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Der Kompass der Inklusion

80 Teilnehmer beim 8. Diakonischen Forum mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein

Podiumsteilnehmer: Prof. Dr. Ulf Liedke, Barbara Eschen, Prof. Dr. Willehad Lanwer, Sabine Leutiger-Vogel und Bischof Prof. Dr. Martin Hein (v.l.). Foto: nhSchwalmstadt. „Inklusion in Kürze – in Kürze inklusiv“, so lautete der Titel des 8. Forums Diakonische Kirche. 80 Teilnehmer kamen dazu am vergangenen Freitag in den Hephata-Kirchsaal, um sich in Vorträgen und Workshops mit dem Weg von Kirche und Diakonie hin zur Inklusion zu befassen. Das Forum wird von der Diakonie in Kurhessen Waldeck, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Hochschule Darmstadt und Hephata Diakonie einmal im Jahr veranstaltet.

Inklusion, das ist die unmittelbare Zugehörigkeit jedes Menschen zu einer Gesellschaft der Vielfalt. Inklusion bedeutet die realistische Perspektive der Überwindung von Ausgrenzung – Prof. Dr. Ulf Liedke, Evangelische Hochschule Dresden, lieferte in seinem Vortrag nicht nur eine Definition von Inklusion, sondern auch Denkansätze, wie Inklusion leben kann, wenngleich er mahnte: „Inklusion wird immer von Exklusion bedroht sein.“ Jedoch verändere bereits die Perspektive auf Inklusion die Gesellschaft. Kirche und Diakonie komme dabei eine besondere Rolle zu: „Die Inklusion ist von außen auf Kirche und Theologie zugekommen. Sie entdecken darin ihr ureigenes Thema wieder“, sagte Liedke.

Um Inklusion zu realisieren, bedürfe es Diakonie, bedürfe es Assistenz, jedoch in anderer Form als bislang. „Es reicht nicht aus, zu dezentralisieren. Sondern parallel dazu gibt es auch eine soziale Netzwerkarbeit zu tun.“ Es ginge darum, Konzepte mit, statt für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln. Und diese Konzepte müssten dann ach gemeinsam umgesetzt werden, mit Assistenz, aber nicht mit erdrückender Fürsorge von Fachleuten, Initiativen, Vereinen, Nachbarn und Gemeinden. Unter anderem sah er Kirche und Diakonie auch in der Rolle, Forum zu sein, für die Belange behinderter Menschen in der Gesellschaft. „Menschen mit Behinderungen sind Glieder und nicht Klienten der Gemeinde“, so Liedke.

Diesen Aspekt vertiefte auch die anschließende Podiumsdiskussion mit Hephata-Direktorin Pfarrerin Barbara Eschen, Bischof Prof. Dr. Martin Hein, Prof. Dr. Willehad Lanwer, Evangelische Hochschule Darmstadt (EHD), Sabine Leutiger-Vogel, Vorsitzende des Kreisdiakonieausschusses des Kirchenkreises Hofgeismar, und Prof. Dr. Ulf Liedke. Leutiger-Vogel bezeichnete Inklusion als Phänomen: „Inklusion begleitet mich mein ganze Leben. Ich bin aufgewachsen in einem Altenheim, ich war dort inkludiert. Meine Eltern haben im geriatrischen Bereich gearbeitet. Inklusion gehört für mich und zu meinem Leben dazu.“ Prof. Dr. Ulf Liedke beschäftigte hingegen, dass das Leitbild der Diakonie stärker von Nöten und Sorgen geprägt sei als von Begabungen: „Es besteht die Gefahr, dass wenn die Fürsorge zu sehr in den Mittelpunkt rückt, Entwicklungsmöglichkeiten vernachlässigt werden.“ Barbara Eschen bezeichnete so verstandene Fürsorge als „Kleinmachen“ der Menschen mit Behinderungen. Dem widersprach Bischof Prof. Dr. Martin Hein: „Das finde ich nicht. Dass Förderschulen auch exkludieren, ok, aber lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, indem immer die Karte der Inklusion gezogen wird.“

Prof. Dr. Willehad Lanwer, der an der EHD den Studiengang „Integrative Heilpädagogik / Inclusive Education“ mit entwickelt hat, sprach das Menschenbild an, das ein offenes sein müsse. Zwar stellten Menschen mit schweren Behinderungen, die radikal anders seien, an jeden von uns eine Herausforderung. Jedoch sei jeder Mensch unabhängig von seinen Fähigkeiten bildungs- und entwicklungsmöglich. „Der Ausgangspunkt und der Kompass ist das Menschenbild. Man darf Menschen nicht nur sehen im Sein, sondern auch in dem, was sie werden können.“ (me)



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