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Herbstzeit ist Kinozeit

Kino in der Stadthalle: Christopher Robin. Foto: nh

Kino in der Stadthalle: Christopher Robin. Foto: nh

Melsungen. Zur Herbstsaison lockt wieder die Kinozeit. Am Donnerstag, 11. Oktober, werden wieder interessante Filme in der Stadthalle gezeigt: für Kinder „Christopher Robin“, für Erwachsene „Kindeswohl“. 

Christopher Robin

Liebevoll erzählt „Christopher Robin“ die „Winnie Puuh“-Geschichten weiter und wird damit zu einem einzigartigen Kinoerlebnis für Groß und Klein. Der Film beginnt um 16.00 Uhr, der Eintritt kostet 5,00 pro Person an der Tageskasse.

Inhalt:

Der in der englischen Provinz lebende Junge Christopher Robin muss Abschied von seinen Freunden aus dem Hundert-Morgen-Wald nehmen: Die Zeit des sorgenlosen Spielens mit seinen Stofftieren Winnie Puuh, Tigger, Ferkel, I-Ah, Känga und Ruh sowie den Waldtieren Eule und Rabbit ist vorbei, der erste Tag auf dem Internat wartet. Obwohl Christopher Robin dem besorgten Winnie Puuh verspricht, ihn niemals zu vergessen, holt den Jungen schon bald die Realität ein. Wie im Fluge vergehen die Jahre; mehrere Ereignisse, manche davon traurig, einige wenige von ihnen schön, zwingen Christopher Robin dazu, eilig sowie durch und durch erwachsen zu werden. Ehe er es sich versieht, ist Christopher Robin ein verheirateter Mann (Ewan McGregor), der gemeinsam mit seiner Frau, der Architektin Evelyn (Hayley Atwell), eine Tochter namens Madeline (Bronte Carmichael) hat, die sich bereits im Schulalter befindet. Gegen Evelyns Einschätzung will Christopher Robin das eifrig lernende Kind aufs Internat schicken – und dann fällt auch noch aufgrund dringender beruflicher Verpflichtungen ein gemeinsames Wochenende auf dem Land flach. Aber kaum ist Christopher Robin allein zu Hause, kämpfen sich seine Erinnerungen an eine ruhigere, verspieltere Zeit hoch … (Antje Wessels).

USA 2018, Regie: Marc Forster, Darsteller: Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss, Oliver Ford Davies, 104 Minuten, ab 0 J.

Kindeswohl

Das bewegende und exzellent gespielte Justiz- und Ehedrama nach dem gleichnamigen Bestseller von Ian McEwan wagt sich an ein heikles Thema. Im Mittelpunkt steht die sich für ihren Beruf aufopfernde Familienrichterin Fiona May. Der Fall eines 17jährigen leukämiekranken Jungen bringt sie an ihre Grenzen. Seine Eltern verweigern als Zeugen Jehova die lebensrettende Bluttransfusion. Ein schwerer Film aber mit vielen Facetten. Taschentücher sollte Frau auch dabei haben. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 7,00 pro Person an der Tageskasse.

Kindeswohl – das bewegende Justiz- und Ehedrama. Foto: nh

Kindeswohl – das bewegende Justiz- und Ehedrama. Foto: nh

Inhalt:

Zusammen mit Stanley Tucci als Partner beherrscht die begnadete Charakterdarstellerin Emma Thompson die Leinwand und hebt den Film auf ein erstaunliches Niveau. Jede Minute ihres Auftritts ist mehr als sehenswert. Fiona Maye (Emma Thompson) ist eine renommierte Familienrichterin am Londoner High Court. Sie verhandelt überwiegend heikle Familienangelegenheiten. Mit ihrer Ruhe, ihrer Kompetenz, ihrer Fähigkeit, Argumente sachlich einleuchtend zu gewichten, hat sich die verheiratete, kinderlose Juristin einen Namen gemacht. Da ist ein siamesisches Zwillingspaar, dessen Eltern die Trennung der beiden Kinder aus religiösen Gründen strikt ablehnen, obwohl dann beide Kinder dem sicheren Tod geweiht wären.

Wenn dem so sei, argumentieren die Eltern, dann sei dies Gottes Wille. Fiona Maye ordnet die Operation an. Ein Aufschrei geht durch die Presse. Damit verurteile sie eines der beiden Kinder zum Tod, um das Leben des anderen zu retten. Doch die engagierte Richterin reagiert besonnen. Denn ihr Beruf ist für sie mehr Berufung als nur reiner Broterwerb. Ihre Ehe jedoch leidet darunter. Wieder einmal sitzt sie am Wochenende abends zuhause und studiert ihre Akten. „Kommst Du“, versucht ihr Mann Jack (Stanley Tucci) sie ins Bett zu locken. Frustriert wartet er auf eine Reaktion von ihr. Geistesabwesend verweist sie auf ihre Arbeit.

Diesmal steht sie im Fall des 17jährigen Adam Henry (Fionn Whitehead)vor der Frage, ob Eltern die Therapie ihres kranken Sohnes richterlich verordnet werden darf, wenn ihre Religion es verbietet? Der junge Mann ist an Leukämie erkrankt. Seine Eltern verweigern als Zeugen Jehova die lebensrettende Bluttransfusion. Vor Gericht trifft sie am nächsten Tag eine unkonventionelle Entscheidung. Fiona unterbricht die Verhandlung, setzt sich ins Auto und fährt zu Adam ins Krankenhaus.

Dort trifft sie auf einen hochintelligenten, sensiblen jungen Mann, der Gedichte schreibt, Gitarre spielen lernt und genau zu wissen scheint, was er tut. Rhetorisch gewandt, hellwach, trotz seines Zustandes. Schließlich spielt er auf seiner Gitarre „Beim Weidengarten unten“, nach einem Gedicht von William Butler Yeats. Fiona kann nicht anders als am Krankenbett mitzusingen. Sie liebt dieses Lied. Der intime Moment ist für beide sehr emotional.

Die sonst so professionelle Frau ringt um Fassung und verabschiedet sich schnell. Ein Damm scheint gebrochen. Zurück im Gerichtssaal verkündet sie: Adam soll leben. Der Junge „muss vor seiner Religion und vor sich selbst geschützt werden“. Eine folgenschwere Entscheidung, die auch ihr Leben tangieren wird und sie in einen emotionalen Strudel stürzt. Nicht zuletzt, weil ihr Mann ihr offen ins Gesicht sagt, dass er vorhat, sich eine Affäre zu gönnen und sie betrügen wird.

Das exzellente Justiz- und Ehedrama behandelt das komplexe Thema anschaulich, klug und packend. Nicht zuletzt hebt die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson die gradlinige Inszenierung auf ein erstaunliches Niveau. Zusammen mit Stanley Tucci als Partner beherrscht die begnadete Charakterdarstellerin mit ungeheurer Präsenz die Leinwand. Jede Minute ist sehenswert, jede Geste, jeder Blick ihres ausdrucksstarken Gesichts. Die 59jährige Britin prägt durch ihr überzeugendes Schauspiel die wohl emotionalste Szene des Filmes.
Wenn sie am Krankenbett des todkranken Teenagers mit ihm zusammen ihr Lieblingslied singt zählt das sicherlich zu den bewegendsten Momenten. Beeindruckend zeigt sie auch unter welchem Druck, insbesondere Frauen, in diesem Beruf, der immer noch hauptsächlich der Männerwelt vorbehalten ist, stehen. Dass natürlich eine ambitionierte Frau, die mit ihrer Arbeit verheiratet ist, nicht unbedingt auf das Verständnis ihres Ehemanns stößt, ist eine Sache.

Wie viele Frauen freilich mit solchen Workoholics verheiratet sind, ohne sie mit Affären zur brüskieren, sicher eine andere. Doch der weltgewandte Stanley Tucci, Meister seines Fachs und Hollywoods König der Nebenrollen, kann sich erlauben der Heldin ins Gesicht sagen, dass er eine Affäre anfangen wird – und trotzdem verliert er damit nicht gänzlich die Sympathie des Publikums. Dass Bestsellerautor Ian McEwan selbst das Drehbuch nach seinem gleichnamigen Meisterwerk verfasste war sicher ebenfalls äußerst hilfreich für das bildstarke Drama voller Intensität. (Luitgard Koch)

Großbritannien 2017, Regie: Richard Eyre Darsteller: Emma Thompson, Fionn Whitehead, Stanley Tucci, Ben Chaplin, Eileen Walsh, Anthony Calf, Jason Watkins, Dominic Carter., 105 Min., ab 12 J.



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