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d 15 – Mit »lumbung« auf neuen Wegen

Zum zentralen City-Treffpunkt der documenta fifteen wurde das einstige Sportarena-Kaufhaus an der Treppenstraße auserkoren. Foto: André Grabczynski

Kassel. Besser hätte es die Pressekonferenz zur „documenta fifteen“ am Mittwoch,15.06.22, nicht treffen können. Dafür sorgte nicht nur das Wetter, sondern auch die Wahl des Auestadions als Location.

Bildungsinitiative aus Jakarta

Alle Redner etablierten in ihrer Laudatio das Motto „lumbung“, als einen neuen Weg der documenta, in dem es erstmals möglich wurde ein Künstlerkollektiv „ruangrupa“ zuzulassen. Das Kollektiv aus Jakarta betreibt in Indonesien eine Bildungsinitiative und realisiert gemeinschaftliche Ausstellungen, Festivals und andere Projekte.

„lumbung“ steht für eine „ländliche Reisscheune“ und bezieht sich auf ein Konzept des Miteinander-Teilens, welches zentral als Thema bei der documenta fifteen hinter jeder Säule vertreten ist.

„ruangrupa“ frei übersetzt: „Kunstraum“ oder „Raumform“

So lässt die „neue“ Kurationsform der documenta durchaus in den Räumen und Werken jenen Zusammenhalt entstehen, welcher eine indonesische Mentalität zu bieten hat. Gemeinsamkeit, Zusammen oder Kollektive sind immer wieder Worte, welche als frohe Botschaft, nach all den Entbehrungen der Coronajahre, in die Kunstwelt entlassen werden. Aber auch für die großartigen „radikal“ neuen Workspaces wird lautstark geworben.

Das Fridericianum als ein Teil im Raum der „ländlichen Reisscheune“ – lumbung. Foto: André Grabczynski

Neues Kurationskonzept

Es hatte allerdings fast den Anschein, die Eröffnung rufe eine frohe Botschaft aus; stand doch bei der vorhergehenden documenta das Herabbeten von Förderern, Sponsoren und Geldgebern als gefühlt herausragender Punkt in allen Reden. Bei der Eröffnung der diesjährigen documenta fifteen fiel das Feiern und Jubeln schon während der ersten Sätze wesentlich leichter.

Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Oberbürgermeister Kassels, Christian Geselle und Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, beide Aufsichtsratsvorsitzende der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, betonten strahlend und begeistert das neue Kurationskonzept.

In materieller Hinsicht etwas substanzlos

Immer wieder von lautstarkem Applaus aus der Südkurve begleitet – die Eröffnung fand passenderweise im Auestadion statt –, performte dann auch fröhlich der lumbung-Künstler Agus Nur Amal PMTOH als Pausenfüller.

Zusammenkommen/Abhängen-Chillen drängt sich als Thema der documenta deutlich nach vorn. Fast könnte man meinen, diese documenta gerate etwas substanzlos, in materieller Hinsicht substanzlos, weil sie sich dem Besucher oftmals, vielleicht zu Unrecht, als vergeistigt präsentiert. Gegenüber vergangenen documentas als „Weltkunstschau“ – ein Gerhard Richter wäre bei dieser wohl etwas fehl am Platz und würde sich wahrscheinlich auch so fühlen.

In der Reisscheune übersehen werden

Man schafft Werke in die Räume, um sie zu füllen, nur damit mit sie nicht leer bleiben. Doch es gibt auch Kunst zu sehen – vorwiegend von europäischen Künstler:innen, die Gefahr laufen im lumbung übersehen zu werden.

Hat man bei all den anderen Locations, wo es eher heißt, komm – wir kochen was, komm wir singen und tanzen was, vergessen, was Kunst und documenta traditionell bedeutet?

Kunst und Künstlerkollektive aus Indonesien haben mit Sicherheit ihre Berechtigung, aber können sie auf der Weltbühne der Weltkunst bestehen?

Sommer, Sonne, documenta – die Eröffnungspressekonferenz im Auestadion bot perfekte Bedingungen zum Ausstellungsstart. Foto: André Grabczynski

Thema Rassismus: Aufarbeitung gelingt nicht

Bei den örtlichen Medien, vorzugsweise online, steht die documenta fifteen natürlich hoch im Kurs. So werden dem Publikum fast im Stundentakt ganze Themenbereiche dargeboten bis hin zu einer historischen Aufarbeitung. Probleme, die es ja nun bei jeder documenta gab und gibt, wurden kurz am Rande angesprochen, und wer die vorigen Ausstellungen und ihr Environment beobachtete, erkennt schnell, dass immer wieder das Thema Rassismus wie ein unheilvoller Stern über allem steht. Da gelingt auch der Kunst, so scheint es, keine Aufarbeitung.

Doch, diese documenta ist ein Zusammenkommen, ist Spaß, Freude und Party, und vielleicht wurde es Zeit, dass dieser Kontext Einzug hält – auch in eine Weltkunstschau wie der documenta in Kassel. Sie wird sich weiter entwickeln, wird (er)wachsen und größer werden und man darf gespannt sein, wie sie nach 100 Tagen aussehen wird.

(André Grabczynski)



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