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„Menschen finden, die mich verstehen“

Heike Quehl und Heike Wiegend am Stand der Rheuma Liga. Foto: Kerstin Warnecke | die inklusive pr

Homberg (Efze). Auf dem Selbsthilfetag in der Homberger Drehscheibe am vergangenen Samstag konnten zahlreiche Interessierte Kontakte knüpfen. „Es ist der Austausch, das Gefühl, nicht allein zu sein“, antwortete ein Besucher auf die Frage, was das Besondere an einer Selbsthilfegruppe sei.

Weiter sagte der Besucher: „Ich war vor den Kopf gestoßen, als ich von meinem Arzt vor Jahren die Diagnose Diabetes erhielt. Das Wir-Gefühl mit Menschen, denen es genauso erging, gab mir Kraft.“

Während er bereits Erfahrungen mit einer Selbsthilfegruppe gemacht hat, hatten das die meisten der zahlreichen Besucher und Besucherinnen allerdings nicht. Viele Menschen kamen mit ihren ganz persönlichen gesundheitlichen Sorgen oder die ihrer Angehörigen zu den üppig bestückten Infoständen im Untergeschoss der Drehscheibe. Sie informierten sich über die Arbeit der Gruppen, über Erfahrungen, Buchtipps oder darüber, wo und wann ein nächstes Treffen stattfindet.

Nicht allein auf weiter Flur

„Ärzte haben wenig Zeit, die Wartezimmer sind oft überfüllt. Mitunter ist es sogar schwer, überhaupt einen Termin zu bekommen. In der Selbsthilfegruppe nehmen wir uns Zeit füreinander. Wir können zwar keine medizinische Beratung geben, aber wir kennen uns mit den Sorgen aus, die die Erkrankung mit sich bringt. So können wir als Expert*innen unserer eigenen Krankheit Informationen und Tipps geben und unsere Erfahrungen teilen“, sagt Monika Bäcker, erste Vorsitzende der Selbsthilfe Nierenkranke Nordhessen.

Vor dem Stand der Asbestose Selbsthilfegruppe steht Helmut Beyer aus Knüllwald. „Ich möchte erfahren, dass ich nicht allein auf weiter Flur stehe“. Beyer hat im Baustoffhandel gearbeitet und in den 70er/80er Jahren Baustoffe mit Asbest verarbeitet – damals ohne Mundschutz. Bernd Stirn von der Selbsthilfegruppe fragt ihn, ob er mit seiner Krankheit schon registriert sei. „Die Registrierung habe den Vorteil, dass regelmäßige Untersuchungen der Lunge möglich sind“, erklärt er. Stirn rät, eine Berufsanamnese zu machen und genau zu dokumentieren, mit welchen Stoffen er in Kontakt kam. „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt. Wir beraten die Menschen, damit sie ihren ohnehin schon schwierigen Alltag leichter bewältigen können“, so Stirn.

Helmuth Beyer (re.) lässt sich beraten von Bernd Stirn (Mitte) von der Asbestose Selbsthilfegruppe. Foto: Kerstin Warnecke | die inklusive pr

Miteinander ins Gespräch kommen

Auch für Besucher, die zufällig vorbeikamen, gab es Interessantes zu entdecken: Zum Beispiel, ein Glas mit liebevoll gerollten Zetteln mit aufmunternden Sprüchen von der Selbsthilfegruppe Antrieb Frielendorf. Am Stand Nierenkranke Nordhessen konnte man erfahren, dass Nierenkranke im Schnitt acht bis zehn Jahre an der Dialyse hängen, bis sie endlich eine Spenderniere bekommen. Organspender werden also dringend gesucht. Über eine Blutzuckermessung am Stand Diabetes Nordhessen kam Klaus Seitz mit den Menschen ins Gespräch. Am Stand Verein für Suchtkranke erfuhr man, dass 80 % der Menschen, die nach einer Entzugstherapie eine Selbsthilfegruppe besuchten, nicht rückfällig werden. Zum Stand der Rheuma Liga kamen Menschen, die sich zuvor nicht getraut haben, Kontakt aufzunehmen.

„Viele Menschen wissen nicht, dass bei Rheuma Ergotherapie hilft oder wie man eine Schienenversorgung bekommt“, sagt Heike Quehl vom Leitungsteam. Lip- und Lymphödeme, starke Wasser- oder Fettablagerungen in den Beinen, können schon bei sehr jungen Frauen auftreten und werden häufig als Schönheitsproblem abgetan. Am Stand LiLyBelles Nordhessen erfuhr man, wie sich Frauen hier gegenseitig Mut machen. Warum steht am ADHS-Stand ein buntes Zebra? Die Farben des Zebras stehen für die Vielfalt der ADHS-Betroffenen und das Zebra stehe für die Unzähmbarkeit. Ein sympathisches Symbol, das die Selbsthilfegruppe ADHS für sich gewählt hat.

Offene und freundliche Stimmung

So vielfältig auch die 16 Selbsthilfegruppen waren, das einhellige Fazit des Selbsthilfetages war durchweg positiv. Bis zu 40 Gespräche wurden an manchen Ständen geführt. Die Stimmung war offen und freundlich. In den Gesprächen ist auch klar geworden, dass sich die Menschen wünschen, dass die Selbsthilfegruppen bekannter werden, sodass Betroffene frühzeitig Kenntnis von ihnen haben und in Kontakt treten können. Hier war der Selbsthilfetag eine gute Gelegenheit des Kennenlernens und auch des Vernetzens.

Die Veranstalter des Selbsthilfetages (v.li.), Madlen Honal-Link, Nicol Eisel und Geschäftsleiterin Silke Entzeroth vor den Infoständen der 16 Selbsthilfegruppen in der Drehscheibe Homberg. Foto: Kerstin Warnecke | die inklusive pr

Sorgen verstehen, Unterstützung finden

Auch die Veranstalterinnen des Selbsthilfetages von KISS, der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, Silke Entzeroth, Madlen Honal-Link und Nicol Eisel ziehen eine positive Bilanz: Es ist der richtige Weg, sich dort zu präsentieren, wo die Menschen sind. Das ist uns in der Drehscheibe nun zum zweiten Mal gut gelungen“, so Geschäftsführerin Entzeroth.

Auch die Unterstützung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch „die inklusive pr (ipr)“ von Neue Arbeit Marburg e.V. habe sich als positiv erwiesen, ergänzt Honal-Link. Durch das von Aktion Mensch geförderte Projekt ipr wurde der Selbsthilfetag bei der Neugestaltung der Außendarstellung und in der Pressearbeit unterstützt. KISS bietet vielseitige Unterstützung bei der Neugründung von Selbsthilfegruppen, bei der Vernetzung und bei der Kontaktaufnahme von Betroffenen, damit sie Menschen finden, die ihre Sorgen verstehen und Unterstützung finden.

http://www.psz-schwalm-eder-nord.de

(red)



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