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Melsungen bot Meister Kiel lange Paroli

Kassel/Melsungen. Insgesamt fast 40 Minuten bot die MT Melsungen dem turmhohen Favoriten THW Kiel die Stirn. Dennoch unterlagen die Gastgeber vor 3.730 Zuschauer in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen den amtierenden Deutschen Meister am Ende mit 32:39 (15:23). Ohne jeden Respekt vor großen Namen begann die Mannschaft von Trainer Robert Hedin sehr selbstbewusst und ging nach nicht einmal 30 Sekunden schon in Führung. Daniel Valo hatte aus neun Metern abgezogen und Olympiasieger Thierry Omeyer kalt erwischt. Genau wie exakt eine Minute später, als er dem Kieler Schlussmann nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Kim Andersson erneut das Nachsehen gab.

Vladica Stojanovic, der trotz seiner Bänderverletzung aus dem Gummersbach-Spiel vergangene Woche auf die Zähne biss und von Beginn an mit dabei war, setzte sogar noch einen drauf. Nach drei Minuten führte Melsungen mit 3:1 und übernahm vorerst auch spielerisch das Kommando auf dem Parkett. Beide Teams gingen ein unglaublich hohes Tempo. Nach nur vier Minuten waren schon 11 Angriffe gelaufen und die MT führte mit 4:2.

Eine Viertelstunde war nicht auszumachen, wer Favorit war und wer der Außenseiter in einer absolut ausgeglichenen Partie. Die Nordhessen strotzten vor Selbstvertrauen und blieben konstant mit einem oder gar zwei Treffern in Vorlage. Obwohl nach zwölf Minuten eine inzwischen leidlich bekannte „Krankheit“ wieder aufbrach: das Überzahlspiel. Marcus Ahlm musste auf die Bank, und prompt kam Kiel zu einem Siebenmeter, den Stefan Lövgren zum 8:8-Ausgleich nutzte. Aber noch ließen sich die Rot-Weißen davon nicht irritieren. Wieder war es Daniel Valo, der das Leder unbekümmert in die Maschen hämmerte. Und wieder war es Vladica Stojanovic, der einen nachlegte. 10:8 nach 15 gespielten Minuten – von Respekt vor dem Titelfavoriten bis dahin keine Spur.

Doch dann schlich sich im MT-Angriff eine fehlerbehaftete Phase ein. Ihre Kennzeichen: Ungenaue Abspiele, Ballannahme zu dicht an der gegnerischen Abwehr und überhastete Torwürfe. So wurde der THW ungewollt ins Spiel gebracht. Filip Jicha und Marcus Ahlm glichen aus, Mario Kelentric räumte danach den Platz zwischen den Pfosten. Ganze zwei Bälle hatte der Kroate bis dahin zu fassen bekommen. Simon Herold war noch nicht ganz im Kasten angekommen, da sah er sich nach erneutem Ballverlust seiner Vorderleute mit Dominik Klein konfrontiert, der per Tempogegenstoß unwiderstehlich zur ersten Kieler Führung des Tages einnetzte.

Noch aber gab sich Melsungen nicht geschlagen, auch wenn die anfangs gezeigte Souveränität inzwischen kaum mehr zum Tragen kam. Allein Savas Karipidis hielt die Hausherren mit seinen ersten beiden Toren des Tages noch im Spiel. Als aber nach 19 Minuten Filip Jicha zwei Minuten aufgebrummt bekam, nahm das Unheil für die MT Melsungen trotz Überzahl seinen Lauf und das Spiel kippte zugunsten Kiels. Alfred Gislason brachte den immer noch am Ellenbogen verletzten Nikola Karabatic und gleich seinen ersten Angriff schloss der Welthandballer erfolgreich ab. Und sorgte auch in der Deckung für die bis dahin vermisste Stabilität. Direkte Folge davon war der Ballgewinn im nächsten Spielzug und das 12:14 durch einen schnellen Gegenstoß über Vid Kavticnik. Von 10:8 auf 12:14 – für Robert Hedin Grund genug für eine Auszeit.

Die Verschnaufpause fruchtete leider nicht aus Sicht der Gastgeber. Savas Karipidis nutzte die letzten verbliebenen Sekunden der Überzahl zum Anschlusstreffer, doch dann brachen plötzlich alle Dämme. Nenad Vuckovic wurde dabei zur tragischen Figur, denn dreimal in Folge zeichnete der Serbe für Ballverluste verantwortlich, die Kim Andersson und Vid Kavticnik (2) gnadenlos zu eigenen Erfolgen nutzten. Und Kiels rechte Seite wirbelte weiter wie aufgedreht. Von den sechs Toren in Folge, die der THW zum 20:13 erzielte, gingen fünf auf das Konto der beiden Linkshänder. Ein Lauf, der die Partie frühzeitig entschied. Daran änderte auch die Rückkehr von Mario Kelentric nichts, der den ebenfalls glücklosen Simon Herold nach nur zehn Minuten wieder ablöste. Kiel baute seine Führung bis zur Pause locker auf acht Tore aus, auch weil Melsungens Rückraum kein probates Mittel mehr fand gegen eine immer besser werdende Kieler Deckung. Zu allem Überfluss handelten sich zuerst Daniel Valo, und mit dem Halbzeitpfiff auch noch Thomas Klitgaard Zeitstrafen ein. Vid Kavticnik und Stefan Lövgren bedankten sich für den Freiraum und schossen den Favoriten bis zum Pausenpfiff mit 23:15 in Front.

Nach dem Wechsel mussten sich vier verbliebene Melsunger zunächst einmal für sechzig Sekunden behaupten, bevor wenigstens Valo wieder eingreifen konnte. Karipidis, Junillon, Vuckovic und Tellander machten ihre Sache perfekt, und hinter ihnen zeigte Mario Kelentric endlich auch seine Extraklasse. Gleich zweimal in Folge blieb er Sieger gegen Kieler Schützen, wobei er von Dominik Kleins Ball voll im Gesicht getroffen wurde. Nach kurzer Behandlungspause ging es allerdings weiter und es schien, als hätte dieser schmerzhafte Treffer den MT-Keeper so richtig wach gerüttelt. Immer noch mit einem Mann weniger auf dem Feld meldete sich Daniel Valo sofort mit einem Torerfolg zurück, um wiederum nur eine Minute darauf für ein Allerweltsfoul erneut auf die Sünderbank zu müssen. Melsungen haderte in dieser Phase wiederholt mit unglücklichen Entscheidungen der Unparteiischen, die in einigen Situationen das nötige Fingerspitzengefühl vermissen ließen. So sah wurde z.B. Nenad Vuckovic bei einem Wurfversuch überhart angegangen. Statt Freiwurf und Ballbesitz für Melsungen gab es einen schnellen Konter und das nächste Gegentor.

Glück für die Nordhessen, dass wenigstens Mario Kelentric nach seinem Kopftreffer hellwach war. Seine Paraden verhinderten einen höheren Rückstand und bauten das Hedin-Team noch einmal richtig auf. Zwischen der 36. und 43. Minute wirbelte plötzlich nur noch Rot-Weiß. Ausgehend jeweils von Kelentric schossen Daniel Tellander (2), Thomas Klitgaard, Franck Junillon und Daniel Valo (2) ihre Mannschaft bis auf 23:27 heran. Die Rothenbach-Halle glich einem Tollhaus. Alfred Gislason zog keine Minute zu früh die Notbremse und legte die grüne Karte. Gerade noch rechtzeitig, bevor Melsungen endgültig wieder im Spiel war.

Welthandballer Nikola Karabatic machte den entscheidenden Unterschied nach der Auszeit. Erst ein Hattrick zum 23:30, dann die Tore 32 und 33 hinterher. Der Franzose erzielte alle seine fünf Treffer der zweiten Hälfte direkt im Anschluss an die Auszeit binnen sechs Minuten, und führte den THW Kiel damit endgültig auf die Siegerstrasse.

Melsungen gab trotz des wieder größer werdenden Rückstandes nie auf und konnte verdient zum Ende hin noch einmal verkürzen. Doch die Kraft reichte nicht mehr, das Ergebnis so knapp zu halten, wie es dem Spielverlauf tatsächlich entsprochen hätte. Denn der Unterschied zwischen beiden Teams hatte sich an diesem Tage eigentlich nur zwischen der 20. und der 30. Minute gezeigt.

Stimmen zum Spiel
Alfred Gislason:
Wir sind schwer in die Partie hinein gekommen. Aber unsere Abwehr wurde im Verlauf der ersten Halbzeit immer besser. Nach dem Wechsel sah es so aus, als wollten wir nur noch verwalten. Nach 45 Minuten war das Spiel plötzlich wieder vollkommen offen. Es war für uns unbedingt notwendig, den angeschlagenen Nikola Karabatic zu bringen. Erst mit ihm kamen der nötige Druck nach vorn und der Zusammenhalt in der Abwehr.

Robert Hedin:
Wir sind sehr gut und diszipliniert gestartet, haben dann aber in Überzahl Fehler gemacht und wieder zu früh abgeschlossen. Während wir uns über Nebensächlichkeiten aufgeregt haben machte Kiel sechs Tore in Folge und sorgte für die frühe Vorentscheidung. Gegen Kiel haben wir heute erhobenen Hauptes verloren. Wenn wir gegen Stralsund die Leistung bringen, wie  40 Minuten lang gegen Kiel, muss uns nicht bange sein.

Statistik
MT Melsungen:
Kelentric (11 P.), Herold (16.-26., 1 P.); Ehlers (n.e.), Junillon 1, Orzlowski, Klitgaard 5, Valo 9, Tellander 4, Tsimourtos (n.e.), Stojanovic 2, Karipidis 8/2, Vuckovic 3.

THW Kiel: Omeyer (13 P.), Palicka (55.-60., 0 P.); Lund 2, Andersson 6, Lundström 2, Kavticnik 7/1, Anic, Lövgren 3/2, Ahlm 4, Zeitz 2, Karabatic 7/1, Klein 3, Jicha 3.

SR: Uwe Prang (Bergheim) / Uwe Reichl (Köln)

Zeitstrafen: 8 – 12 (Valo 29:04 32:58, Klitgaard 30:00, Vuckovic 52:09  – Ahlm 11:26, Jicha 19:09, Andersson 27:54, Lundström 40:28, Zeitz 50:04 58:32)

Strafwürfe: 3/2 – 5/4: Lövgren wirft neben das Tor (39:54); Karipidis scheitert an Omeyer (43:28)

Zuschauer:
3.730 in der Rothenbach-Halle, Kassel

Foto 1: MT-Rechtsaußen Savas Karipidis mal als Rückraumschütze. Kiels Börge Lund versucht abzuwehren. Fotos: Heinz Hartung

Foto 2: MT-Kreisläufer Thomas Klitgaard gibt Kiels Marcus Ahlm das Nachsehen. Im Hintergrund beobachtet Vladica Stojanovic die Szene.



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