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Bahnreaktivierung und Umweltschutz

Die Reaktivierung der Bahnstrecke ist aus ökologischer Sicht sinnvoller als der Neubau eines Bahnradweges. Foto: Bürgerinitiative zur Rettung der nordhessischen Kanonenbahn e.V.

Schwalm-Eder. Interessenvertreter zur Reaktivierung der Bahnstrecke Homberg-Treysa trafen sich jüngst zu einem Austausch von Informationen.

Was wird aus den Pflanzen und Tieren?

Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen dem Vorstand der Bürgerinitiative zur „Rettung der nordhessischen Kanonenbahn e.V.“ und dem NABU-Vorsitzenden Rainer Hartmann stand die Frage, inwieweit eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Homberg (Efze) nach Schwalmstadt-Treysa Auswirkungen auf die Flora und Fauna entlang der Trassenführung hätte.

Die Natur hat sich nach Jahren des Stillstandes den Streckenabschnitt zurückgeholt. So ist die Strecke vollständig mit Hecken, Sträuchern und Bäumen zugewachsen. Dies legte Rainer Hartmann ausführlich dar. Insbesondere auch das vorhandene Totholz, welches für die Insekten und Tiere als Rückzugsort dient, habe sich zu einem eigenen Biotop entwickelt. Dadurch stelle sich die Frage, ob eine Reaktivierung aufgrund des Umweltschutzes überhaupt in Frage komme? Die Antwort sei klar: Ja!

Die Gleisstrecke lässt sich laut NABU mit geringen Eingriffen wieder herstellen. Ein Radweg müsste komplett neu gebaut werden Foto: Bürgerinitiative zur Rettung der nordhessischen Kanonenbahn e.V.

Radweg bräuchte mehr Platz

Zwar müssten für die Reaktivierung der Grünwuchs zwischen und neben den Gleisen entfernt werden, jedoch wäre der Eingriff weitaus weniger drastisch, als beispielsweise bei einem Radweg. Die Bahn benötige lediglich eine 6 Meter breite Rückschnittzone, der Rest würde als Stabilisierungszone mit ihren Habitatbeständen erhalten bleiben können.

Für einen Radweg müsste die komplette Vegetation entlang der 21 Kilometer langen Strecke zurückgeschnitten werden, da die Radfahrenden an einer freien Sicht über Felder und Wiesen interessiert sein dürften. Denn dies würde die Strecke für Radfahrende ja erst interessant machen.

Für Bahnreisende hingegen sei ein solch radikaler Rückschnitt nicht erforderlich. Hier stehe nicht der freie Blick im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeit, umweltschonend und zeitsparend zwischen den Mittelzentren Homberg und Treysa zu verkehren.

Bedrohte Echsen und gefährliches Laub

Weiterhin müsste ein Radweg laut Bahnbefürwortern asphaltiert werden. Auf dem Asphalt wiederum sonnen sich die dort lebenden Echsen. „Sie lieben die Wärme des Asphalts. Die Tiere würden sich somit den Radfahrenden in den Weg ‚stellen‘ und hätten sicher kaum eine Chance, auf der Strecke zu überleben“, mahnte der Vorsitzende des NABU Homberg, Rainer Hartmann. „Darüber hinaus stellt in den Herbstmonaten das fallende Laub eine besondere Gefahr für die Radfahrenden dar, welches entweder durch den radikalen Abschnitt der Vegetation verhindert wird oder durch die anliegenden Kommunen für viel Geld regelmäßig entfernt werden müsste.“

Die Vegetation am Rande der Bahnstrecke ist über die Jahre schon recht üppig geworden. Foto: Bürgerinitiative zur Rettung der nordhessischen Kanonenbahn e.V.

Reaktivierung schont die Umwelt

Aus Sicht des NABU Homberg (Efze) ist daher eine Reaktivierung der Bahnstrecke ein weitaus weniger harter Einschnitt in die Lebenswelt der Insekten und Tiere als der Bau eines Radweges, welcher „ja ohnehin parallel zur Bahnstrecke verläuft“ so Dr. Herbert Wassmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative weiter. Alle Beteiligten waren sich einig, dass bei der Reaktivierung der Bahnstrecke der Umwelt-, Tier – und Insektenschutz nicht zu kurz kommen darf. Die Reaktivierung muss und wird schonender sein, als der Bau und Betrieb des Radweges. Aus Umweltschutzgründen sollte somit von dem Bau des Radweges Abstand genommen werden, resümieren Hartmann und Wassmann.

Verständnis und Akzeptanz schaffen

Das offene und informative Gespräch mit NABU-Chef Hartmann sei für den Vorstand der Bürgerinitiative besonders wichtig, da möglichst viele Menschen in den Reaktivierungsprozess hätten eingebunden werden müssen. Das schaffe Verständnis und Akzeptanz. Die Bürgerinitiative zur Reaktivierung der nordhessischen Kanonenbahn macht abschließend nochmal deutlich: „Der Schwalm-Eder-Kreis muss im Zusammenwirken mit dem Nordhessischen Verkehrsverbund und dem Land Hessen sowie den anliegenden Kommunen eine Reaktivierung unbedingt fokussieren und von einem Radwegbau Abstand nehmen.“

(red)



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Ein Kommentar zu “Bahnreaktivierung und Umweltschutz”

  1. Andreas Meyer-Stoll

    Was mir heute wieder an kompakten Infos zur Verfügung gestellt wurde, habe ich mit Interesse gelesen. Ich bin für die Re-Aktivierung der „Knüllwald-Bahn.
    Begründung:
    Die im neuen Flyer und in den oben aufgef. Argumenten und genannten Vorteilen gegenüber einem Radweg
    sind kaum zu widerlegen. Radwege sind zwar auch wichtig, aber in dem Raum ist für den Radverkehr schon einiges getan worden.
    Dass der NABU auch schon dazu gehört wurde, ist ein zusätzlicher und enorm wichtiger, positiver Faktor.


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