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Karnevalsstimmung in Kassel – Melsungen schlägt Lemgo

4.300 Zuschauer feierten in der zum zweiten Mal ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle ein Handballfest. Die wie entfesselt auftretende MT Melsungen setzte sich in einem wahren Torfeuerwerk mit 41:37 (22:20) gegen den TBV Lemgo durch.

Kassel/Melsungen. Schon der Auftakt gegen den Tabellen-Sechsten hatte es in sich. Nach nur siebzig Sekunden stand es bereits 3:1 nach schnellen Toren von Vladica Stojanovic (2) und Daniel Tellander. Und in diesem Tempo ging es weiter. Nach zehn Minuten war das Spiel völlig ausgeglichen (8:8), Mario Kelentric und Carsten Lichtlein hatten beide je einen Ball abwehren können, die Angriffsreihen je einen Ball vertändelt. Durchschnittlich also alle 30 Sekunden ein abgeschlossener Angriff.

Kein Wunder, dass der Funke bei dieser Rasanz ganz schnell auf das Publikum übergesprungen war. Das machte einen Höllenlärm und feierte beide Teams nach Kräften an. Lemgo hatte auf der Spielmacherposition mit Daniel Stephan statt „Mimi“ Kraus begonnen, halb-links spielte der frischgebackene Europameister Lasse Boesen für Lars Kaufmann. Von den drei Anfang der Woche aus dem Nationalteam geworfenen Spielern durfte lediglich Rolf Hermann ran. Allerdings am für ihn ungewohnten rechten Flügel, wo EM-Allstar Florian Kehrmann mit einer Oberschenkelverletzung fehlte. Im Verlaufe der Begegnung wechselte sich Hermann mehrfach mit Tamas Mocsai ab, der auf Halbrechts beginnen durfte. Kurioserweise hatte diese „Notbesetzung“ eine Menge Durchschlagskraft. Beide Linkshänder verstanden sich prächtig mit Stephan, der allerdings auch recht einseitig verteilte. Doch schafften es die Ostwestfalen so, langsam das Heft in die Hand zu nehmen. Beim 10:11 nach genau 15 Minuten erzielte Tamas Mocsai die erste Führung für den Gast.

Markus Baur vertraute auf eine offensive 3:2:1-Deckung, mit der die MT plötzlich nicht mehr so gut klar kam, als Jens Bechtloff auf vorgezogener Position Vladica Stojanovic in Manndeckung nahm. Lemgo konnte die kurze Phase der Melsunger Verunsicherung nutzen, um sich auf zwei Tore abzusetzen. Daran änderte auch der Wechsel im MT-Tor von Mario Kelentric zu Radek Musil nichts. Dass die Nordhessen trotzdem schnell wieder heran waren, lag an der langsam stabiler werdenden Abwehr. Da verstand sich Neuzugang Nenad Vuckovic immer besser mit seinen Nebenleuten und sorgte für Ballgewinne. Die verwerteten Grigorios Sanikis und Savas Karipidis sicher.

Ein Doppelschlag von Daniel Tellander brachte die Bartenwetzer nach 25 Minuten wieder nach vorn. Vor allem der Führungstreffer zum 18:17 zeigte deutlich das fast blinde Verständnis untereinander. Vom eigenen Kreis aus bauten Savas Karipidis und Daniel Valo nach Ballgewinn den Gegenstoß per Doppelpass auf. Valo gab nach vorn zu Vladica Stojanovic, der sah links Nenad Vuckovic mitspurten. Und als ob der Serbe schon ewig dazugehören würde klatschte er das Leder blitzschnell weiter, genau in den schon angesetzten Sprung von Daniel Tellander. Der
Schwede als letzte Station dieses keine zehn Sekunden dauernden Angriffes ließ Lichtlein keine Abwehrchance. Zwar konnte Michael Kraus, der inzwischen Daniel Stephan abgelöst hatte, noch einmal ausgleichen, doch die Rot-Weißen übernahmen mehr und mehr das Kommando.

Petr Hruby traf, bevor noch einmal Vuckovic eine Kostprobe seiner Offensivfähigkeiten gab. Diese Zwei-Tore-Führung ließen sich die Hausherren bis zur Pause nicht mehr nehmen, auch weil Radek Musil einen Strafwurf von Tamas Mocsai parierte.

Nach der Halbzeitpause kam die MT Melsungen etwas wacher aus der Kabine zurück als der Gast. Deren Trainer Markus Baur hatte umgestellt, ließ jetzt Jörg Lützelberger gegen Vladica Stojanovic kurz decken. Der Regisseur reagierte ließ sich zurückfallen und zog so seinen Bewacher mit aus der Deckung heraus. Das eröffnete sofort Räume für die anderen, in die vornehmlich Grigorios Sanikis stieß und entweder seine Mitspieler in Szene setzte wie beim 23:21, als er Savas Karipidis am Kreis bediente, oder aber selbst vollstreckte. Der Grieche erzielte mit dem 24:21 nach 34 Minuten die erste Drei-Tore-Führung des Spieles.

Doch Lemgo blieb noch dran. Trotz Unterzahl gelangen Lasse Boesen und Rolf Hermann Treffer, wobei der Ex-Lübbecker sogar einmal bei vier gegen sechs traf. Nach Hruby’s 27:24 hätte Melsungen auf vier erhöhen können, zum 27:25 verkürzt. Nach einer knappen dreiviertel Stunde leisteten sich die Ostwestfalen ganze zwei schwache Minuten, die sofort Vladica Stojanovic (2) und Daniel Tellander per Tempogegenstoß nutzten um auf 32:27 davon zu ziehen. Markus Baur legte die grüne Karte und versuchte über ein Team-Timeout wieder Ruhe in die eigenen Reihen zu bringen. Lars Kaufmann kam zum Einsatz und half zumindest kurzfristig, wieder auf drei Tore heran zu kommen. Für eine generelle Wende des Spieles reichte es indes nicht.

Linksaußen Daniel Tellander erzielte nun sogar ein Rückraum-Tor. Spätestens als sich Petr Hruby nach 52 Minuten einen Ball aus einem Lemgoer Angriff herauspflückte und per Tempogegenstoß das 35:31 erzielte war in der Halle jedem klar, dass die MT dieses Spiel keinesfalls mehr aus der Hand geben wollte. Das Publikum stand und feierte bereits, als wenn der Sieg schon perfekt wäre. Das Spiel der Nordhessen geriet plötzlich zum Selbstläufer, während der TBV praktisch in sich zusammenbrach. Selbst in Unterzahl, Valo war auf die Bank geschickt worden, trafen Grigorios Sanikis und Andrej Kurtchev.

Die Gäste konnten eigentlich nur noch die sicher verwandelten Siebenmeter von „Mimi“ Kraus reagieren. Im Feld war für sie allerdings nichts mehr zu holen. Während Nenad Vuckovic einen schnellen Gegenstoß erfolgreich zum 38:33 abschloss, war die Party auf den Rängen längst in vollem Gange. Doch es sollte noch eine Steigerung geben. Das “Tollhaus” Rothenbach-Halle war perfekt, als Vladica Stojanovic sich einen Ball in der eigenen Abwehr eroberte, über das gesamte Spielfeld stürmte und mit einer formvollendeten Pirouette im gegnerischen Kreis den völlig konsternierten Jörg Zereike überwand.

Bei Lemgo ging in diesen Minuten überhaupt nichts mehr. Die Gäste aus dem Lipperland waren dem furiosen Angriffswirbel in Rot-Weiss hoffnungslos unterlegen und mutierten zu Statisten des nordhessischen Karnevals. Daniel Valo war es vorbehalten, zum vierten Male in einer Saison (Rekord in der Handball-Bundesliga!!!) die 40-Tore-Marke zu knacken.

Dass der TBV Lemgo in den verbleibenden zweieinhalb Minuten noch einmal Ergebniskosmetik betreiben durfte störte niemanden mehr auf den bebenden Rängen.

Stimmen zum Spiel
Markus Baur: Zunächst mal einen doppelten Glückwunsch an Robert Hedin zum Geburtstag und zum Sieg. Der war absolut verdient, weil Melsungen das Spiel über 60 Minuten im Griff hatte. Ich weiß gar nicht, ob man bei uns heute von einer „Abwehr“ sprechen darf. Das war eher eine Einladung zum Torewerfen. Es wird auch in Zukunft schwer werden, Spiele mit mehr als 40 Gegentoren zu gewinnen.
Robert Hedin: Ich habe zu Anfang etwas Angst gehabt, weil wir bisher immer Probleme gegen offensive Deckungen hatten. Das war diesmal aber nicht so, wie man an den 22 Toren schon zur Pause sehen konnte. Das war eine sehr schöner und sehr wichtiger Sieg für uns. Wir haben jetzt 17 Punkte und können damit insgesamt sehr zufrieden sein.

Statistik
MT Melsungen: Kelentric (1.-15., 38.-60. 9 P.), Musil (16.-37. 6 P.); Brouko 1/1, Kurtchev 1, Kraus (n.e.), Klitgaard, Valo 4, Tellander 5, Hruby 5, Stojanovic 8, Sanikis 7, Karipidis 8/4, Blank (n.e.), Vuckovic 2, Balomenos (n.e.)
TBV Lemgo: Lichtlein (1.-45. 6 P.), Zereike (46.-60. 3 P.); Kraus 8/6, Stephan 4, Bechtloff 3, Hegemann, Lützelberger 2, Mocsai 6, Hermann 9, Kaufmann 1, Geirsson (n.e.), Boesen 4, Hafner (n.e.)
SR: Matthias Dang (Mainz) / Thorsten Zacharias (Mainz)
Zeitstrafen: 6 – 6 (Klitgaard 10:45, Karipidis 12:02, Valo 52:17 – Hegemann 05:27 34:55, Moc-
sai 33:41)
Strafwürfe: 5/5 – 7/6: Mocsai scheitert an Musil (29:39)
Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft)

Im Bild: Vladica Stojanovic lässt sich in dieser Szene auch von Jörg Lützelberger (li.) und Michael Hegemann nicht stoppen. Foto: Heinz Hartung




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