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Mittelstand: Mehr Zuversicht und Investitionen

Hessen. Der Mittelstand wagt sich allmählich aus der Deckung. Steigende Zuversicht in einen tragfähigen Aufschwung in Deutschland und Europa bewegen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland zu mehr Investitionen. Sie erreichen 2014 mit einem Plus von sechs Prozent (12 Mrd. EUR) gegenüber dem Vorjahr den höchsten Stand seit 2008. Besonders erfreulich ist: Die Unternehmen investieren wieder verstärkt in Erweiterungen – ein deutliches Zeichen für die Vertrauenszunahme. Eine Fortsetzung des Aufschwungs bei den Investitionen in 2015 zeichnet sich ab. Das belegt das neue KfW-Mittelstandspanel 2015, der einzigen repräsentativen Erhebung im deutschen Mittelstand.

Allerdings konzentrieren sich diese Investitionen auf immer weniger Unternehmen. Auch das zeigt das KfW-Mittelstandspanel 2015 eindeutig. Der Anteil der KMU mit Investitionsprojekten gab 2014 um 1,3 Prozentpunkte auf zirka 42 Prozent nach.

Der Mittelstand nutzt die niedrigen Zinsen für mehr Fremdfinanzierung. Die Nachfrage nach Investitionskrediten stieg 2014 um acht Prozent (9 Mrd. EUR). Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstands leidet darunter nicht. Im Gegenteil, die durchschnittliche Eigenkapitalquote ist 2014 noch einmal um 1,1 Prozentpunkte auf mittlerweile 29,7 Prozent angestiegen. Das liegt auch daran, dass der Mittelstand sehr profitabel agiert. Die durchschnittliche Umsatzrendite steigt um 0,3 Prozentpunkte auf ein Allzeithoch von sieben Prozent im Jahr 2014.

Dabei werden die Unternehmen kaum noch produktiver. Mit 509.000 neuen Arbeitsplätzen im Jahr 2014 beschäftigt der Mittelstand 68 Prozent der Erwerbstätigen (29,1 Millionen). Das Umsatzwachstum (+3,3 % im Jahr 2014) bleibt zu schwach, um diese Entwicklung mitzutragen: Der Umsatz pro Mitarbeiter sinkt 2014 leicht um rund ein Prozent. Speziell die bisherigen Produktivitätstreiber verzeichnen Einbußen: Sowohl bei großen KMU mit 50 oder mehr Beschäftigten (-8 %) als auch bei KMU des forschungs- und entwicklungsintensiven – Verarbeitenden Gewerbes (-17 %) dreht die Entwicklung der Produktivität deutlich ins Minus.

Ein Grund dafür ist, dass der Auslandsumsatz der KMU 2014 im dritten Jahr in Folge auf aktuell 534 Mrd. EUR (-2 %) gesunken ist, während die Gesamtexporte deutscher Unternehmen gestiegen sind (+3,7 %). Das liegt hauptsächlich an der schwachen Konjunktur in Europa. Für KMU bleibt die Internationalisierung über die europäischen Grenzen hinaus eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist ein starkes Europa. Erfreulich ist, dass die Unternehmen vor dem Gang ins Ausland keine Angst haben. 2014 waren mehr KMU auf internationalen Märkten aktiv als im Vorjahr (23 % ggü. 20 % im Jahr 2013).

Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Jörg Zeuner, sagte zu den Ergebnissen des KfW-Mittelstandspanels 2015: „Die Unternehmen fassen allmählich wieder Vertrauen in die Stabilität der konjunkturellen Entwicklung, vor allem zuhause. Die Investitionslokomotive kommt in Schwung: Die Investitionen sind so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Die kleinen Unternehmen reagieren damit zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage, die anhalten sollte. Zugleich wirkt die Geldpolitik stimulierend. Für Euphorie gibt es aber keinen Anlass. Noch viel mehr Unternehmen müssten investieren, um langfristig in der Spur zu bleiben. Dafür braucht es neue Impulse. Der Staat spielt hier als größter Investor vor Ort durchaus eine Vorreiterrolle.“ Zudem gelte es noch immer den anstehenden Generationenwechsel im Mittelstand in den Griff zu bekommen: „Das Problem ungeklärter Nachfolgeregelungen wird immer drängender. Zuletzt waren bereits Chefs von 618.000 mittelständischen Unternehmen auf Nachfolgersuche“, so Zeuner weiter. „Nicht zuletzt braucht der Mittelstand ein dynamisches Europa, da der Weg ins weitere Ausland für viele Unternehmen erst beginnt.“

Das KfW-Mittelstandspanel 2015 steht unter www.kfw.de/mittelstandspanel zum Download zur Verfügung. (red)



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