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Schleuderballwerfen: Alwin J. Wagner hält Weltrekord seit 30 Jahren

Melsungen. Am 21. August 1982 stellte der Melsunger Alwin J. Wagner (MT 1861 Melsungen) bei einem Werfertag in Lohfelden mit 86,92 Meter den Weltrekord im Diskuswerfen auf, der auch noch heute – nach 30 Jahren –  gültig ist Die lange Wegstrecke des am 11. August 1950 in Melsungen geborenen Ausnahmewerfers, der vor allem mit dem Diskus große Erfolg feiern konnte, hatte mit 12 Jahren beim Schulsport in der Bartenwetzerstadt begonnen, wo er durch seine enorme Sprungkraft auffiel. Nach den Bundesjugendspielen 1962 wurde er von den damaligen Übungsleitern der MT 1861 Melsungen angesprochen. Mit Erhard Lang und Alfred Grenzebach fand er zwei Trainer, die sich um talentierten Schüler kümmerten. Schon bald fand man heraus, dass Alwin Wagner in den Wurfwettbewerben besonderes Talent besaß. Er steigerte die Kreisrekorde und siegte bei den Meisterschaften in der Region.

1968 wurde er nicht nur hessischer Jugend- und Juniorenmeister, sondern er verbesserte auch den hessischen Jugendrekord im Diskuswerfen auf 48,03 Meter. In diesem Jahr kam er auch in zum ersten Mal mit dem Schleuderball in Berührung. „Schleuderball ist eine Disziplin, in der man Zeit zur Reife braucht“, erzählte Wagner. Aber bei ihm ging es sehr schnell, denn beim Deutschen Turnfest 1968 in Berlin sicherte er sich überraschend die Bronzemedaille in der Jugendklasse. Mit einer Leistung von etwas mehr als 63 Metern überraschte er die Experten, denn niemand hatte den Jugendlichen aus Melsungen auf der Rechnung.

Der Melsunger widmete sich auch dem Schleuderballwerfen und konnte nach einer kurzen Reifezeit eine reiche Ernte einfahren….

Beim Deutschen Turnfest 1973 in Stuttgart machte er im Wahlvierkampf auf sich aufmerksam, als er bei mehr als 3.000 Teilnehmern einen TOP-TEN-Platz belegte. Nach 11,61 Sekunden über 100 Meter, 6,04 Meter im Weitsprung sowie 16,84 Meter im Kugelstoßen, überraschte er im Schleuderballwerfen mit einem 68 Meter-Wurf. Auf Antrag des damaligen Melsunger Oberturnwartes Martin Zimmermann durfte Wagner auch bei den Einzelmeisterschaften im Schleuderballwerfen starten, obwohl der dafür nicht gemeldet war. Als Dank verbesserte er deutschen Rekord auf 72,23 Meter und sicherte sich den Turnfestsieg mit dem ersten deutschen Meistertitel. Fünf Jahre später konnte er in Hannover seinen Turnfestsieg wiederholen. Bis 1994 gewann Wagner insgesamt 15 deutsche Meisterschaften im Schleuderballwerfen und wurde mit sechs Turnfestsiegen der erfolgreichste Teilnehmer aller Zeiten. „Ich mag das Schleuderballwerfen und habe Spaß daran. Und vor allem habe ich Lust am Siegen“, betonte er. In den 80er Jahre verbesserte er seine Technik, indem er von drei auf vier Drehungen umstellte. Die meisten seiner Konkurrenten warten nur mit zwei Drehungen, denn es ist nicht einfach, bei drei und mehr Drehungen die Orientierung zu behalten und noch die Geschwindigkeit zu steigern. Vor allem durch seine mehrfachen Rekordverbesserungen mit dem 1,5kg schweren Lederball an der 28 Zentimeter langen Lederschlaufe wurde Wagner zu einer prägenden Größe in dieser Sportart. Er präsentierte sich bei all seinen Schleuderballwettkämpfen mental sehr stark und wenn er startete, war für die anderen Athleten, meistens auch Diskuswerfer der deutschen Spitzenklasse, die Silbermedaille das Optimum. Weder der sechsfache deutsche Meister Hein-Direck Neu (Bayer Leverkusen), noch der spätere Olympiasieger Rolf Danneberg oder die deutschen Diskuswurfmeister Werner Hartmann (1979) oder Alois Hannecker (1986) konnten ihn im Schleuderballwerfen bezwingen. Auch die USA-Spitzenathleten Brian Oldfield und der Ex-Weltrekordhalter im Diskuswerfen  Ben Plucknet  mussten Niederlagen einstecken und kamen mit ihren besten Würfen nur knapp an die 80 Meter-Marke.

Höhepunkt in seiner langen Karriere als Schleuderballwerfer war der heute noch gültige Weltrekordwurf von 86,92 Meter, der sich heute zum 30. Mal jährt.

„Ich hatte im Sommer des Jahres 1982 eine tolle Form, denn der Durchschnitt meiner besten acht Ergebnisse im Diskuswerfen betrug  65,89 Meter“, erinnerte sich Wagner, der am Vorabend seines Weltrekordwurfes beim internationalen Stadionsportfest (IStAF) in Berlin 65,38 Meter erreicht hatte. Wenige Tage vorher gewann er das Diskuswerfen in Flieden mit 66,46 Meter. Er war auf der Durchreise und wollte am 22. August nach Italien fliegen, wo er zwei Wettkämpfe absolvieren sollte. Als er am Mittag nach dem Berliner Meeting in Melsungen eintraf, las er in der Zeitung, dass in Lohfelden am 21. August ein Werfertag stattfand. „Ich hatte im Berliner Olympiastadion einen ungültigen Wurf knapp an die 67 Meter, so dass ich bei gutem Gegenwind sogar in der Lage war, den deutschen Rekord von 68,08 Meter zu verbessern. So fuhr er am Nachmittag nach Lohfelden, um den Rekordwurf in Angriff zu nehmen.  Aber leider gab es im Nordhessenstadion nur einen Diskuskreis. Da aber Rückenwind herrschte,  der leistungsmindernd für das Diskuswerfen ist, verzichtete Wagner auf diesen Wettbewerb und ging nur im Schleuderballwerfen an den Start.

Der damalige Schiedsrichter Elmar Dubiel erkannte sofort, dass ein neuer Rekord in der Luft lag, denn Wagner übertraf die 60 Meter-Markierungslinie um über 20 Meter.  Schnell wurden zwei Schilder für den deutschen und den Weltrekord in das Feld gesteckt, damit die Zuschauer einen genauen Überblick behielten.

Alwin J. Wagner, der als achter Werfer an der Reihe war, verbesserte die 64,82 Meter von Wulf Brunner (TV Gelnhausen), der vier Jahre später als Diskuswerfer an den Olympischen Spielen in Seoul teilnahm, auf 82,04 Meter. Im zweiten Durchgang sorgte der Melsunger für den Paukenschlag, als sein Schleuderball erst bei 86,92 Meter landete. Nachdem Elmar Dubiel den Ball nachgewogen, die Schlaufe vermessen und die Weite ein zweites Mal nachgemessen hatte, stand es fest:  Alwin J. Wagner verbesserte in Lohfelden am 21. August1982 um 17.25 Uhr den Weltrekord im Schleuderballwerfen auf 86,92 Meter. „Nicht nur die idealen Witterungsbedingungen, sondern auch die fachkundigen nordhessischen Zuschauer haben mit zu diesem Rekordwurf beigetragen“, sagte Wagner stolz nach dieser großartigen Leistung.

1994 hieß es  „Schleuderballwerfen ohne Alwin Wagner? Gibt es doch nicht!  Gibt es doch!  Nach seinem 6. Turnfestsieg in Hamburg war Schluss und das Kapitel „Schleuderballwerfen“ wurde für immer geschlossen.  „Es war für mich ein Punkt gekommen, an dem es keine Rückkehr mehr gab“, sagte heute der 62-jährige Leichtathletik-Trainer der MT Melsungen.

Was bleibt?  Gibt es etwas in der Rückschau, an das er sich ganz besonders gerne erinnert?  Die Olympischen Spiele in Los Angeles, wo er mit 64,78 Meter den 6. Platz im Diskuswerfen gewinnen konnte oder seine spannenden Wettkämpfe bei den Europameisterschaften?  Seine fünf deutschen Meisterschaften im Diskuswerfen, die er von 1981 bis 1985 in Folge gewinnen konnte?  Alwin J. Wagner,  der sich nach seiner sportlichen Karriere zunächst als Funktionär hervortat und als Schiedsrichter in der Leichtathletik auf nationaler und internationaler Ebene sich einen Namen machte,  holte weit aus: „Es war kein Erlebnis schlechthin. Ich sehe das Vierteljahrhundert, in dem ich intensiv Sport betrieben habe, unter vielerlei Gesichtspunkten.  Es ist wie eine Perlenschnur, die sich jedes Jahr verlängerte. Ein Konglomerat an Erfahrung und Leistung.  Es waren 25 schöne Jahre, von denen  ich keines vermissen möchte.  Auch nicht den Weltrekordwurf mit dem Schleuderball,“ sagte Wagner. (red)



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