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„Film ab“ in der Stadthalle

Chaos im Netz -- Ralph reichts 2. Bild: Disney
Chaos im Netz — Ralph reichts 2. Bild: Disney

Melsungen. Am Mittwoch, 20. März, heißt es wieder „Film ab“ in der Stadthalle. Ab 16.00 Uhr läuft der Kinderfilm »Chaos im Netz – Ralph reichts 2«. Ab 19.30 Uhr folgt für Erwachsene »Die Frau des Nobelpreisträgers«.

»Chaos im Netz – Ralph reichts 2«

In Disneys animiertem Abenteuer »Ralph reichts« erkundete eine Computerspielfigur auf eigene Faust die Welt der Arcade-Spiele. Im Jahr 2018 hat genau diese Welt einen Internetzugang spendiert bekommen, und Titelheld Ralph begibt sich mit seiner besten Freundin Vanellope von Schweetz auf in die endlosen Weiten des World Wide Web.

Seit sich Ralph und Vanellope vor einigen Jahren im knallbunten Rennspiel »Candy Crush« kennengelernt haben, sind der zerstörerische Riese und der Glitch mit dem losen Mundwerk beste Freunde. Als sich eines Tages ankündigt, dass Vanellopes Spielstation aufgrund eines fehlenden Ersatzteils für immer abgebaut werden soll, zögert Ralph nicht lange und begibt sich auf eigene Faust ins Internet. Dort soll alles möglich sein, hat er gehört –, und tatsächlich finden er und die ihn kurzfristig begleitende Vanellope eben jenes Ersatzteil bei einer Online-Auktion. Doch unbedarft wie sie sind, bieten sie plötzlich eine horrende Summe, die sie nach dem Zuschlag auch bezahlen müssen. Um an das notwendige Geld zu gelangen, wird aus Ralph ein Internetmeme. Nicht mehr lange und das Internet ist voll von Ralph-Videos und -Bildern, die sich rund um den Erdball großer Beliebtheit erfreuen. Derweil lernt Vanellope online die gefährliche Welt des »Slaughter Race« kennen. Eine Art »Candy Crush« für Erwachsene – und hier fühlt sich die junge Rennfahrerin plötzlich ganz schön wohl …

Man kann zu Disneys Sequel- und Remake-Manie stehen, wie man möchte: In aller Regel feiert der Mickey Mouse-Konzern mit seinen Fortsetzungen und Neuauflagen riesige Erfolge. Da wundert es nicht, dass »Ralph reichts« sechs Jahre nach dem Kinostart in die erzählerische Verlagerung im World Wide Web gegangen ist. Dabei erzählen die Macher in ihrem herausragend animierten Sequel »Chaos im Netz« nicht einfach nur irgendeine beliebige Story vor www-Kulisse, sondern spinnen aus den bisweilen auch ein wenig klischeehaften Surfgewohnheiten von Internetnutzern eine lebhafte, eigenständige Geschichte. Dadurch werden sich die älteren Zuschauer nicht bloß selbst hier und da wiedererkennen, gerade die Jüngeren bekommen dank »Chaos im Netz« ein Gespür dafür, in was für einem virtuellen Raum sie sich so häufig selbst bewegen.

»Chaos im Netz – Ralph reichts 2«; USA 2018; Regie: Phil Johnston, Rich Moore; Drehbuch: Phil Johnston, Pamela Ribon; 112 Min.; ab 6 J.

Die Frau des Nobelpreisträgers. Foto: www.stills.tv
Die Frau des Nobelpreisträgers. Foto: www.stills.tv

»Die Frau des Nobelpreisträgers«

2004 wurde Björn Runges Drama »Morgengrauen« mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Nun legt der schwedische Filmemacher das Charakterdrama »The Wife« nach dem gleichnamigen Roman der US-Autorin Meg Wolitzer vor. Der unspektakulär inszenierte, dafür aber spannend erzählte Film handelt von einer tiefgreifenden Lebenslüge, die stückweise an die Oberfläche dringt. Bemerkenswert ist das exzellente Schauspiel von Glenn Close, Jonathan Pryce und Christian Slater. Nach sechs Nominierungen könnte für Close diesmal der erste Oscar drin sein.

Von außen betrachtet, führen Joan und Joe Castleman (Glenn Close, Jonathan Pryce) eine gute Ehe. Die Vertrautheit nach fast vier gemeinsamen Jahrzehnten ist ihr anzumerken. Die Rollenverteilung ist klassisch: Joe feiert internationale Erfolge als bedeutender Literat, Joan stärkt ihm als treusorgende Gattin den Rücken. Familiäres Ungemach stiftet allenfalls der Sohn David (Max Irons), der als angehender Schriftsteller den Segen des berühmten Vaters haben will, diesen aber nicht erhält. Als Joan, Joe und David nach Stockholm fliegen, wo Castleman den Literaturnobelpreis erhalten soll, kommt unter Zutun des investigativen Journalisten Nathaniel Bone (Christian Slater) nach und nach ein Ehegeheimnis ans Licht, das die Ehe der Castlemans auf den Kopf stellt.

Die Drehbuchautorin Jane Anderson (»Ein amerikanischer Quilt«) adaptiert den 2003 publizierten Roman von Meg Wolitzer mit Geschick beim Verteilen der Informationen, so dass sich die Konflikte ohne erzwungene Dramatik immer weiter zuspitzen. Einerseits schwelt der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Joe und David, andererseits geraten die Eheleute immer heftiger in Streit. Der Journalist Nathaniel, der unbedingt eine Biographie über Castleman schreiben will, setzt von außen gezielte Nadelstiche.

Zwischendurch illustrieren Rückblenden die Anfangsjahre der Ehe. Als sich Joan und Joe 1958 an der Universität kennenlernen – sie eine literaturinteressierte Studentin, er ein verheirateter Dozent – verfolgt die hier von Glenn Closes Tochter Annie Starke gespielte Joan selbst schriftstellerische Ambitionen. In einer Schlüsselszene wird ihr allerdings unmissverständlich davon abgeraten, als Frau auf den Literaturmarkt zu streben.

Symptomatisch für die Charakter-zentrierte Inszenierung stehen die wiederholten Close-Ups auf die Gesichter der Darsteller/innen, insbesondere die auf jenes von Glenn Close. Gerade in den stillen Momenten läuft Close zur Höchstform auf – in ihrer Mimik spiegelt sich die ganze Tragweite des Dramas. Daneben brillieren Jonathan Pryce, Max Irons und Christian Slater, der als manipulativer Autor Eindruck hinterlässt.

»The Wife« ist exakt das, was man als Schauspielerfilm bezeichnet, dessen Qualität also im Spiel des Ensembles liegt und der eher innere als äußere Konflikte thematisiert. Weil der natürliche Filmstil für solche oft als literarisch bezeichneten Werke schnörkellos und zurückhaltend ist, stehen und fallen sie mit Drehbuch und Schauspiel. Runges Literaturadaption erfüllt beide Anforderungen mit Bravour.

»Die Frau des Nobelplreisträgers«; UK/SWE/USA 2017; Regie: Björn Runge; Drehbuch: Jane Anderson; nach dem Roman »The Wife« von Meg Wolitzer; Darsteller/innen: Glenn Close, Jonathan Pryce, Max Irons, Christian Slater, Harry Lloyd, Annie Starke, Karin Franz Körlof, Nick Fletcher; 100 Minuten; ab 6 J.

(Christian Horn | red)



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