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„Ich hatte Angst und mir war alles zu viel!“

Beratungsgespräch zwischen Elisabeth Schott und „Christian“ (Name geändert). Foto: nh
Beratungsgespräch zwischen Elisabeth Schott und „Christian“ (Name geändert). Foto: nh

Schwalm-Eder. Christian (Name von der Red. geändert) steckte jahrelang in einem Teufelskreis. Heute ist er 21 Jahre alt und blickt auf die Zeit zurück, als alles aus dem Ruder lief.

Großer seelischer Schmerz

Mit 16 hat er die Schule ohne Abschluss abgebrochen. Er erzählt von Überforderung, Mobbingattacken und Angriffen seiner Mitschüler und von seinen vergeblichen Versuchen, den Druck und den immer größer werdenden seelischen Schmerz mit Medikamenten zu betäuben. Dazu kommt, dass sich in dieser Zeit eine gute Freundin von ihm das Leben nimmt. „Ich habe angefangen, mich selbst zu verletzen und immer mehr genommen und musste nach einer Überdosis ins Krankenhaus“. Es folgen Therapien, Christian scheint wieder stabil zu sein.

Die Arbeitsagentur bietet ihm die Möglichkeit, an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teilzunehmen. Er ist froh über diese Chance, weil er damit auch seinen Schulabschluss nachholen kann. Aber er schafft es nicht, hat den Selbstmord seiner Freundin immer noch nicht verarbeitet. Wieder betäubt sich Christian, zu den Medikamenten kommen Drogen und Alkohol. Die Berufsvorbereitung muss abgebrochen werden.

Jugend stärken im Quartier

Christian resigniert und macht fast vier Jahre lang gar nichts mehr, vergräbt sich Zuhause, hat kaum noch Kontakte. Seine Eltern bemühen sich um ihn, können ihm aber nicht helfen. Irgendwann merkt Christian selbst, dass es so nicht weitergehen kann. „Ich habe zufällig den Sozialarbeiter von meiner alten Schule getroffen und ihm erzählt, dass ich völlig planlos bin. Er hat mir eine Karte von ‚Jugend stärken‘ gegeben und mir gesagt, dass ich da Hilfe finde.“

„Jugend stärken im Quartier“ ist ein bundesweites Modellprogramm von Familien- und Innenministerium, das mit EU-Mitteln gefördert wird und an dem sich der Schwalm-Eder-Kreis beteiligt. Es bietet für junge Menschen vielfältige Unterstützung auf dem Weg von der Schule in den Beruf sowie in allen schwierigen Lebenssituationen. Seit 2015 haben fast 600 Jugendliche und junge Erwachsene das Angebot angenommen, wurden beraten und auf ihrem Weg in eine eigenständige Zukunft begleitet. 70% der Projektteilnehmer konnten bisher in eine schulische oder berufliche Ausbildung oder in Arbeit vermittelt werden.

Schwieriger Anruf in der Klinik

Es fällt Christian zunächst nicht leicht, sich mit der Beratungsstelle in Verbindung zu setzen. Aber im Nachhinein weiß er, dass es der richtige Schritt gewesen ist. „Ich wusste, dass ich ohne Schulabschluss nicht viele Möglichkeiten habe, aber ich wusste nicht, was ich machen kann, um ihn zu packen.“ Immer wieder trifft sich Christian mit „Frau Schott“ von der Beratungsstelle, und gemeinsam überlegen sie, welche Schritte notwendig sind, damit er den Abschluss schafft. Elisabeth Schott ist sich sicher, dass ein weiterer Klinikaufenthalt unabdingbar ist. Doch Christian ist bereits mit der Kontaktaufnahme überfordert. „Ich habe mich nicht getraut anzurufen, aber Frau Schott ist bei mir geblieben und hat mir wichtige Sätze auf einen Zettel geschrieben. Und wenn es gar nicht ging, habe ich ihr den Hörer gegeben.“

Christian bekommt einen Therapieplatz und während des Klinikaufenthaltes bleiben beide in engem Kontakt. Elisabeth Schott kümmert sich parallel zur Therapie um eine direkte Anschlussperspektive, damit er nicht in alte Verhaltensweisen zurückfällt.

Diesmal soll’s klappen

Im August 2019 hat Christian seine zweite Chance erhalten und wird erneut in eine Bildungsmaßnahme aufgenommen, die ihm das Erreichen des Hauptschulabschlusses ermöglicht. Für Christian steht fest: „Es ist nicht immer ganz leicht und manchmal geht es mir auch wieder ziemlich mies, aber diesmal will ich meinen Abschluss schaffen“.

Und der junge Mann weiß, dass er Frau Schott von „Jugend stärken“ auch weiterhin als Ansprechpartnerin hat, die ihn unterstützt, wenn er sie braucht.

Vier Anlaufstellen im Landkreis

„Jugend stärken im Quartier“ ist ein Angebot für junge Menschen im Alter von 12 bis 26 Jahren. An drei Anlaufstellen im Schwalm-Eder-Kreis gibt es kostenfreie und vertrauliche Beratung, auch Termine außerhalb der Beratungsbüros sind möglich.

• Fritzlar/Schwalm-Eder Nord
Elisabeth Schott
05662 9497 55
0177 2774422
e.schott@juwesta.de

• Homberg/Schwalm-Eder Mitte
Gabriele Steinbach
05681 9366417
0160 4754748
gsteinbach@starthilfe-abv.de

• Schwalmstadt/Schwalm-Eder Süd
Fritz Gatzke
06691 9218683
0173 5420773
fritz.gatzke@hephata.de

• Koordinierungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises
Viola Nadge-König
05681 775 576
Viola.Nadge-Koenig@schwalm-eder-kreis.de

(red)




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