sich viele Menschen um die MT Gedanken machen. Für uns ist das deshalb Ansporn, aus den Fehlern zu lernen und es in der kommenden Saison besser zu machen. Das übergeordnete Ziel ist immer, den Bundesliga-Handball und damit den Spitzensport in unserer Region zu erhalten”, ergänzt die Aufsichtratsvorsitzende.

Schwachstellen aufgedeckt

Welche Schwächen die MT im Verlauf der Saison offenbart hat, lässt sich auf den ersten Blick an zwei Phänomenen festmachen: Punktverluste gegen vermeintlich schlagbare Kontrahenten; 17 Minuszähler gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte. Die Abwehr: Nur 5 der 20 Mannschaften haben mehr Tore kassiert als die MT.

„Bei genauerer Betrachtung ist festzuhalten“, so Axel Geerken, „dass wir nur selten die volle Breite unseres Kaders genutzt haben. Vor allem im Rückraum musste die Achse Kühn-Pavlovic-Häfner in den meisten Spielen nahezu die alleinige Verantwortung tragen, ohne nennenswerte Verschnaufpausen zu erhalten. Nicht, dass man deren Leistung kritisieren muss, im Gegenteil. Aber angesichts ständig hoher Belastungen ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich eine relativ hohe Zahl technischer Fehler einstellt. Und wenn es im Angriff nicht lief, sprich weder Kleingruppen- noch Einzelaktionen zum Erfolg führten, sind wir in einigen Spielen förmlich auseinandergefallen. Hier hat sich eindeutig gezeigt, dass wir viel stärker als Team zusammenfinden müssen. Gut möglich, dass wir deshalb in der Vorbereitung auf die neue Saison auch externe Unterstützung hinzuziehen. Die Abwehr betreffend: Sie war weitaus weniger effektiv, als erhofft. Hier müssen wir über die Systeme nachdenken.“

Probleme bei der Teambildung

Axel Geerken macht auch deutlich, dass das, was sportlich nicht wie erhofft gelaufen ist, nicht dem Trainerteam oder gar dem Chefcoach allein angelastet werden kann. „Jeder, der in unserem Verein Verantwortung trägt, und da schließe ich mich natürlich ein, muss sich hinterfragen, welche Fehler gemacht wurden und wie sie zu beheben sind. Gudmundur Gudmundsson etwa hat die Mannschaft vor eineinhalb Jahren in einer schwierigen Phase mitten in einer Saison übernommen. Kurz darauf kam die Pandemie. Durch die vielen damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen war es dem neuen Trainer kaum möglich, die für sportlichen Erfolg so wichtige Teambildung zu forcieren. Auf welchen Bereich wir auch blicken, in der kommenden Saison müssen wir zeigen, wie lernfähig wir sind.“

Jeder einzelne für Gesamterfolg wichtig

Gudmundur Gudmundsson, der am 28. Februar 2020 das Amt des Cheftrainers bei der MT übernahm und dessen Vertrag zunächst bis 30. Juni 2022 läuft, geht in die Details: „In der kommenden Saison wird unser Kader gleichmäßiger besetzt sein als zuletzt. Dazu tragen die drei Neuverpflichtungen Elvar Örn Jonsson, André Gomes und Alexander Petersson bei. Es gibt mehrere Stellschrauben, an denen wir drehen müssen, um uns weiterzuentwickeln. Eine davon ist es, mit deutlich weniger Angriff-/Abwehrwechseln zu arbeiten und dadurch unser Spiel insgesamt schneller und damit auch attraktiver zu machen. Zudem müssen wir die Abwehrstrategien möglichst optimal auf unsere Besetzung hin anpassen, denn die Zahl der kassierten Tore war in der letzten Saison einfach zu hoch. In den Griff kriegen müssen wir die Leistungsschwankungen innerhalb eines Spiels, aber auch von einem Spiel zum nächsten. Neben den direkt sportbezogenen Details kommt es uns darauf an, bereits in der Ansprache stets deutlich zu machen, dass wir jedem einzelnen Spieler eine hohe Wertschätzung entgegenbringen und er wichtig für den Gesamterfolg ist. Unser Kader umfasst 15 Profis, zuzüglich mehrerer Talente wie unter anderem Ben Beekmann, Julian Fuchs und Paul Kompenhans, die regelmäßig mittrainieren werden und situativ im Spieltagsaufgebot stehen. Von Ole Pregler, der ein Zweifachspielrecht besitzt, erhoffen wir uns durch sein Praktikumsjahr in Gummersbach den nächsten Entwicklungsschritt. Die Leistungsdichte in unserem Profikader wird dazu führen, dass alle Spieler entsprechend ihren Fähigkeiten und gemäß der jeweiligen taktischen Erfordernisse eingebunden werden können. Zudem muss es uns gelingen, trotz der starken individuellen Fähigkeiten unserer Spieler den Teamgedanken absolut in den Vordergrund zu rücken. Das ist ein intensiver Prozess, der das Mitwirken aller Beteiligten erfordert, Management, Trainer- und Betreuerstab und Spieler.“

Gudmundur Gudmundsson. Foto: Alibek Käsler
Gudmundur Gudmundsson. Foto: Alibek Käsler

Erstmal in der Liga überzeugen

Die Erwartungen an eine qualitativ hochwertig besetzte Mannschaft wie die der MT, sind naturgemäß hoch. Entsprechend groß ist der Erfolgsdruck. „Dem, der von außen an uns herangetragen wird, können wir uns nicht völlig entziehen“, so Vorstand Geerken, „aber die jüngere Vergangenheit hat uns gelehrt, dass personelle Voraussetzungen allein noch nicht ausreichen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Sehr gute Spieler zu holen ist das eine, daraus ein schlagkräftiges Team zu formen, das andere. Und genau da müssen wir ansetzen. Gelingt uns das, wird sich auch der Erfolg einstellen. Weiterhin vorantreiben werden wir unsere sehr gute Nachwuchsarbeit und die sich daraus ergebenden Perspektiven. Mit unseren beiden ältesten Jugendteams etwa gehören wir zu den vier Top-Clubs in Deutschland. Schon über die letzte Saison haben wir mit gleich fünf Spielern im Trainingskader soviel Talente wie noch nie an das Bundesligateam herangeführt. Durch diese enge Verzahnung ermöglichen wir bereits jetzt einzelnen Nachwuchsspielern situativ Bundesligaeinsätze. Bevor wir aber in der MT Melsungen von einer European oder gar Champions League reden, müssen wir leistungsmäßig entsprechend überzeugende Statements in der Liga abgeben. Die Ziele, die wir uns stellen, müssen realistisch, also erreichbar sein. Wir wollen mit unserem attraktiv besetzten Kader zuallererst auch attraktiven Bundesligahandball bieten. Die Fans sollen wieder Spaß haben, unserer Mannschaft zuzuschauen und sie anzufeuern.“

Aktuelle Termine

○ 28.06.21 – 27.07.21: Urlaubsphase des Bundesligateam
○ 28.07.21 – 04.08.21: Individuelle Trainingsphase: Spieler trainieren einzeln für sich
○ 05.08.21: Erstes Mannschaftstraining mit Bundesligakader, ggf. noch ohne die Olympiateilnehmer

(red)



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