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Stolpersteine erinnern an Familie Sonn

Gunter Demnig. Foto: nh

Gunter Demnig. Foto: nh

Neukirchen. Neukirchen ist die 934. Kommune in Deutschland, die sich am Projekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnig beteiligt. Der Künstler hatte 1994 in Köln begonnen, Gedenksteine für ehemalige jüdische Einwohner im Pflaster zu verlegen, anfangs illegal. Seit dem Jahr 2000 ist Demnig für sein Projekt unterwegs. In Neukirchen verlegte er zum dritten Mal Stolpersteine in der Blaufärbergasse 4 zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Familie Sonn. In dem Haus wohnte die Famlie bis zu ihrer Vertreibung. Schüler der 10. Klasse der Steinwaldschule hatten mit ihrer Lehrerin Elke Hofmann die Lebensläufe der Familie erarbeitet und stellten die letzten drei Bewohner vor.

Johanna Sonn, geboren 1860, lebte mit ihrer verwitweten Schwiegertochter Berta Sonn, geborene Nagel, und dem Enkelsohn Ludwig Sonn in dem kleinen Haus. Bereits während der Reichspogromnacht stürmten SA-Mitglieder die Wohnung und verwüsteten den Hausrat, ohne dass die Nachbarn zu Hilfe gekommen seien. Ludwig Sonn war mit den jüdischen Männern in den Wald geflohen, wurde aber verhaftet. Nach seiner Entlassung beantragte der junge Mann einen Reisepass, den er am 10. Februar 1939 erhielt. Er reiste zunächst nach Venlo, Niederlande. Nach der Besetzung des Landes im Mai 1940 tauchte mit Hilfe einer Untergrundorganisation unter und überlebte versteckt bei einem Bauern.

Foto: nh

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Berta Sonn musste Neukirchen am 31. Mai 1942 verlassen. Sie wurde in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und am 1. Juli 1942 vergast. Auch Johanna Sonn ereilte ihr Schicksal: Sie wurde am 6. September 1942 zuerst nach Kassel und dann Theresienstadt deportiert. Vier Tage vor ihrem 84. Geburtstag wurde sie dort am 29. Oktober 1942 vergast.

Einen weiteren Überblick in das Leben der jüdischen Mitbewohner gaben Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse der Melanchthonschule. Sie hatten mit ihrer Lehrer Daniela Forst intensiv mit dem kürzlich erschienenen Buch „1930 – 1939 Nationalsozialismus in der Schwalm“ von Katharina Stengel gearbeitet. Wie normal das Zusammenleben der Religionen noch Anfang der 1930er Jahre war, bewiesen sie mit einem Zitat des Neukirchner Bürgers Smuel Levi: „Die Juden waren Mitglieder aller Vereine und nahmen an allen Festlichkeiten teil. Am Tag vor der Kirmes, wo die Musikkapelle jeder Familie ein Ständchen brachte, wurde den Juden eine religiöse oder jüdische Musik gespielt.“

Gunter Demnig verdeutlichte, dass er mit dem Projekt Menschen zurück in ihre Stadt bringen wolle. „Keiner hat freiwillig seine Heimat verlassen.“ Es berühre ihn bis heute, wenn Angehörige sehr weitere Reisen auf sich nähmen, nur um bei der Verlegung eines Steines dabei zu sein zu können. Ein Schüler habe auf die Frage eines Reporters, ob man mit dem Fuß über die Steine stolpere, einmal gesagt: „Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ (red)



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