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Vivian Groppe ist Deutsche Meisterin!

Bei der Siegerehrung für das 200m-Finale wurde Vivian Groppe als Deutsche Meisterin mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Foto: nh
Bei der Siegerehrung für das 200m-Finale wurde Vivian Groppe als Deutsche Meisterin mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Foto: nh

Rostock. Vivian Groppe hat es in Rostock gepackt: Sie wurde Deutsche Meisterin. Überraschend lief sie die 200 Meter-Distanz in nur 24,14 Sekunden und stieg damit auf das oberste Podest.

Goldmedaille im Finale der U18

Wind, Regen und am Abend kühle Temperaturen um 16 Grad machten es den meisten Athleten am zweiten Tag der deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock nicht leicht. Dort, wo sich die besten Jugend-Athleten Deutschlands im Kampf um Gold, Silber und Bronze drei Tage lang messen, demonstrierte Vivian Groppe von der MT Melsungen vor den Augen der Bundestrainer, dass sie zu den schnellsten Jugendlichen in Deutschland gehört.

Die 16-Jährige ließ sich von den Wetterkapriolen nicht beeindrucken und holte sich im 200 m-Finale der U18 die Goldmedaille.

Luis Andre und Vivian Groppe vor den deutschen Meisterschaften im Stadion von Rostock. Foto: nh
Luis Andre und Vivian Groppe vor den deutschen Meisterschaften im Stadion von Rostock. Foto: nh

Corona-Impfung wurde Luis André zum Verhängnis

Für Vivian Groppes Trainingspartner Luis André, der Ende Juni ebenfalls noch die beiden Medaillen im Kugelstoßen und Diskuswerfen im Visier hatte, platzten nach einer Corona-Schutzimpfung drei Wochen vor diesen Meisterschaften alle Träume, weil sein Körper streikte.

Alle rechneten mit Okukus Sieg

Über 200 Meter stand von Beginn an die Frage im Raum: Wer sichert sich hinter der Ausnahmesprinterin Holly Okuku (Baunatal) die Silbermedaille. Okuku, die auf dieser Strecke so eindrucksvoll glänzte, dass es eigentlich keine ernsthafte Konkurrenz für sie geben konnte, lief bei der Junioren-Gala in Mannheim mit 23,91 sogar schneller als die besten deutschen U20-Sprinterinnen.

Okuku wurde von den Bundestrainern Thomas Kremer und Alexander Seeger bereits mit der inzwischen 24-jährigen Gina Lückenkemper verglichen, die 2017 als erste Deutsche seit 26 Jahren über 100 Meter unter elf Sekunden blieb und als Schlussläuferin der deutschen Sprintstaffel bei der U20-EM in Tallinn die Silbermedaille sicherte. Wer also sollte das große Talent bezwingen, das ursprünglich in Rostock für die U20 gemeldet wurde, um sich mit einer Zeit unter 23,90 Sekunden für die U20-WM in Nairobi zu qualifizieren. Nachdem aber diese Meisterschaft wegen der Corona-Pandemie ohne Deutschland stattfinden wird, wurde Holly Okuku wieder für die U18 umgemeldet.

Wind von vorne und von hinten

Im ersten Halbfinale, bei einem Rückenwind von 2,3 m/sec, ließ die 16-Jährige aus Baunatal mit 24,06 Sekunden keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle aufkommen. Auf Rang zwei lief Lynn Gramse (Dormagen) mit 24,48 Sekunden vor Luna Nowak (Magdeburg, 24,61) und Nele Jaworski (Wolfsburg, 24,63) ins Ziel. Wegen des zu starken Rückenwindes, der von hinten „schob“, erreichten diese vier Sprinterinnen das Finale der besten Acht.

Eine glanzvolle Vorstellung bot Vivian Groppe im zweiten 200m-Halbfinallauf, wo sie 50 Meter vor dem Ziel das Tempo herausnahm und immer noch mit 24,46 Sekunden eine starke Zeit lief. Foto: nh
Eine glanzvolle Vorstellung bot Vivian Groppe im zweiten 200m-Halbfinallauf, wo sie 50 Meter vor dem Ziel das Tempo herausnahm und immer noch mit 24,46 Sekunden eine starke Zeit lief. Foto: nh

Im zweiten Halbfinale, das bei einem Gegenwind von 0,5 m/sek ausgetragen wurde, demonstrierte Vivian Groppe ihre Klasse. Bereits im Vorjahr hatte sie als 15-Jährige mit 24,51 Sekunden die Bronzemedaille in Heilbronn gewonnen. Mit einem guten Start und einer starken Beschleunigung nahm sie, souverän in Führung liegend, Mitte der Zielgeraden das Tempo heraus und lief nach 24,46 Sekunden locker vor Lorina Hertlein (Mannheim, 24,87) und Joelina Miltschus (Leipzig, 24,90) über die Ziellinie. Annika Just (Passau, 24,47) und Cora Kunze (Dresden, 24,52) liefen sich bei leichtem Rückenwind mit 24,47 Sekunden ebenfalls in das 200m-Finale.

Im vierten und letzten Halbfinale wehte der Wind den Läuferinnen wieder ins Gesicht. Deshalb qualifizierte sich – wie im zweiten Halbfinale – nur die Siegerin Mariam Soumah (Leipzig, 24,70) für das Finale.

Motivierende Worte vom Trainer

Kurz vor 20 Uhr wurden die acht Endlaufteilnehmerinnn vom Callroom in das Stadion geführt, um die deutsche U18-Meisterin über 200m zu ermitteln. Nass-kalter Wind und Temperaturen um 16 Grad ließen keine großartigen Zeiten mehr erwarten.

Vor der Abfahrt nach Rostock sagte Vivian: „Ich hoffe, dass ich in Rostock auf dem Treppchen stehen werde, denn die Konkurrenz ist sehr stark.“ Ihr Trainer erinnerte sie vor diesem Endlauf an den Abschlusstest von Wetzlar, wo Vivian nach zwei erstklassigen 100m-Rennen (11,79) mit 24,16 Sekunden ihre ausgezeichnete 200m-Form unter Beweis gestellt hatte. „Du bist in der Lage, die halbe Stadionrunde unter 24 Sekunden zurückzulegen und kannst heute sogar mit Holly um die Goldmedaille laufen“, motivierte Alwin Wagner seinen Schützling.

Auf den guten Start kam’s an

Ruhig, aber wie eine Feder gespannt, kauerte die Melsunger Sprinthoffnung beim 200m-Finale in ihrem Startblock und wartete konzentriert wie Annika Just (Bahn 4), Holly Okuku (Bahn 5) und die weitere Konkurrenz auf den Startschuss.

Für Vivian, die eine gute Kurvenläuferin ist, hieß es, einen guten Start hinzulegen und gut in die Beschleunigungsphase zu kommen. Vivian erwischte einen glänzenden Start, beeindruckte mit ihrer gewonnenen Explosivkraft und kam mit einem schnellen Antritt gut ins Rennen.

Der Vorsprung wurde immer größer

Im Scheitelpunkt der Kurve vergrößerte sie ihren Vorsprung vor Okuku und Just, obwohl diese in der Kurve hätten aufholen müssen. Und so kam Vivian als Erste auf die Zielgerade und lag auch noch 50 Meter vor dem Ziel in Führung. Sie hielt dem Angriff des Ausnahmetalents, wie Holly schon mehrfach in der Presse bezeichnet wurde, stand. Und 20 Meter vor dem Ziel stand fest, dass man sie nicht mehr einholen konnte, denn sie fegte mit ihrem großen Stehvermögen und einer hohen Endgeschwindigkeit über die Bahn, so dass ihr Vorsprung noch größer wurde.

50 Meter vor dem Ziel lag die große Favoritin Holly Okuku immer noch hinter Vivian Groppe zurück. Im Ziel betrug ihr Rückstand fast 0,3 Sekunden. Foto: nh
50 Meter vor dem Ziel lag die große Favoritin Holly Okuku immer noch hinter Vivian Groppe zurück. Im Ziel betrug ihr Rückstand fast 0,3 Sekunden. Foto: nh

Das Unmögliche möglich gemacht

Auf der Ziellinie riss sie ihre Arme nach oben, denn in diesem Augenblick wurde ihr bewusst: „Ich habe das Unmögliche möglich gemacht“. Mit 24,12 Sekunden sicherte sich die Jugendliche aus Beiseförth nach Silber in Bremen (2019) und Bronze 2020 in Heilbronn die Goldmedaille und hatte damit einen kompletten Medaillensatz von den deutschen Meisterschaften.

Holly Okuku belegte mit 24,40 Sekunden den zweiten Platz vor Annika Just (24,47) und Cora Kunze (24,54). Vivian war die einzige Athletin, die sich im Finale zu steigern wusste. Während Okuku 0,34 Sekunden langsamer war als im Halbfinale und auch Just ihre Zeit nur bestätigen konnte, verbesserte sich das Melsunger Aushängeschild im Finale um 0,34 Sekunden.

2022 könnte es nach Cali gehen

Schade, dass es beim Endlauf so kühl war, das kostete den Athletinnen mindestens 0.2 bis 0,4 Sekunden. Auch Bundestrainer Frank Kremer war der Meinung, dass Vivian bereits eine Zeit unter der Schallmauer von 24 Sekunden laufen kann und meinte, dass er im Jahr 2022 mit ihr für die U20-WM in der kolumbianischen Millionenstadt Cali planen werde. Dafür müsste sie im nächsten Jahr eine Zeit unter 23,90 Sekunden laufen oder sich als Staffelmitglied für die 4x100m qualifizieren.

Hoch motivierte Kämpferin

Trainer Alwin Wagner hatte Freudentränen in seinen Augen, als Vivian bei der Siegerehrung auf dem obersten Treppchen stand und ihre Goldmedaille der Presse und den Fotografen präsentierte. Auf die Frage, welche besondere Eigenschaften Vivian besitzt, meinte der erfahrene Trainer: „Vivian konnte ihre guten Trainingsergebnisse mit ihrem enormen Leistungswillen auf der Rostocker Bahn umsetzen. Sie ist nicht nur ehrgeizig und gibt immer 100 Prozent, sie ist auch eine Kämpferin, die jede Aufgabe hoch motiviert angeht, sowohl im Sport als auch in der Schule, wo sie mit einem Notendurchschnitt von 1,2 nach den Ferien auf das Melsunger Gymnasium wechselt.“

Auf Doping getestet

Nachdem Luis André vor zwei Wochen unter den fast 9000 Athleten, die sich in einem Testpool befinden, für seine erste Doping-Kontrolle ausgelost hatte, wurde auch Vivian in Rostock zur Dopingkontrolle gebeten. So kam sie erst nach 22 Uhr zurück, so dass eine kleine Meisterschaftsfeier mit ihren Eltern und dem Trainer leider nicht mehr zelebriert werden konnte.

Ergebnis der Deutschen 200m-Meisterschaften

Groppe, Vivian (Jahrgang 2004) – MT Melsungen – 24,12 Sek.
Okuku, Holly (2005) – GSV Eintracht Baunatal – 24,40
Just, Annika (2005) – LAC Passau – 24,47
Kunze, Cora (2004) – Dresdner SC 1898 – 24,54
Soumah, Mariam (2004) – SC DHfK Leipzig e.V. – 24,78
Nowak, Luna (2005) – Sportclub Magdeburg – 24,84
Gramse, Lynn (2004) – LAV Bayer Dormagen – 24,93
Jaworski, Nele (2004) – VfL Wolfsburg – 25,17

André ging leider enttäuscht vom Platz

Luis André, der ruhige und bescheidene Jugendliche, vorsichtig in seinen Äußerungen, abgewogener im Urteil als andere Jugendliche seines Alters, war natürlich nach dem Kugelstoßen von seiner Leistung enttäuscht, obwohl er im Diskuswerfen mit 50,58 Meter den 6. Platz belegt hatte. „Ohne Impfung hätte er einige Meter weiter geworfen. Das hätte zumindest für Bronze, vielleicht aber sogar für Silber gereicht. Im Kugelstoßen begann er mit 14,88 Meter und ließ noch zwei ungültige Versuche folgen, womit er nur auf Rang zehn landete.

(ajw)



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