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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Konjunkturerwartungen drastisch reduziert

Nordhessen. Im Konjunkturbericht im Frühsommer 2008 sagte die IHK Kassel erstmals einen Rückgang der Konjunktur vor. Während andere Institute noch einen Rundlauf prognostizierten, zeigten die Indikatoren des IHK-Klimaindex bereits deutlich nach unten. Das nun vorliegende Ergebnis hat leider alle negativen Erwartungen bestätigt beziehungsweise sogar übertroffen. Der IHK-Klimaindex (gewichteter Faktor aus gegenwärtiger Lage und zukünftiger Entwicklung) fiel auf 91,9 Punkte (Vorbericht 106,8 Punkte, Vorjahr 117,5 Punkte) über alle nordhessischen Branchen. Dies ist der schlechteste Wert seit Sommer 2004.

Die derzeitige Geschäftslage über alle nordhessischen Branchen hinweg wird derzeit wie folgt beschrieben: 28 Prozent (Vorbericht 31,6 Prozent, Vorjahr 43,0 Prozent) beschreiben ihre derzeitige Lage als gut. 55,3 Prozent (Vorbericht 53,0 Prozent, Vorjahr 48,1 Prozent) gehen von einer befriedigenden aktuellen Geschäftslage aus. 16,7 Prozent (Vorbericht 15,4 Prozent, Vorjahr 8,9 Prozent) beschreiben ihre derzeitige Lage als schlecht.

In den einzelnen Branchen zeigt sich folgendes Bild: Das produzierende Gewerbe vermeldet einen IHK-Klimaindex von 99,4 Punkten (Vorbericht 118 Punkte, Vorjahr 124,5 Punkte). Die gegenwärtige Lage wird in der „Konjunkturlokomotive“ wie folgt eingeschätzt: 37,8 Prozent (Vorbericht 43,6 Prozent, Vorjahr 54,1 Prozent) beschreiben ihre derzeitige Geschäftslage als gut. Innerhalb des produzierenden Gewerbes zeigt sich eine deutliche Eintrübung bei den Vorleistungsgüterproduzenten 87,4 Klimaindexpunkte (Vorbericht 124,3 Punkte, Vorjahr 128,7 Punkte) und bei den Investitionsgüterproduzenten 109,5 Klimaindexpunkte (Vorbericht 127,8 Punkte, Vorjahr 142,2 Punkte). Diese Ergebnisse sind umso betrüblicher, da gerade diese beiden Sektoren in der Vergangenheit den jeweiligen Trend antizipiert haben.

Das Baugewerbe zeigt sich im Vergleich zur letzten Umfrage relativ indifferent. Der IHK-Klimaindex liegt bei 98,9 Punkten (Vorbericht 107,3 Punkte, Vorjahr 98,2 Punkte). Die derzeitige Lage beschreiben die nordhessischen Bauunternehmer ebenfalls relativ neutral.

Die konsumabhängigen Branchen melden ernüchternde Zahlen. Der Klimaindex im Gastgewerbe sinkt auf dramatische 66,5 Punkte (Vorbericht 73,5 Punkte, Vorjahr 99,8 Punkte). Sage und schreibe 0,0 Prozent (Vorbericht 11,8 Prozent, Vorjahr 33,3 Prozent) der befragten Gastronomen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut. 71,4 Prozent (Vorbericht 47,1 Prozent, Vorjahr 40,0 Prozent) sehen eine befriedigende Geschäftslage. 28,6 Prozent (Vorbericht 41,2 Prozent, Vorjahr 26,7 Prozent) beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht.

Der Einzelhandel verzeichnet ebenfalls einen starken Rückgang des Klimaindex 79,5 Punkte (Vorbericht 93,1 Punkte, Vorjahr 103,2). Hier wird die gegenwärtige Lage neutral eingestuft. Der niedrige Index ist hier im Wesentlichen auf die schlechten Erwartungen zurückzuführen.

Das Verkehrsgewerbe meldet mit 65,1 Punkten ebenfalls schlechte Ergebnisse. Hier ist die derzeitige Geschäftslage folgendermaßen beschrieben. 19,0 Prozent der Logistiker (Vorbericht 14,3 Prozent, Vorjahr 34,6 Prozent) beurteilen ihre derzeitige Lage als gut. 42,9 Prozent (Vorbericht 71,4 Prozent, Vorjahr 57,7 Prozent) gehen von einer befriedigenden Lage im Verkehrsgewerbe aus. 38,1 Prozent (Vorbericht 14,3 Prozent, Vorjahr 7,7 Prozent) gehen von einer schlechten Geschäftslage aus. Im Verkehrsgewerbe ist eindeutig Pessimismus eingezogen.

Wenn man noch ein wenig Licht im Dunklen ausmachen will, dann lohnt der Blick auf die Dienstleister. Hier werden immer noch Klimaindizes gemeldet, die über 100 Punkten liegen. Die unternehmensbezogenen Dienstleister verzeichnen 107,8 Punkte (Vorbericht 122,6 Punkte, Vorjahr 130,8 Punkte). Die sonstigen Dienstleister liegen bei 109,7 Punkten (Vorbericht 122,8 Punkte, Vorjahr 130,8 Punkte). Fakt ist aber auch hier, dass eine Trendumkehr sich nicht leugnen lässt. Auch hier wächst und gedeiht der Pessimismus.

Zukünftige Lage
Die gegenwärtige Lage lässt sich vorsichtig als bescheiden bezeichnen. Die starken Veränderungen hinsichtlich des IHK-Klimaindex sind im Wesentlichen auf die zukünftigen Erwartungen gerichtet. Die nordhessische Wirtschaft betrachtet die zukünftige Entwicklung mit Sorge.

Über alle Branchen hinweg zeigt sich bezüglich der zukünftigen Lage kein erfreuliches Bild. 8,7 Prozent (Vorbericht 18,9 Prozent, Vorjahr 20,1 Prozent) gehen von einer eher günstigen zukünftigen Geschäftslage aus. 58,5 Prozent (Vorbericht 60,4 Prozent, Vorjahr 62,7 Prozent) gehen von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus. 32,8 Prozent (Vorbericht 20,8 Prozent, Vorjahr 17,2 Prozent) gehen von einer eher ungünstigen Geschäftslage aus.

Unisono sind die negativen Veränderungen beim produzierenden Gewerbe. Hier gehen 8,6 Prozent (Vorbericht 18,7 Prozent, Vorjahr 21,6 Prozent) von einer eher günstigen Geschäftslage aus. 63,6 Prozent (Vorbericht 67,9 Prozent, Vorjahr 61,9 Prozent) sehen eine gleichbleibende zukünftige Geschäftslage. Jedoch 27,9 Prozent (Vorbericht 13,4 Prozent, Vorjahr 16,4 Prozent) gehen von einer eher ungünstigen zukünftigen Geschäftslage aus. Hier haben seit langem wieder die Pessimisten die Oberhand gewonnen.

Noch düsterer sind die zukünftigen Erwartungen im Einzelhandel. Dass dies quasi mit der Aussicht auf das kommende Weihnachtsgeschäft geschieht, macht die Daten noch betrüblicher. 0,0 Prozent (Vorbericht 20,7 Prozent, Vorjahr 7,7 Prozent) der nordhessischen Einzelhändler gehen von einer günstigeren zukünftigen Geschäftslage aus. 63,2 Prozent (Vorbericht 51,7 Prozent, Vorjahr 76,9 Prozent) gehen von einem gleichbleibenden Geschäft aus. 36,8 Prozent (Vorbericht 27,5 Prozent, Vorjahr 15,4 Prozent) sehen allerdings eher eine ungünstige zukünftige Geschäftslage auf den Einzelhandel zukommen. Es bestätigt sich immer wieder, dass der Aufschwung der vergangenen Jahre am Handel nahezu vorbei gegangen ist.

Die Aufzählung der Branchen ließe sich fortführen. Es findet sich derzeit keine Branche, die ihre zukünftigen Erwartungen nicht nach unten revidiert hat.

Geplante Investitionen
Auch hinsichtlich der geplanten Investitionen hat es seit langem mal wieder eine Korrektur nach unten gegeben. 21,5 Prozent (Vorbericht 26,1 Prozent, Vorjahr 29,8 Prozent) über alle Branchen hinweg gehen von einer zunehmenden Investitionstätigkeit aus. 52,2 Prozent (Vorbericht 51,0 Prozent, Vorjahr 51,3 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Investitionsniveau aus. Dagegen finden sich 26,3 Prozent (Vorbericht 23,0 Prozent, Vorjahr 18,9 Prozent), die mit abnehmenden Investitionen rechnen.

Exportvolumen
Die bereits geschilderten Daten lassen für den Export somit auch nichts Gutes ahnen. Der seit Jahren ansteigende Indikator verliert erstmals deutlich. Dies korrespondiert damit, dass der Aufschwung der vergangenen Jahre maßgeblich über den Außenhandel realisiert wurde. 25,4 Prozent (Vorbericht 46,7 Prozent, Vorjahr 48,6 Prozent) aller Unternehmer gehen von einem ansteigenden Exportvolumen aus. 69,3 Prozent (Vorbericht 49,5 Prozent, Vorjahr 47,7 Prozent) von einem gleichbleibenden Auslandsgeschäft. 5,3 Prozent (Vorbericht 3,8 Prozent Vorjahr 3,6 Prozent) gehen von einem sinkenden Auslandgeschäft aus. Auch wenn das Lager der Optimisten abgenommen hat, so lässt sich hier immer noch ein hohes Niveau konstatieren!

Erwartete Beschäftigtenzahl
Die Dynamik der vergangenen Monate am Arbeitsmarkt ist ebenfalls vorbei. Auch hier zeichnet sich mindestens eine Verlangsamung von Neueinstellungen ab. Stagnation bzw. ein Absenken des Beschäftigtenniveaus ist nicht ausgeschlossen. Nur noch 12,6 Prozent (Vorbericht 18,7 Prozent, Vorjahr 24,3 Prozent) aller nordhessischen Unternehmer gehen von einer steigenden Beschäftigung aus. 72,8 Prozent (Vorbericht 70,2 Prozent, Vorjahr 65,3 Prozent) sehen keine Veränderung hinsichtlich des Beschäftigungsniveaus. 14,6 Prozent (Vorbericht 11,1 Prozent, Vorjahr 10,4 Prozent) gehen von einer Reduzierung des Beschäftigungsniveaus aus.

Fazit: Es deutet derzeit alles darauf hin, dass die Konjunktur in eine Abschwungphase einschwenkt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Daten vor dem 15. September 2008 erhoben wurden. Das heißt, dass das „Wallstreet Beben“ (Lehmann, AIG, Merrill Lynch und Co.) keinen Einfluss auf die Ergebnisse hatte. Neben der seit gut einem Jahr währenden internationalen Finanzkrise haben auch andere Makrodaten dazu beigetragen, dass dem Aufschwung die Luft genommen wurde. Rohölpreise von über 140 US-Dollar pro Barrel im Sommer haben weltweit den Konsum gebremst. Auch dieser Preis war im Wesentlichen spekulativer Art. Hier ist mit fallenden Preisen zu rechnen, die ggf. eine Entlastung für Betriebe und Haushalte mit sich führen. Der starke Euro bringt hinsichtlich des Exportgeschäfts ebenfalls für einige Branchen Probleme. Die Binnenkonjunktur in Deutschland lahmt weiter. Das Verbrauchervertrauen sinkt von Quartal zu Quartal. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben wir derzeit den niedrigsten Konsumklimaindex seit Sommer 2003.

Die Abgabenlast für Haushalte und Unternehmen ist in Deutland weiterhin zu hoch. Aus diesem Grund fordern die Spitzenverbände der Wirtschaft (DIHK, BDI, BDA und ZDH) insbesondere eine Entlastung für die Leistungsträger aus der Mittelschicht. Nur wenn mehr Netto vorhanden ist, kann die Binnenkonjunktur anspringen.



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