Bodenbrüter brauchen besonderen Schutz
Schwalm-Eder. Frühjahr und Frühsommer sind arbeitsintensive Phasen für die Landwirtschaft. Während auf Äckern und Grünland aktuell viele Arbeiten stattfinden, beginnt für heimische Vogelarten die Zeit der Brut und Jungenaufzucht. Am heutigen 22. Mai ist Internationaler Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt.

Die Goldammer ist ein typischer Vogel der Feldflur und wählt zur Brut vor allem dichte Vegetation an Hecken, Säumen und Feldrändern. Foto: ©LLH
Aus diesem Anlass rückt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in diesem Jahr Vogelarten in den Fokus, die in dieser Zeit besonders sensibel auf Veränderungen in ihrem Lebensraum reagieren: die Bodenbrüter.
Versteckte Nester in Feld und Flur
Zu den am Boden brütenden Vögeln gehören unter anderem Rebhuhn, Feldlerche, Schafstelze, Wiesenpieper, Braunkehlchen und Goldammer. Sie bauen ihre Nester nicht in Bäumen oder Sträuchern, sondern nutzen neben extensiven Grünlandbeständen und niedrigwüchsigen Ackerkulturen auch Brachen, Blühstreifen, Feldränder oder Säume. Insbesondere diese Landschaftsstrukturen sind für viele Arten unverzichtbare Lebensräume. Besonders wertvoll sind Übergangsbereiche mit vorjähriger Vegetation, da sie gleichzeitig Schutz und Nahrung bieten.
Kleiner Vogel mit großem Gelege
Das Rebhuhn gilt als typische, mittlerweile jedoch stark gefährdete Art der offenen Agrarlandschaft. Die etwa taubengroßen Vögel müssen für eine erfolgreiche Brut ihren Nistplatz am Boden sorgfältig wählen. „Vor allem in deckungsreichen Brachen, Blühflächen und strukturreichen Feldrändern finden sie ausreichend Schutz vor Witterung und Fressfeinden“, erklärt Alexandra Schotte aus dem LLH-Beratungsteam Biodiversität.

Rebhuhn-Nachwuchs: Die Küken verlassen unmittelbar nach dem Schlupf das Nest und benötigen daher deckungsreiche Lebensräume. Foto: ©LLH
Die Henne beginnt ab Anfang Mai bis zu 20 Eier zu legen. Sie fängt erst an zu brüten, wenn das Gelege vollständig ist – bis dahin können mehrere Wochen vergehen. Ende Juni bis Anfang Juli schlüpfen die Rebhuhnküken. Trotz der hohen Anzahl an Eiern pro Gelege überleben meist nur wenige Küken. „Nasskalte Witterung und ein geringer Insektenbestand können zu hohen Verlusten führen“, so Schotte weiter. „Zudem besteht eine große Gefahr durch Beutegreifer wie Fuchs oder Habicht vor allem dann, wenn die Deckung verloren geht – beispielsweise durch Mahd oder Mulchen.“
Kleine Fläche mit großer Wirkung
Weg- und Feldränder haben für Bodenbrüter und weitere wildlebende Tiere der Agrarlandschaft eine zentrale Bedeutung. Diese Bereiche bieten nicht nur Nahrung und Deckung, sondern verbinden auch unterschiedliche Lebensräume miteinander – insbesondere dann, wenn auf Acker- und Grünlandflächen Ernte- oder Pflegearbeiten stattfinden.
Viele landwirtschaftliche Betriebe engagieren sich bereits aktiv für die Artenvielfalt und schaffen mit Blühflächen, Brachen und einer angepassten Pflege von Landschaftsstrukturen wertvolle Lebensräume für sensible Arten in der Feldflur. Auch alle, die ihre Freizeit gern in der Natur verbringen, können mit einfachen Maßnahmen einen Beitrag leisten: Gerade in der Brut- und Aufzuchtzeit hilft Aufmerksamkeit dabei, Rückzugsräume zu erhalten – etwa indem Wege genutzt und Hunde angeleint geführt werden. Häufig sind es bereits kleine Gesten, die eine große Wirkung entfalten können.
Der LLH unterstützt landwirtschaftliche Betriebe dabei mit seiner Biodiversitätsberatung und bietet praxisnahe, fachlich fundierte Impulse rund um Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt.



