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Wabern mit anderen Augen

Siamak Ejlali in seiner Fotoausstellung zur Jahrfeier. Foto: nh

Siamak Ejlali in seiner Fotoausstellung zur Jahrfeier. Foto: nh

Wabern. Im Rahmen der 1200-Jahrfeier in Wabern vom 25. bis zum 28. Mai 2017 gibt es in der alten Bäckerei Dehne in der Wilhelm-Dilich-Straße Nummer 14 eine ganz besondere Fotoausstellung zu sehen. Siamak Ejlali, ein 44-jähriger iranischer Asylsuchender zeigt unter dem Titel „OBJEKTIVe Momentaufnahmen Waberns“ in rund 80 Fotografien wie er sich seiner neuen Heimat genähert hat, wie er sie fotografisch erkundet hat. Dabei wählte Siamak Ejlali einerseits Motive aus, die jeder von uns machen würde, wenn er Wabern besuchen würde. Doch das hochspannende an der Ausstellung ist, dass er in zahlreichen Sachfotografien Ansichten von Wabern zeigt, die seine Annäherung an das unbekannte Terrain meist ohne Menschen dokumentiert.

Jemand beginnt sich in eine völlig neuen, einer ganz anderen Welt fotografisch zu orientieren. Dabei spielt auch die Natur im Zuckerrübenort, die Pflanzen in Parks oder Gärten, eine nicht unwichtige Rolle. Schließlich stammt Siamak aus Tabriz, einer Großstadt im nordwestlichen Iran mit 2,2 Millionen Einwohnern, unweit der iranisch-türkischen Grenze, wo das allgemeine gesellschaftliche Leben erst beginnt, wenn wir Mitteleuropäer bereits ins Bett gehen. Dort wurde er 1973 geboren und dort wuchs er in einem christlich geprägten Viertel als gläubiger Moslem auf.

Nun hat es ihn aus einer pulsierenden Millionenmetropole im mittleren Osten in die nordhessische Provinz der Großgemeinde Wabern verschlagen. Hier traf er auf eine völlig unbekannte und neue Kultur, auf ein anderes Klima, eine andere Mentalität und nicht zuletzt auf eine andere Sprache bzw. Schriftsprache. Daraus ergaben und ergeben sich Widersprüche, Brüche, etc., die sich in seinen Fotografien niederschlagen.

Siamak Ejlali nimmt den Betrachter in seiner Ausstellung mit auf einen Gang durch den Ort, der logischerweise am Bahnhof beginnt. Denn hier kam er im Winter 2015 an. Und von hier aus nimmt er die Besucher seiner Ausstellung auf eine „Reise“ durch den Ort mit, die am Rathaus, der zentralen Anlaufstelle der Asylsuchenden endet. Die Auswahl der Fotografien aus ein paar hundert Vorlagen, die zwischen dem Herbst 2016 und dem Frühjahr 2017 entstanden, zeigen einerseits wie sicher der Fotograf mit Licht, Perspektive, mit Tele- und Makroeffekten, etc., umgehen kann, andererseits wie überraschend der „andere“ Blick auf einen Ort wirken kann.

Selbst alteingesessene Waberner werden bei einzelnen Fotografien rätseln, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Wabern und nicht nur Wabern kann sich auf eine hochspannende Fotoausstellung freuen, der es zu wünschen ist, dass sich hoffentlich viele Besucher der Jahrfeier an ihr erfreuen können.

Wie dankbar Siamik Ejlali dafür ist, dass er heute in einem der freiheitlichsten Länder der Welt leben kann, wo er im Iran um sein Leben bangen musste, das hat er auch schon in einem Beitrag für die neue und zweite Ortschronik von Wabern getan, die in den nächsten Tagen der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden wird. In dieser hat der auf der Flucht in der Türkei zum Christentum konvertierte sich bei Bundeskanzlerin Merkel für seine Aufnahme in der Bundesrepublik bedankt.

Sein fiktiver Brief an Angela Merkel lautet:

Hallo, meine „Mutter“!

Ejlalis fiktiver Brief an Angela Merkel. Foto: nh

Ejlalis fiktiver Brief an Angela Merkel. Foto: nh

Ich weiß, dass du müde bist von den vielen Aufgaben. Deshalb schreibe ich dir einen Brief, um mich bei dir zu bedanken. Meine nette und starke Mutter! Du denkst an deine „Kinder“ und dafür danke ich dir.

Viele von uns beten für dich. Wir schätzen dich als eine fürsorgende Mutter. Du hast uns geholfen und erlaubt, dass wir in deinem Haus im Frieden ein neues Leben beginnen können. Wenn du uns nicht geholfen hättest, wären viele deiner Kinder unter der Erde begraben. Als dein kleiner Sohn danke ich dir, dass du Gottes Werkzeug warst, um mir ein neues Leben zu schenken.

Ich küsse deine Hand.

Aus tiefstem Herzen wünsche ich meiner lieben Mutter Gesundheit und ein gesegnetes Leben.

Danke „Mama Merkel“

Dein kleiner Sohn

Siamak Ejlali

 

Geöffnet hat die Ausstellung vom 25. bis 27. Mai in der Zeit von 14 bis 18 Uhr und am 28. Mai von 10 bis 18 Uhr. (Thomas Schattner)



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