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MT: Keine Belohnung für großen Kampf

MT-Dalibor_AnusicKassel/Melsungen. Handball-Bundesligist MT Melsungen verlor am Samstagabend vor 2.374 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 26:28 (15:15). Dabei profitierte der eigentlich hoch favorisierte Gast in dem lange Zeit recht ausgeglichenen Spiel am Ende von der Nervenstärke einzelner Akteure. Die MT ließ jeglichen Respekt vor dem Championsleague-Teilnehmer vermissen und nahm von Anfang an das Heft in die Hand. Kaum sieben Minuten waren gespielt, als die Gastgeber nach Toren von Tzimourtos, Vuckovic und zweimal Vasilakis, bei einem Gegentreffer von Stefansson, mit 4:1 in Führung gingen. Auch in der Defensive wurde effektiv gearbeitet. Hier machte MT-Neuzugang Dalibor Anusic zwar erst sein drittes Spiel im rotweissen Dress, doch der Abwehrspezialist zeigte Wirkung und strahlte auch bereits positiv auf seine Nebenleute aus. So fand die von Nikola Manojlovic organisierte Angriffsformation der Gäste zunächst kaum ein Mittel, um das MT-Bollwerk zu knacken.

Es sollte fast eine Viertelstunde dauern, bis der Tabellensechste mit der MT wieder auf Augenhöhe war. Per Siebenmeter-Treffer von Gensheimer zum 10:10 (21.) erreichten die Rhein-Neckar-Löwen nach dem 1:1 zum ersten Mal wieder den Ausgleich in diesem Spiel. Trainer Ola Lindgren hatte mit einer rund zweieinhalb Minuten zuvor genommenen Auszeit seine Schützlinge von einem einfallslosen Angriff erlöst und offenbar dann die richtigen Worte gefunden. Er hatte schließlich auch gesehen, wie schon der Anschluss zum 8:7 durch Gensheimer lediglich das Ergebnis eines Verlegenheitswurfes war und sich ansonsten fast nur Stefansson und Bielecki als torgefährlich erwiesen.

Auch auf der Torhüterposition verbuchte die MT leichte Vorteile. Mario Kelentric knüpfte beinahe nahtlos an seine tolle Vorstellung in Hannover an, während auf der anderen Seite Slawomir Szmal vor allem bei Vasilakis’ Würfen etwas unglücklich wirkte. Dennoch vertraute man ihm weiterhin und sein prominenter Positionskollege Henning Fritz blieb auf der Bank.

Die MT ließ sich vom Näherrücken des Kontrahenten offenbar ein wenig beeindrucken. Denn die bis dahin konzentriert arbeitende Rückraumformation kam etwas ins Stocken. Wie gut in dieser Phase, dass Linksaußen Ivan Brovko Schlitzohrigkeit bewies und nach dem Einlaufen an den Kreis von ungewohnter Position zum 11:10 traf, und dass sich auf der anderen Seite Dimitrios Tzimourtos mit einer tollen Finte gegen Gensheimer zum 12:11 durchsetzen konnte. Die Stimmung in der Halle steuerte in Anbetracht dieses leidenschaftlichen Einsatzes auf eine ersten Höhepunkt zu, aber Trainer Ryan Zinglersen erkannte, dass sein Team eine schöpferische Pause benötigte und beantragte ein Timeout (26.). Die verbleibenden gut vier Minuten bis zum Halbzeitpfiff gerieten bis zum 15:14 zu einem “offenen Schießen”, bei dem die jeweilige Vorgabe der MT durch einen Gegentreffer der Löwen beantwortet wurde.

Dann der letzte Angriff im ersten Durchgang. Die Rhein-Neckar Löwen sind in Ballbesitz, nur noch wenige Sekunden bis zum Halbzeitpfiff. In der Mitte wird der Kreisläufer angespielt. Der drängt in Richtung Tor, wird aber noch – bevor er in Wurfposition kommt – von der MT-Abwehr zu Boden gedrückt. Die Uhr ist abgelaufen, das Halbzeitsignal ertönt. Die Schiedsrichter entscheiden auf Siebenmeter, die Halle tobt, Trainer Zinglersen protestiert, wird verwarnt, protestiert noch einmal und wird mit einer Zweiminutenstrafe belegt. Den verhängten Strafwurf verwandelt Gensheimer bei gellendem Pfeifkonzert zum 15:15-Ausgleich.

Wegen der Zeitstrafe gegen den MT-Coach musste die MT dann in den beiden ersten Minuten der zweiten Hälfte zwangsläufig in Unterzahl spielen und fing sich prompt zwei Gegentreffer in Folge ein – wiederum durch Gensheimer. War dies ein Nackenschlag, von dem sich Melsungen verunsichern ließ? Im Nachhinein betrachtet, hat es zumindest den Anschein. Denn die Nordhessen liefen nach diesem 15:17 stets einem Rückstand hinterher, der sich einfach nicht reduzieren lassen wollte.

Das Spiel wurde hektisch, auf beiden Seiten schlichen sich nun vermehrt Fehler ein, die in schwachen Würfen oder gar in Ballverlusten mündeten. Der bis dato treffsichere Vasilakis etwa vergab von der Siebenmeterlinie. Ihm gönnte Ryan Zinglersen danach eine Verschnaufpause und brachte Franck Junillon auf der Halbrechten. Auch am Kreis, wo bis dahin Thomas Klitgaard wirkungsvoll von Oliver Roggisch abgeschirmt wurde, gab es mit Felix Danner einen befristeten Wechsel.

Bis zur 42. Minute war der Abstand zugunsten der Gäste gar auf vier Treffer angewachsen (17:21), als der wieder an den Kreis zurück gekehrte Klitgaard und der kurz zuvor eingewechselte Sanikis mit ihren Toren zum 19:21 (43.) für neue Hoffnung im MT-Lager sorgten. Doch die erhielten schon zwei Minuten später einen Dämpfer, weil Löwen-Spielmacher Snorry Gudjonsson ausgerechnet in Unterzahl – Oliver Roggisch hatte gerade eine Zeitstrafe kassiert – zum 20:23 traf.

Aber die Nordhessen blieben den Badenern auf den Fersen. Vor allem dank der Treffsicherheit von Nenad Vuckovic, der erst per Siebenmeter, dann aus dem Rückraum durch die Beine von Szmal und danach wiederum per Siebenmeter den Anschluss zum 23:24 herstellte. Zu spielen waren zu diesem Zeitpunkt noch fast 12 Minuten und die Zuschauer spürten, dass eine Überraschung möglich sein könnte.

Als Sanikis nach einem fulminanten Wackler gefoult wurde und der zugesprochene Strafwurf von der MT erneut zum Anschlusstreffer hätte genutzt werden können (es wäre das 24:25 gewesen), versetzte Vuckovic zwar Szmal, aber der Ball landete unglücklich am Pfosten. Kurz darauf war auch Vasilakis im Pech. Der Linkshänder wurde bei angezeigtem “Zeitspiel” zum Wurf gezwungen und setzte den Ball übers Tor.

Löwen-Coach Ola Lindgren wähnte zu diesem Zeitpunkt – rund 8 Minuten waren noch zu spielen – seine Mannschaft trotz ihres Zwei-Tore-Vorsprungs noch keinesfalls auf der Siegerstraße. Dafür kämpfte die MT, immer wieder angetrieben durch ein begeistert mitgehendes Publikum, einfach zu verbissen. Zudem musste er damit rechnen, dass die Pechsträhne des Kontrahenten auch mal wieder ins Gegenteil umschlagen könnte. So beorderte Lindgren für die Restspielzeit Karol Bielecki aufs Feld. Der Pole hatte in der zweiten Halbzeit bis dahin ausschließlich die Bank gedrückt, obwohl sein Vertreter auf Halblinks, Siarhei Harbok, von der aufmerksamen MT-Abwehr abgemeldet und ohne Torerfolg geblieben war.

Alles richtig gemacht hatte Lindgren mit dieser Rochade. Bielecki’s erster Versuch wurde noch geblockt, im zweiten Anlauf aber erzielte der wurfgewaltige Pole das 23:26 (54.). Ryan Zinglersen nahm eine Auszeit, um sein Team für die entscheidende Schlussphase einzuschwören. Und prompt verkürzte Stojanovic nach Wiederaufnahme des Spiels per unnachahmlichem Schlagwurf zum 24:26. Aber schon im Gegenzug hatte er das Nachsehen gegen den an diesem Abend kaum zu bremsenden Gensheimer, der schnell auf Linksaußen freigespielt wurde und mit dem Tor zum 24:27 (56.) den alten Abstand wieder herstellte. Der folgende MT-Angriff versandete am Kreis, wo sich Klitgaard vergeblich nach einem unerreichbar zugespielten Ball reckte.

Kurz darauf nahmen die Gäste die letztmögliche Auszeit des Spiels, um sich noch einmal für den erwarteten heissen Endspurt zu sammeln. Das Ergebnis dieser Maßnahme zeigte sich schon wenig später, als diesmal Sigurdsson über Linksaußen kam und die Löwen mit seinem Tor zum 24:28, zweieinhalb Minuten vor Schluss, endgültig auf die Zielgerade einbiegen ließ.

Die MT steckte aber nicht auf, sondern versuchte mit toller kämpferischer Moral doch noch das Unmögliche möglich zu machen. Der Lohn waren zwei weitere Tore von Stojanovic und Danner zum 24:26-Endstand. Und der hätte – in Anbetracht der beiden gleichwertigen Gegner an diesem Abend – durchaus auch in einem leistungsgrechten Unentschieden münden können.

Stimmen zum Spiel
RNL-Trainer Ola Lindgren:
Wir wussten, dass uns hier ein sehr schweres Spiel erwartet. Auch wenn wir oft schon als Spitzenteam bezeichnet werden, wissen wir selber, dass wir uns jeden Sieg hart erarbeiten müssen. Das hat vor allem heute unsere Abwehr getan, die nur 26 Tore zugelassen hat und mit der wir den Grundstein gelegt haben.

MT-Trainer Ryan Zinglersen: Natürlich kann man sich nicht freuen, wenn man verloren hat. Aber ich bin dennoch mit dem Spiel unsere Mannschaft nicht unzufrieden. Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, nämlich konsequent in der Abwehr und diszipliniert im Angriff zu spielen und vor allem, nie aufzugeben. Das hat über weite Strecken gut geklappt, wenn auch nicht über die gesamten 60 Minuten. Vielleicht muss ich die Niederlage heute sogar auf meine Kappe nehmen. Durch die Zweiminutenstrafe gegen mich und die anschließende Unterzahl haben wir genau die zwei Gegentore kassiert, die uns am Ende fehlten.

Statistik
MT Melsungen – Rhein-Neckar Löwen 26:28 (15:15)

MT Melsungen: Kelentric, Lechte (bei einem Siebenmeter) – Vasilakis (7/2), Stojanovic (4), Vuckovic (7/2) – Tzimourtos (3), Tellander – Klitgaard (2) – Schöngarth (n.e.), Junillon, Danner (1), Sanikis (1), Anusic, Brovko (1) – Trainer Ryan Zinglersen.

Rhein-Neckar Löwen: Szmal, Fritz (bei zwei Siebenmetern) – Stefansson (5), Manojlovic, Bielecki (3) – Groetzki (4), Gensheimer (8/4) – Myrhol – Roggisch (1), Gudjonsson (2), Prieto (n.e.), Sigurdsson (4), Harbok, Müller (1), Alvanos (n.e.) – Trainer Ola Lindgren.

Zeitstrafen: 4 – 4 Minuten (Klitgaard, Trainer Zinglersen – 2x Roggisch).

Siebenmeter: 6/4 – 4/4 (Vasilakis scheitert an Szmal, Vuckovic trifft nur den Pfosten).

Schiedsrichter: Ronny Dedens/Nico Geckert (Magdeburg).

Zuschauer: 2.374, Rothenbach-Halle Kassel

Spielfilm: 1:1 (3.), 3:1 (6.), 4:3 (9.), 7:5 (12.), 9:7 (15.), 9:8 (18.), 10:9 (21.), 11:10 (24.), 13:12 (27.), 15:15 (HZ), 16:17 (33.), 17:19 (36.), 17:19 (39.), 18:21 (42.), 20:22 (45.), 22:24 (48.), 23:25 (51.), 23:26 (54.), 24:27 (57.), 26:28 (EN).



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