Nachwuchs bei den Rebhühnern
Schwalm-Eder. Die Getreideernte im Schwalm-Eder-Kreis ist in vollem Gange, somit verändert sich momentan für die Wildtiere die Landschaft sehr deutlich. Viele bislang gute Versteckmöglichkeiten in den Getreidefeldern verschwinden nach und nach, die Tiere suchen nach Ausweich-Deckung.

In freier Wildbahn kaum auszumachen: Rebhuhn mit Küken, im Hintergrund der wachsame Hahn. Doch in der laufenden Erntekampagne werden die Verstecke rar. Foto: Andrea Imhäuser | LLH
Leichtes Spiel für Beutegreifer
Nach Abschluss der Getreideernte bieten nur noch Rüben-, Mais- und Kohlfelder sowie Hecken, Feld- und Weg-Säume Sichtschutz. Beutegreifer wie Waschbär, Fuchs oder Habicht haben jetzt leichtes Spiel, denn sie überblicken nun ihr Revier auf der Suche nach möglichen Beutetieren.
Besonders die sehr spät brütenden Rebhühner sind mit ihren direkt nach dem Schlupf aus dem Nest flüchtenden Küken auf eine gute Deckung angewiesen. Die beste Deckung bieten ihnen Altgrasstreifen und Säume entlang von Feldern, Wegen, Gräben und Hecken sowie abwechslungsreiche Strukturen auf Brach- und Blühflächen. Häufig werden kurz vor oder nach der Ernte viele Feldsäume und Wegränder gemulcht und dadurch die ohnehin schon wenigen noch vorhandenen Strukturen auch noch beseitigt.
Leicht und kostenfrei könnte etwas für Wildtiere getan werden, indem nur die wirklich dringend notwendigen Weg- und Feldränder (Verkehrssicherungsgründe oder massives Auftreten von Ackerunkräutern) gemulcht oder gemäht werden würden. In diesen Säumen schlummert großes, ungenutztes Potenzial zur Unterstützung der Feldtiere. Würden die Säume effektiv und mit Konzept gepflegt, könnten sie wieder ein blühendes und insektenreiches Rückzugsgebiet für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen.
Rebhuhnküken sind Nestflüchter
Kaum sind sie nach rund 25 Tagen Brutzeit – meist im Juli – aus dem Ei geschlüpft, verlassen die Rebhuhn-Küken auch schon mit ihren Eltern das Nest und begeben sich auf Nahrungssuche. Typisch ist der Anblick, wenn sie unter Führung der Elterntiere als Kette hintereinander übers Feld laufen.
Junge Rebhühner leben sehr gefährlich; nur etwa die Hälfte aller geschlüpften Küken überlebt den August. Neben der ständigen Gefahr, gefressen zu werden, haben die Witterung und das ausreichende Vorkommen von Insektennahrung großen Einfluss auf das Überleben der Junghühner. Anhaltend nasskaltes Wetter ist lebensgefährlich für die jungen Feldhühner, denn ihr Gefieder durchnässt bei Dauerregen schnell und sie sterben dann an Unterkühlung. Bei kurzen Regenschauern nimmt die Henne ihre Küken schützend unter ihre Flügel und hält sie trocken und warm.
In den ersten Lebenswochen ernähren sich junge Rebhühner ausschließlich von Insekten. Sie benötigen diese eiweißreiche tierische Nahrung für ein schnelles Wachstum, denn bereits nach zwei Wochen können junge Rebhühner kurze Strecken fliegen. Erwachsene Rebhühner bevorzugen neben Insekten auch grüne Pflanzenteile, Getreidekörner und Wildkräutersamen.
Perfekt getarnt im freien Feld
Feldhühner sind nicht leicht zu beobachten. Ihr braun-graues Gefieder ist ein optimales Tarnkleid. Sie verstehen es zudem ausgezeichnet, selbst kleinste Geländestrukturen als Versteck zu nutzen. Bei Gefahr drücken sie sich flach auf den Boden. Kommt ihnen ein Mensch zu nahe, fliegen sie häufig erst im letzten Moment auf und versuchen schnell, eine nahe gelegene Deckung zu erreichen.
Feldflurprojekt im Schwalm-Eder-Kreis
Der Bestand der Rebhühner ist bundesweit seit vielen Jahren stark rückläufig. Ursachen hierfür sind sich verändernde Lebensräume durch intensivere Landwirtschaft, mehr Fressfeinde, ungünstige Wetterbedingungen sowie ein Mangel an Insekten im Rahmen der Küken-Ernährung.
Das nordhessische Feldflurprojekt ist eines von zehn Projektgebieten im Sonderprogramm »Förderung der Leitarten der Feldflur« in Hessen. Es dient der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie, welche die Arten der Ackerlandschaften stärker als bisher in den Fokus des Naturschutzes rücken soll. Im Projektgebiet werden Landwirte bei der Anlage von Rebhuhn-gerechten Blühflächen intensiv durch die Projektkoordinatorin sowie die beteiligten Behörden beraten und gefördert.
In der Feldflur zwischen Borken und Gilserberg kommen wieder vermehrt Rebhuhn-Familienverbände (Ketten) vor. Sie haben auch in diesem Sommer wieder erfolgreich gebrütet, was bereits anhand etlicher Sichtungen durch Landwirte sowie ornithologisches Monitoring bestätigt wurde. Durch die Förderung einer besonders sensiblen Feldvogelart wie dem Rebhuhn werden gleichzeitig auch viele weitere Arten wie Feldhase, Feldlerche, Grauammer und weitere Feldvögel sowie seltene Ackerwildkräuter geschützt.
Jeder kann das Projekt unterstützen
Wer oft in der Natur im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs ist und Rebhühner sichtet: Bitte Datum, Ort und Uhrzeit sowie die Anzahl der gesichteten Tiere bzw. die Gegebenheiten der Sichtung notieren. Auch z.B. Totfunde und Federn oder sonstige Beobachtungen im Zusammenhang mit Rebhühnern sind von Interesse und unterstützen das Projekt. Alle Angaben bitte per E-Mail an: Andrea.Imhaeuser@llh.hessen.de
Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
red



