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Eine Parade in den Zweiten Weltkrieg

Aufmarsch von Wehrmachtssoldaten in der Udenbörner Straße in Zennern. Foto: Günther Döring, Zennern
Aufmarsch von Wehrmachtssoldaten in der Udenbörner Straße in Zennern. Foto: Günther Döring, Zennern

Fritzlar/Borken. Am 18. September 1936 fand zum Abschluss eines großangelegten Herbstmanövers der Deutschen Wehrmacht zwischen den nordhessischen Städten Fritzlar und Borken eine »Große Truppenparade« statt. Das spektakuläre Ereignis lockte, so zeitgenössische Presseberichte, über 50.000 Zuschauer auf die »Großenengliser Platte«. Thomas Schattner trug die historischen Fakten zusammen – und kam zu einem erschütternden Fazit.

Hitler nahm die Parade ab

Das Publikum verfolgte den Vorbeimarsch der Soldaten, der Militärfahrzeuge, der pferdebespannten Geschützprotzen, Reiter, Musikkorps und Fahnenträger mit großem Interesse, oft sogar mit Begeisterung. Auch eine Fliegerstaffel flog an den extra errichteten Zuschauertribünen vorbei. Lediglich schweres Panzergerät fehlte, wohl aufgrund der Bodenbeschaffenheit.

Der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und Kanzler des Deutschen Reichs, Adolf Hitler, nahm die Parade persönlich ab. In seiner Begleitung fanden sich führende Repräsentanten des NS-Staates und des Militärs, allen voran der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner von Fritsch und der Reichskriegsminister, Generalfeldmarschall Werner von Blomberg.

Für den »Aufmarsch« wurden SA-Männer benötigt, damit die Parade überhaupt organisiert werden konnte. Foto: Regionalmuseum Fritzlar
Für den »Aufmarsch« wurden SA-Männer benötigt, damit die Parade überhaupt organisiert werden konnte. Foto: Regionalmuseum Fritzlar

Auch die hessische Prominenz war vertreten, zum Beispiel der NSDAP-Gauleiter von Kurhessen, Karl Weinrich, der Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen sowie Bürgermeister und Landräte aus der Region. Das Dritte Reich demonstrierte den hohen Stellenwert, den die militärische Aufrüstung des Deutschen Reichs einnahm.

Deutsche Wiederaufrüstung

Das Manöver und die Parade lassen sich in eine ganze Reihe militär- und rüstungspolitischer Entscheidungen einbinden. So war am 16. März 1935 mit dem Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wiedereingeführt und – eine interessante Umbenennung – aus der Reichswehr die Wehrmacht hervorgegangen. Am 18. Juni 1935 war ein Flottenabkommen mit Großbritannien vereinbart worden, das der Deutschen Marine eine Wiederaufrüstung in einer Stärke von 35 Prozent der britischen Flotte gestattete. Am 7. März 1936 besetzten deutsche Truppen das damals entmilitarisierte Saarland. Damit stellte sich das Deutsche Reich in aller Offenheit gegen den Versailler Friedensvertrag, der nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg eine Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches verhindern sollte.

Bombardement auf Guernica

Am 24. August 1936 wurde die Militärdienstzeit in Deutschland auf zwei Jahre ausgeweitet. Schon wenige Monate nach dem Manöver probierte die Wehrmacht die Wirksamkeit ihrer Waffen im spanischen Bürgerkrieg unter realen Kriegsbedingungen aus. Die deutsche Legion Condor unterstützte den Generalissimus Francisco Franco bei seinem Ziel, eine faschistische Diktatur auf der iberischen Halbinsel zu errichten. Am 26. April 1937 zerstörten deutsche Kampfflugzeuge die baskische Stadt Guernica nordöstlich von Bilbao. Ein Bombardement und ein Schreckensszenario, das als Motiv des gleichnamigen Bildes von Pablo Picasso weltweiten Bekanntheitsgrad erlangte.

Der Beginn der Parade, die letztlich in den Zweiten Weltkrieg führte. Foto: Archiv Thomas Schattner
Der Beginn der Parade, die letztlich in den Zweiten Weltkrieg führte. Foto: Archiv Thomas Schattner

Kriegsvorbereitung nach Vierjahresplan

Auch die Errichtung der Vierjahresplanbehörde steht im engen zeitlichen Zusammenhang zu dem Manöver. Hitler selbst formulierte im August 1936 mit seiner Denkschrift zum Vierjahresplan eines der Schlüsseldokumente seiner Aufrüstungs- und kriegsvorbereitenden Politik. Der Reichsminister ohne Geschäftsbereich, gleichzeitig Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, stellte Hitlers Denkschrift am 4. September 1936 seinen Kabinettskollegen vor. An der Sitzung nahmen unter anderem Reichskriegsminister Werner von Blomberg, Reichsfinanzminister Graf Schwerin zu Krosigk und Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht teil. Sie zählten zu dem kleinen Personenkreis, der im Jahr 1936 in die geheim gehaltenen Pläne Hitlers und Görings eingeweiht waren.

Schleichende Mobilmachung

Einen Monat nach der Militärparade auf der Großenengliser Platte wurde Hermann Göring am 18. Oktober 1936 offiziell mit der »Durchführung« des Vierjahresplanes beauftragt. Diese Behörde organisierte in den Folgejahren die Aufrüstung. Ebenfalls im Herbst 1936 wurden in Mittelhessen Manöver durchgeführt. Diese hatten alle nur ein Ziel: Die schleichende Mobilmachung des Deutschen Volkes, die am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, endete.

Überspitzt formuliert führte die Große Truppenparade des Septembers 1936 direkt in den Zweiten Weltkrieg.

Knapp neun Jahre nach der Parade besetzten amerikanische Truppen nach einem verheerenden Krieg mit über 50 Millionen Toten in den Osterfeiertagen 1945 den Raum Borken/Fritzlar und die Großenengliser Platte. Der Jubel des Jahres 1936 war schon lange verflogen.

Thomas Schattner trug seine Recherchen in einem 234 Seiten starken Buch zusammen, das über Amazon für 10, 95 € bezogen werden kann. Ein Vorwort dazu schrieb Ingo Sielaff.

(red)



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