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Torflut ohne Happy End

Rotenburg/Melsungen. Die MT Melsungen spielt sich weiter in die Rekordbücher der Bundesliga. 40:47 (22:21) lautete das fast unglaubliche Endergebnis gegen die SG Flensburg-Handewitt vor 2.100 Zuschauern in der Rotenburger MEIROTELS-Halle. Damit fehlte am Ende lediglich ein einziges Tor, um den „Rekord für die Ewigkeit“ zu knacken, wie der 54:34-Sieg des THW Kiel gegen den SC Magdeburg in der vorletzten Saison betitelt wurde.

Wie entfesselt legten die Nordhessen los, ließen sich auch vom 0:1 durch Thomas Mogensen überhaupt nicht beirren. Von Beginn an überrollten sie die Norddeutschen förmlich. Ob Daniel Valo, Vladica Stojanovic oder Thomas Klitgaard – jeder Schuss ein Treffer. Da störte weder ein Tor von Lars Christiansen, noch ein Siebenmeter, den Savas Karipidis an die Unterkante der Latte hämmerte statt ins Netz. In allen Belangen war Rot-Weiss in den ersten Minuten überlegen. Dem Favoriten blieb nur das Staunen über eine absolut perfekt gespielte erste Welle sowie aggressive, aber absolut faire Abwehrarbeit der Deckung um Spyros Balomenos. Da bot sich gerade im sonst so vorzüglichen Positionsangriff der SG keine Chance.

Nach knappen acht gespielten Minuten hatte Kent-Harry Andersson genug gesehen: Team Time out! 2:8 lag sein Team schon hinten, und nichts lief zusammen. Der Zeitpunkt der Auszeit war gut gewählt und kam keinen Moment zu früh, denn die MT war drauf und dran, den übermächtigen Gegner in Grund und Boden zu spielen. So aber nahm der Flensburger Coach erst einmal etwas Tempo und Elan raus, was seiner Truppe sichtbar gut tat. Blazenko Lackovic und Lars Christiansen per Tempogegenstoß trafen direkt im Anschluss, und Dan Beutler’s erster gehaltener Ball nach exakt neun Minuten ermöglichte dem dänischen Linksaußen den zweiten Treffer innerhalb kürzester Zeit.

Näher jedoch kamen die Gäste erst einmal nicht heran, denn schnell bekam Stojanovic das Spiel der MT wieder auf Touren, und weiter ging es im Minutentakt. Daniel Valo, Vladica Stojanovic selbst, Petr Hazl vom Siebenmeterpunkt, Thomas Klitgaard vom Kreis – fast alles, was in Richtung Kasten von Flensburg ging, war auch drin. Dan Beutler hatte nach Valo’s 9:5 schon entnervt das Spielfeld verlassen und Platz gemacht für Dane Sijan. Doch bis auf zwei Würfe von Thomas Klitgaard und Spyros Balomenos bekam auch der bis zum 15:10 nach nur siebzehn Spielminuten nichts zu fassen. Aber Flensburgs Keeper steigerte sich. Und je mehr er ins Spiel fand, umso näher rückte die SG den Nordhessen. Die Norddeutschen waren in fortan einfach wacher und schalteten schneller, was sie nach 21 Minuten auf 16:15 heran brachte.

Auch Robert Hedin machte Gebrauch von der grünen Karte, hatte damit aber nicht so viel Erfolg wie sein Kollege Andersson zuvor. Gleich im nächsten Angriff rutschte Spyros Balomenos bei der Ballannahme weg und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Die Schiedsrichter unterbrachen trotz Ball im Aus jedoch nicht, sondern ließen den nächsten Angriff laufen.

Erst nach dem Ausgleich von Torge Johannsen ohne jede Melsunger Gegenwehr – alle waren von einer Behandlungspause ausgegangen – wurde das Spiel unterbrochen. Doch auch davon ließen sich die Bartenwetzer nicht lange beeindrucken. Sie drückten weiter aufs Tempo und legten unermüdlich Tor um Tor vor. Kelentric und Sijan hielten was zu halten war, aber das war nicht viel. Bis zum Pausenpfiff der bis auf die angesprochene Szene mit Balomenos überaus konsequent und gut leitenden Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich stand ein 22:21 auf der Anzeigetafel. 43 Tore, vierzehn(!) Paraden von Kelentric und derer sieben von Sijan. Wohl selten hat die Handball-Bundesliga eine Halbzeit mit derart hoher Angriffsintensität auf beiden Seiten gesehen.

Wie die erste Halbzeit endete, so begann die zweite. Nach Torge Johannsens 22:22 legte Melsungen immer einen vor, Flensburg glich aus. Dieses Spielchen dauerte fünf Minuten, in denen es siebenmal einschlug. Doch dann ein einziger Moment der Unachtsamkeit, einer der bis dahin ganz wenigen technischen Fehler im Angriff, und der „Chef“ der Flensburger, Thomas Mogensen, lief höchstpersönlich den schnellen Gegenstoß zur ersten SG-Führung seit dem 0:1. Mit dem 25:26 endete der Melsunger Traum von der Sensation, auch wenn noch 24 Minuten zu spielen waren.

Stojanovic konnte noch einmal ausgleichen, aber die Gäste hatten ihre Chance zur Wende realisiert. Obwohl Frank von Behren auf die Strafbank musste, brachte zuerst Torge Johannsen seinen Tempogegenstoß unter, und Blazenko Lackovic traf anschließend aus dem Rückraum. Beide Male hatte vorher Dane Sijan Würfe von Daniel Valo und Savas Karipidis pariert. Zwei Gegentore in Überzahl, das brach das Melsunger Spiel. Auch der nächste Versuch von Valo endete in den Fängen des Flensburger Torhüters, Mogensen ließ sich die Chance zum 29:26 nicht entgehen.

Das Team von Kent-Harry Andersson hielt diesen Vorsprung zunächst. Alles schien vorbei, als nach einer knappen dreiviertel Stunde Thomas Klitgaard eine Strafe bekam und Marcin Lijewski sofort auf 29:32 stellte. Doch die MT kämpfte sich zurück. Daniel Valo wuchtete das Leder entschlossen gegen zwei Gegenspieler ins Netz, und Ivan Brouko, der schon vor der Pause für Daniel Tellander kam und wesentlich effektiver spielte als sein schwedischer Kollege, verwandelte immer noch bei Unterzahl zum 31:32-Anschluss.

Die Halle stand Kopf, eine erneute Wende schien möglich. Aber die größere Routine der Gäste machte sich in dieser kritischen Phase deutlich bemerkbar. Mario Kelentric, wie schon in den Begegnungen vorher wieder mit einem deutlichen Leistungsabfall im zweiten Durchgang, konnte zwar einen Christiansen-Strafwurf entschärfen, nicht aber die nächsten Erfolge von Mogensen, Jensen und Lijewski verhindern. Bei Flensburg kam Dan Beutler zurück, weil auch Sijan abbaute.

Bis der schwedische Keeper wieder richtig im Spiel war hatten Savas Karipidis und Daniel Valo genau zehn Minuten vor Spielende noch einmal den Anschluß zum 35:36 hergestellt. Dich die Kraft reichte letztlich nicht bei den Nordhessen. Melsungen war bis zum 40:44 durch Daniel Valo zwei Minuten vor dem Ende dran. Die Norddeutschen durften sich bis dahin zu keinem Zeitpunkt schon im Ziel wähnen. Erst eine letzte Zeitstrafe gegen Valo kurz vor dem Ende ließ den Widerstand erlahmen und ermöglichte den Gästen noch eine Resultatsverbesserung gleich um drei Treffer. Das beeindruckte die MT-Fans keineswegs. Im Gegegnteil: Die 2.100 Zuschauer dankten es nach dem Schlusspfiff ihren Rot-Weissen mit standing ovations.

Stimmen zumSpiel
Kent-Harry Andersson:
Ein Glückwunsch geht heute zuerst einmal an die Zuschauer, denn sie haben ein hervorragendes Spiel mit vielen, vielen Toren gesehen. Sie können sich über das Gesehene freuen, wir Trainer allerdings müssen uns Gedanken machen über unsere Abwehrabteilungen. Die ersten zehn Minuten waren wir überhaupt nicht da, aber nach der Auszeit waren wir dann richtig gut. Unser Rückraum mit Mogensen, Lijewski und Lackovic hat überragend gespielt. Diese Begegnung haben wir ganz klar im Angriff gewonnen.

Robert Hedin: Glückwunsch an Flensburg. Sie haben verdient gewonnen. Man denkt eigentlich, dass man mit vierzig Toren in heimischer Halle gewinnen müßte, aber leider war das heute nicht so. Mit unserem Angriff kann ich natürlich zufrieden sein, aber die Abwehr hatte große Probleme mit Lijewski und Lackovic. Wenn wir die beiden in den Griff bekommen hätten, hätten wir das Spiel vielleicht sogar gewinnen können.

Statistik
MT Melsungen – SG Flensburg-Handewitt 40:47 (22:21)
MT Melsungen:
Kelentric (1.-50. 56.-60., 19 P.), Musil (ab 51.-55., 1 P.); Brouko 4, Jacobson (n.e.), Kurtchev (n.e.), Klitgaard 5, Hazl 7/6, Valo 10, Tellander 1, Hruby, Stojanovic 7, Sanikis (n.e.), Karipidis 3/1, Blank (n.e.), Balomenos 3.
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (1.-10. 36.-60., 9 P.), Sijan (11.-35., 8 P.); von Behren, Lackovic 5, Nielsen 1, Eggert 1/1, Mogensen 9, Holmgeirsson (n.e.), Jensen 4, Christiansen 9/5, Vranjes (n.e.), Johannsen 10, Lijewski 5, Petersson 3, Knudsen.
SR: Frank Lemme (Magdeburg) / Bernd Ullrich (Magdeburg)
Zeitstrafen: 8 – 8 (Stojanovic 12:29 28:48, Klitgaard 41:51, Valo 58:18 – Lijewski 15:07 22:34, von Behren 35:32, Jensen 57:09)
Strafwürfe: 10/7 – 8/6
Karipidis wirft an die Latte (04:08)
Christiansen scheitert an Kelentric (27:18)
Christiansen scheitert an Kelentric (46:00)
Hazl scheitert an Beutler (47:29)
Karipidis scheitert an Beutler (53:20)
Zuschauer: 2.100 in der MEIROTELS-Halle, Rotenburg/F.

Spielfilm
0:1 (1.), 4:2 (4.), 8:2 (8.), 8:5 (10.), 10:7 (12.), 12:7 (12.), 13:10 (15.), 15:10 (17.), 15:13 (21.), 16:16 (22.), 18:17 (25.), 19:19 (27.), 20:20 (29.), 22:21 (HZ), 22:22 (31.), 25:25 (35.), 26:26 (36.), 27:29 (39.), 28:30 (40.), 29:31 (42.), 31:33 (44.), 33:35 (49.), 35:36 (51.), 35:39 (53.), 36:40 (54.), 37:41 (55.), 38:43 (57.), 40:44 (58.), 40:45 (59.), 40:46 (59.), 40:47 (60.),
40:47 (EN)

Foto: Heinz Hartung 




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