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Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkveranstaltung zum Buß- und Bettag am Mahnmal vor der Hephata-Kirche

Julian Sorg, Abdallah Louniti, Hans-Günter Kripko und Detlef Schwierzeck (von links) am Mahnmal. Foto: Hephata

Julian Sorg, Abdallah Louniti, Hans-Günter Kripko und Detlef Schwierzeck (von links) am Mahnmal. Foto: Hephata

Schwalmstadt. Der Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern Hephatas im Nationalsozialismus wird jedes Jahr zum Buß- und Bettag gedacht. Bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal vor der Hephata-Kirche in Schwalmstadt-Treysa nahmen am Mittwoch 130 Menschen teil.

Die Gedenkfeier gestalteten Studierende, Auszubildende, Beschäftigte, Bewohner und Mitarbeitende. Hinzu kam Julia Gilfert, Gründungsmitglied und stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Gedenkort T4 e.V. in Berlin, die aus ihrer Familiengeschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus berichtete. Die rund 30 Minuten lange Veranstaltung stand unter dem Titel: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.“

Pfarrer Dr. Martin Sander-Gaiser, Leiter der Hephata-Akademie für soziale Berufe, sagte in seiner theologischen Ansprache. „Das Erinnern hilft, sensibel für die Anfänge und Folgen einer menschenverachtenden Politik zu sein.“ Sander-Gaiser betonte, dass jeder Mensch das Göttliche repräsentiere, für Humanität, Nächstenliebe und Gleichheit stehe. So wurden an jeden Teilnehmer der Gedenkveranstaltung kleine Taschenspiegel verteilt, deren Funktion Sander-Gaiser so wiedergab: „Möchten Sie ein Bild Gottes sehen? Dann schauen Sie dort einfach hinein.“

Markus Balkenhol, Mitarbeiter der Hephata-Behindertenhilfe, überreicht Julia Gilfert als Dankeschön ein Kunstwerk aus dem Atelier Farbenhaus. Foto: Hephata

Markus Balkenhol, Mitarbeiter der Hephata-Behindertenhilfe, überreicht Julia Gilfert als Dankeschön ein Kunstwerk aus dem Atelier Farbenhaus. Foto: Hephata

Detlef Schwierzeck, Abteilungsleiter Technische Fertigung der Hephata-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM), las im Anschluss, im Wechsel mit der Gemeinde, Psalm 8. Diakon Hans-Günter Kripko, Bereichsleiter der WfbM, entzündete drei Kerzen am Mahnmal, ein Chor aus Studierenden und Auszubildenden der Hephata-Akademie um Dozent Uwe Stein sorgte für den musikalischen Rahmen. Schließlich hielten Beschäftigte, Bewohner, Mitarbeitende, Studierende und Auszubildende Hephatas eine gemeinsame Ansprache. Dabei stand die Geschichte und Bedeutung des Mahnmals im Vordergrund. Das 1990 errichtete Werk des Künstlers Helmut Lander erinnert an die 388 Menschen mit Behinderungen, die zwischen 1937 und 1939 aus Hephata in andere Einrichtungen und Lager abtransportiert wurden. Mindestens 350 von ihnen wurden dort ermordet oder verstarben.

Walter Frick teilte dieses Schicksal, wenn auch in einem anderen Teil Deutschlands. Der Musiker wurde 1941 von seinem Schwager in die Nervenheilanstalt Bernau gebracht, weil er als psychisch krank und schwach und somit in der NS-Ideologie als „nicht lebenswert“ galt. Noch im selben Jahr starb er in der Nervenheilanstalt. Seine Enkelin Julia Gilfert, die auch familiäre Beziehungen in die Schwalm hat, war zu Gast bei der Gedenkveranstaltung und erzählte aus dem Leben ihres Großvaters. Zudem spielte die studierte Musikerin ein Lied ihres Großvaters, „Das Wiegenlied“, auf dem E-Piano. Sie schloss ihre Rede mit den Worten: „Damit nie wieder jemand sagen kann, kranke und behinderte Menschen dürfen getötet werden. Damit nie wieder jemand sagen darf, ein Mensch ist mehr wert als ein anderer.“

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung eröffnet Hephata-Direktor Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt die Ausstellung „Das bin ich – das macht mich glücklich“ des Ateliers Farbenhaus im Hephata-Kirchsaal. Die Ausstellung präsentiert Kunstwerke, in deren Entstehung sich die Künstlerinnen und Künstler mit der Frage „Was macht das Leben für mich lebenswert?“ beschäftigt haben.

Die Ausstellung im Hephata-Kirchsaal kann an folgenden Terminen besucht werden:

Freitag, 24. November, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr

Montag, 27. November, von 14 bis 16 Uhr

Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos.

Für Besuchergruppen sind weitere Termine möglich, nähere Informationen gibt es bei Elisabeth Wagner und Sabine Brusius, Atelier Farbenhaus, Telefon (06691) 9110396. (red)



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