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Pollenbach: Bäume für die Kleinen

Von Tobias Knopp

pollenbach_baeume1Pollenbach. Aus unserer neuen Serie „Praktisches Basteln mit den Stehaufmännchen“ stellen wir Ihnen heute Herrn Klaus Van der Post, amtierender Vorsitzender der „Zum-Gold-Winkel-Stiftung“ Pollenbach und sein aktuelles Werkprojekt vor. Einfach hat es Klaus van der Post nie gehabt. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telehohn AG und in verantwortlichen Tätigkeiten in den Aufsichtsräten der Morgen Stanley – heute Pleite-Bank (USA), der Aliens-Versicherung und des Deutschen Lufthansi AG, gehört er schon immer zu der überaus bemitleidenswerten Gruppe jener Menschen, die wöchentlich 80 Stunden arbeiten und monatlich 8 Millionen verdienen.

Sicher ist es im Alltag für ihn schwierig, sich mit so profanen Dingen wie beispielsweise Einkaufen gehen zu befassen. Aber KahlstadtQualle, in dessen Aufsichtsrat Van der Post sich ebenfalls tummelt, bringt ohnehin immer die wichtigsten Dinge zu Hause vorbei, wenn mal etwas fehlt. Außerdem bereitet ihm das Laufen zunehmend Beschwerden. Sein Rücken ist gramgebeugt und sein Kopf hängt bleiern zwischen seinen müden Schultern. Die vielen Orden und Auszeichnungen um seinen Hals sind eigentlich viel zu schwer für seinen zarten Körper. Manchmal fragt er sich, warum er überhaupt jeden Morgen sein Großes Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen überstrippt.

Genau genommen  reicht es doch, wenn er den ganzen Tag sein goldenes Bambi in seiner Krokodilleder-Aktentasche mit sich herumschleppt. Falls jemand mal fragen sollte, was für ein toller Hecht er wohl sei, kann er ja immer noch das verquanzte Brunzvieh aus der Tasche zerren…

Denn erstens zieht ihn das ganze Edelmetall an seinem Körper mächtig nach unten und zweitens will er doch viel lieber wie all die Menschen auf der Straße mit ihren kleinen Sorgen und Nöten sein. Klaus van der Post liebt es, dass ihn seine Nachbarn schon von Kindesbeinen an kennen. Wenn er morgens vor seinem Haus in seinen schwarzen Mercedes CL 65 AMG steigt, winkt von Gegenüber immer die alte Frau Kotzelbach aus dem Fenster und ruft: „Na, Kläuschen, alter Windelpisser – suchst Du Deine Mutti, oder wo willste schon wieder hin?“

Auch Opa Lemke mit seinem Kramlädchen an der Ecke freut sich immer, wenn er den kleinen Klausi sieht. Und oft tätschelt er ihm zärtlich das Haar und fragt: „Was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“ Dann guckt Klausi ihn mit seinen unschuldigen Knopfäugelein an und antwortet: „König von Deutschland, Opa Lemke.“ Dann lacht Opa Lemke immer herzlich, zwickt Klausi in den Po und drückt ihm zwei „Werthers Echte“ in die Hand, weil der Junge ja sonst nichts vom Leben hat – außer Arbeit vielleicht und die paar Hundert Millionen Euro, die auf seinen Konten in den größten Steueroasen exzessiv kopulieren und sich sekündlich vermehren.

Das die Karriere des großen, erfolgreichen Klaus van der Post irgendwann mal einen Knick bekommen könnte, damit hat er insgeheim schon lange gerechnet. Aber dass ihn ausgerechnet eine billig kopierte CD-Rom vom Grabbeltisch des Discounters auffliegen lassen würde, hätte er nie gedacht. Wie unangenehm es doch ist, wenn eines Mittags die Staatsanwaltschaft vor der Tür steht und sämtliche Kontoauszüge sehen will; besonders die aus Liechtenstein. Und dann die ganzen Kameras und Presseleute in seinem Vorgarten. Diese Deppen treten einem sämtliche Krokusse platt. Was werden wohl die Nachbarn sagen?

Auch die Schlafpritsche in der Untersuchungshaft ist nicht wirklich besonders komfortabel. Aber nach einigen intensiven Verhandlungen mit den Ermittlungsbehörden kommt er ja auch gleich wieder auf freien Fuß. Das verschafft jedenfalls Zeit, um die restlichen CDs zu schreddern.

Wenn sich dann der Staatsanwalt und der vorsitzende Richter noch zum Geschäftsessen beim Angeklagten einladen lassen, steht einer milden Bewährungsstrafe nichts mehr im Wege. Warum auch in den Knast gehen? Knapp eine Millionen Euro Steuern zu hinterziehen sind doch Peanuts. Wäre da nur nicht der ganze Wind, der in der Presse gemacht wird, nur weil man jetzt rechtskräftig verurteilter prominenter Steuerbetrüger ist. Das nervt jedenfalls.  Den Staat und die anderen Steuerzahler zu bescheißen ist doch Volkssport heutzutage. Warum regt sich alles nur so auf?

Und wie geht es mit Klaus van der Post weiter? „Klar ist: Absprachen zwischen dem Gericht und mir gab es im Vorfeld meiner Verurteilung kaum“, sagt Van der Post. „Allerdings wurde ich wegen meiner weitreichenden Erfahrungen von Seiten der Strafverfolgungsbehörden, sagen wir mal eingeladen, künftig aktiv an der Bestrafung von kleinkriminellen Steuersündern mitzuwirken. Das bedeutet: Wenn jemand zum Beispiel bei seinem Lohnsteuerjahresausgleich 50 Euro unterschlagen hat, bin ich jetzt quasi ehrenamtlich für seine Strafvollstreckung zuständig.“

Und er fügt hinzu: „Um das durchführen zu können, musste ich erst mal einen Werkkurs für seemännische Knotentechnik belegen, der allerdings aus Steuermitteln finanziert wurde. Aber was macht man nicht alles für seine Resozialisierung. Als gewissenhafter Mensch habe ich von jedem Kursabschnitt ein Foto gemacht. Die Bilder meiner Abschlussprüfung möchte ich Ihnen hier zum Nachbasteln mal vorstellen. Es handelt sich dabei um den sogenannten Saddam-Hussein-Gedenkknoten.“

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„Und so wird’s gemacht: Legen Sie ein stabiles Seil in zwei Schlaufen aus und führen Sie das kurze Ende hinter der unteren Schlafe hindurch (Bild 2).“

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„Wickeln Sie nun das kurze Ende des Seiles sechs bis acht Mal außen um die beiden Schlaufen herum und führen Sie es dann durch die obere Schlaufe (Bild 3). Durch Ziehen an der unteren Schlaufe schließt sich nun die obere Schlaufe und der Knoten festigt sich.“

Van der Post: „Wenn man dann soweit ist, braucht es noch einen kleinen Steuersünder, einen starken Ast, ein Marmeladeneimerchen zum Draufkrabbeln und wenn der Delinquent oben steht: einen kräftigen Tritt gegen den Behälter. Und wissen Sie was? Der bescheißt den Staat nie wieder! Ja, da ist schon was dran: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Das liegt aber auch daran, dass es viel weniger Große gibt. Die muss man dann auch ein bisschen schonen.

Als nächstes plane ich übrigens eine ausgedehnte Geschäftsreise. Zunächst kam mir Luxemburg in den Sinn, dann habe ich aber auf das Fürstentum Monaco umgeschwenkt. Da soll es weniger Deutsche Finanzspitzel geben. Das wäre doch sehr schön, wenn die ganzen kleinen Steuersünder hierzulande bis zu meiner Rückkehr aufgeknüpft wären. Ich habe Ihnen ja jetzt gezeigt, wie es geht.

Und Bäume gibt es doch in Deutschland genug…“



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Ein Kommentar zu “Pollenbach: Bäume für die Kleinen”

  1. Josef Ackermann

    Als ich das gelesen habe, ist mir fast das Herz stehengeblieben: http://www.readers-edition.de/2009/01/27/zumwinkel-justitia-light-oder-zur-frage-der-gerechtigkeit-im-strafrecht/


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