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Ausbildung integriert Flüchtlinge

Integration durch Ausbildung bei der Firma Dallwig in Kassel (von links) Projektleiter Volker Nicolai (Hephata-Berufshilfe), Ausbilder Johannes Günther, Auszubildender Maedin Berihle. Foto: Hephata

Integration durch Ausbildung bei der Firma Dallwig in Kassel (von links) Projektleiter Volker Nicolai (Hephata-Berufshilfe), Ausbilder Johannes Günther, Auszubildender Maedin Berihle. Foto: Hephata

Treysa. Junge unbegleitete Flüchtlinge fit zu machen für den Ausbildungsmarkt –, das ist das Ziel des Projekts „Einrichtung einer Koordinierungsstelle zur Beruflichen Integration“ der Hephata-Berufshilfe. Nach knapp zwei Jahren zieht Projektmanager Volker Nicolai eine erste Bilanz. 
Mittlerweile haben sich knapp 80 Unternehmen im Raum Kassel und Korbach – von Logistikfirmen über Verwaltung, Banken bis hin zu Hotels und Installateuren – bereit erklärt, mitzumachen.

Sehen, was man gemacht hat

„Mit Metall zu arbeiten war mein Traum, ich habe das gesehen und gedacht, das ist meine Welt“, sagt Maedin Berihle (20). Er hat vor einem Jahr seine Lehre bei der Firma Dallwig in Kassel begonnen. Die Firma konstruiert und montiert Fenster, Türen, Fassaden und Wintergärten. „Man kann in der Stadt sehen, was man gemacht hat“, freut sich Maedin Berihle. Schon zu Hause in Eritrea hat er regelmäßig einem Schlosser über die Schultern geschaut, auch Schweißen konnte er schon.

Für Volker Nicolai (59), Projektmanager für Berufliche Integration in der Berufshilfe der Hephata Diakonie, war der junge Mann aus Eritrea der erste Flüchtling, den er vermittelte. Anderthalb Jahre nach Beginn des von der Aktion Mensch für drei Jahre finanzierten Projekts, zieht er eine erste positive Bilanz: 50 weitere junge Flüchtlinge im Alter von 16 bis 27 Jahren hat er unterstützt. Nicht alle dieser jungen Flüchtlinge haben einen Ausbildungsplatz in der Tasche wie Maedin Berihle, manche nur ein Praktikum, das zwei Wochen dauert oder auch ein ganzes Jahr. „Es ist wichtig, dass wir die Jugendlichen in dieser wichtigen Phase nicht allein lassen“, ist Nicolai überzeugt.

Dallwig Mehrdin: Maedin Berihle an seinem Ausbildungsplatz. Foto: Hephata

Dallwig Mehrdin: Maedin Berihle an seinem Ausbildungsplatz. Foto: Hephata

Vom ersten Tag an motiviert und wissbegierig

Für Maedin Berihle war es der Schlüssel zum Erfolg. Während eines zweiwöchigen Praktikums in dem Konstruktionsbetrieb hat der 20-Jährige die Firma so überzeugt, dass sie nicht lange zögerte. „Maedin war vom ersten Tag an motiviert und engagiert“, so Ausbilder Johannes Günther. „Er ist sehr wissbegierig, wenn er etwas nicht versteht, fragt er sofort nach.“ Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung im Metallbau, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Während dieser Zeit besucht der 20-Jährige auch die Berufsfachschule in Kassel.

Steckbrief für jeden Jugendlichen

Nach Maedin begann im August bereits der zweite junge Mann aus Eritrea seine Ausbildung bei der Firma. Dies ist nicht zuletzt der guten Vorbereitung Volker Nicolais zu verdanken. „Ich versuche, im Vorfeld alles zu klären“, so der Projektmanager. Für jeden Jugendlichen habe er einen Steckbrief erstellt. Deutschkenntnisse, Fähigkeiten, Sozialverhalten – alles ist darin erfasst. Nicht alle junge Flüchtlinge seien auf Anhieb vermittelbar, so Nicolai. „Viele kommen als Analphabeten, da ist es schwierig.“

Passgenaue Vermittlung in die Firmen

Eines der beteiligten Unternehmen ist auch die Deutsche Post AG. „Unter dem Titel ‚Azubis integrieren‘ bekamen im vergangenen Jahr junge, seitens der Beruflichen Integration Hephatas betreute Flüchtlinge und Auszubildende bei der Deutschen Post AG die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Wege kennenzulernen, die zu einer Ausbildung bei der Post führen können“, sagt Nicolai. Ein ähnliches Projekt solle im kommenden Herbst folgen. Nicolai: „Während uns die Unternehmen durch Bereitstellung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen dabei unterstützen, junge unbegleitete Flüchtlinge in den Ausbildungsmarkt zu integrieren, sind wir unsererseits bestrebt, den Unternehmen passgenau benötigte Auszubildende zu vermitteln.“

Charakter und Wille kommen vor Nationalität

Nicolai webt an einem immer größer werdenden Netzwerk aus Unternehmen, Berufs- und Jugendhilfe Hephatas. Nur drei Mal sei es vorgekommen, dass ein Unternehmen es von vornherein abgelehnt habe, Flüchtlinge zu beschäftigen. Nicolai: „Wir haben ein enormes Potential, aus dem wir schöpfen können.“

„Geeignete Auszubildende zu finden, wird immer schwieriger“, sagt Firmenchefin Tanja Grimm von Dallwig – nicht umsonst fehle es allenthalben an Fachkräften. 32 Mitarbeiter beschäftigte die Firma, jedes Jahr werde ein Lehrling ausgebildet. An Bewerbern fehle es nicht. „Bei vielen jungen Menschen mangelt es am Interesse und dem Willen, die Ausbildung durchzuziehen.“ Anders bei Maedin Berihle. „Man merkt, er kämpft sich seit Jahren allein durch und übernimmt Verantwortung.“ Tanja Grimm ist sich sicher: „Nach der Ausbildung ist bei ihm noch lange nicht Schluss.“ Die Basis für einen Ausbildungsvertrag seien der Charakter und der Wille der Bewerber, „da ist es egal, welche Nationalität jemand hat und wo derjenige herkommt.“

Zur Person

Maedin Berihle (20) stammt aus Eritrea. Seit 2014 lebt er in Deutschland. Gut ein Jahr lang war er zuvor auf der Flucht, zu Fuß, per Auto, mit dem Boot. In Kassel hat er fließend Deutsch gelernt und an der Arnold-Bode-Schule den Realschulabschluss bestanden. Zu Hause in Eritrea wäre Maedin Berihle gezwungen gewesen, zum Militär zu gehen. Aussicht auf eine Berufsausbildung gab es nicht. So nahm er, gerade 15 Jahre alt, die gefährliche Flucht auf sich. Er wohnt in Kassel in einer Wohngemeinschaft. Sein Mitbewohner ist ein alter Freund aus seinem Dorf in Eritrea. Per Zufall trafen sie sich während der Flucht in Italien wieder.

(red)



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