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MT geht gegen Gummersbach unter

sanikisKassel/Melsungen. Nur eine knappe Viertelstunde lang sahen die 2.128 Besuchern in der Kasseler Rothenbach-Halle ein Spiel zweier gleichstarker Mannschaften zwischen der MT Melsungen und dem VfL Gummersbach. Danach riss bei den Hausherren der Faden und sie mussten eine deprimierende 23:32 (12:17)-Niederlage hinnehmen. Noch in dem unmittelbar nach dem Spiel obligatorischen Statement vor den Fans entschuldigte sich Trainer Ryan Zinglersen öffentlich für den schwachen Auftritt seiner Mannschaft und zeigte Verständnis für den Frust der Zuschauer: “Das war ein unglaublich schlechtes Spiel von uns. Aber ich werde alles tun, um mit der Mannschaft aus diesem Loch heraus zu kommen. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns dabei unterstützen würden”.

Zu Beginn des Spiels sah es noch so aus, als sollten sich Vladica Stojanovic und Co. an das halten, was ihnen Ryan Zinglersen mit auf den Weg gegeben hatte: Tempo spielen, die Nebenleute sehen, als geschlossenes Kollektiv auftreten. Dass dabei nicht jeder Pass seinen Abnehmer fand und die eine oder andere Chance überhastet vergeben wurde war nicht verwunderlich aber auch nicht weiter tragisch. Denn auch der VfL Gummersbach leistete sich Fehlabgaben und unkontrollierte Würfe. So dass die Partie in der Anfangsphase absolut ausgeglichen schien und die Kontrahenten sich tatsächlich auf Augenhöhe begegneten. Eine Viertelstunde lang schien es genau das umkämpfte, enge Spiel zu werden, das sich alle gewünscht hatten. Keiner konnte sich entscheidende Vorteile erspielen, niemand ragte heraus. Ausgehend vom ersten Führungstreffer der MT durch Vladica Stojanovic entwickelte sich ein Schlagabtausch mit viel Tempo, in dem auch der Vorteil mehrfach wechselte.

So konterte Gummersbach die Melsunger Führung sofort durch Adrian Wagner und Drago Vukovic, und blieb auch bis zum 4:3 in Vorlage. Alexandros Vasilakis glich einmal mehr aus, bevor Mario Kelentric seine Mannschaft mit einem gehaltenen Siebenmeter von Wagner vor dem nächsten Rückstand bewahrte. Der darauf folgende Angriff war ein Musterbeispiel für das Tempospiel, was Ryan Zinglersen vor der Partie von seinen Spielern eingefordert hatte. Mario Kelentric spielte den Ball aus dem Torraum kurz zu Vladica Stojanovic, der sofort lang nach vorn auf Nenad Vuckovic passte. Von dort wanderte das Leder schnell nach links zum längst in Position gespurteten Daniel Tellander, der Goran Stojanovic mit einem Aufsetzer ins kurze Eck keine Abwehrchance ließ. So einfach kann Handball sein, wenn alle Beteiligten konzentriert mitspielen.

Auch beim 6:5 durch Vladica Stojanovic waren die Hausherren noch einmal vorn, dann schlichen sich die Fehler im Aufbauspiel wie im Abschluss vermehrt ein. Zweimal Vedran Zrnic und einmal Adrian Pfahl sorgten für die erste Zwei-Tore-Führung der Gäste. Weil vorn vor allem bei Nenad Vuckovic plötzlich gar nichts mehr lief. Erst ein unmotivierter Wurf aus der Hüfte glatt an Tor vorbei, dann im nächsten Versuch einen glatten Meter drüber. Ryan Zinglersen sah das Unheil wohl kommen und hatte die Hand schon an der grünen Karte. Die hätte er beim neunten Treffer des VfL wohl auch gelegt, doch dazu kam es noch nicht. Erst parierte Mario Kelentric einen Wurf von Viktor Szilagyi ins Seitenaus, dann hatte er das Glück des Tüchtigen, als Adrian Pfahl nur den Pfosten traf. Den daraus resultierenden Konter verwertete Thomas Klitgaard zum Anschlusstreffer.

vasilakisDie 18. Spielminute brachte den großen Bruch im Spiel. Möglicherweise ausgelöst durch eine Szene, die eigentlich die MT hätte bevorteilen müssen. Denn nach einer Rangelei am Gummersbacher Kreis, ausgehend von Robert Gunnarsson, wurde Vladica Stojanovic auf Adrian Pfahl geschubst. Der fiel dabei so unglücklich, dass er sich an der rechten Wade verletzte und auf die Bank musste. Wo er auch bis auf eine ganz kurze Rückkehr in der 23. Minute bis zum Spielende blieb. Was eigentlich eine Schwächung hätte sein müssen, entwickelte sich zum Vorteil für die Oberbergischen. Denn mit Geoffroy Krantz auf der für ihn ungewohnten Position im rechten Rückraum kämpfte plötzlich jeder Blau-Weiße umso mehr, um den vermeintlichen Schwachpunkt auszugleichen. Das ermöglichte dem Franzosen gleich in seiner ersten Spielszene das 10:7 für deine Mannschaft. Auch Zinglersen hatte die Unterbrechung zum Wechseln genutzt. Auf Rechtsaußen kam Neuzugang Mikkel Holm Aagaard zu seinem Heimspieldebüt für den bis dahin blass gebliebenen Dimitrios Tzimourtos. Doch im Gegensatz zu Krantz führte er sich mit einem Missverständnis mit Alexandros Vasilakis ein, das prompt zum Konter und zum nächsten Gegentor führte.

Melsungen fand in dieser Phase keinen Weg, den immer stärker werdenden Goran Stojanovic im Gummersbacher Kasten zu bezwingen. Erst scheiterte Vladica Stojanovic am Montenegriner, dann im Nachwurf Daniel Tellander. Der sich anschließende Konter über Adrian Wagner landete dafür sicher verwandelt zum 7:12 in den Maschen. Endgültig Grund genug für Ryan Zinglersen, seinen Männern in einer Auszeit ins Gewissen zu reden. Umsonst, wie sich schnell zeigen sollte. Ivan Brovka kam für Daniel Tellander und hatte auch gleich eine Möglichkeit, den bis dahin schönsten Melsunger Angriff über Vladica Stojanovic und Nenad Vuckovic zu verwerten. Doch Teufelskerl Stojanovic zwischen den Gummersbacher Pfosten machte sich ganz lang und brachte tatsächlich noch die Fußspitze zwischen Ball und Tor. Während der Keeper von den mitgereisten blau-weißen Fans noch gefeiert wurde, lochte Viktor Szilagyi vorn schon den nächsten Wurf ein. Adrian Wagner und Robert Gunnarsson legten noch zwei nach, da war das Spiel beim Stand von 7:15 nach 24 Minuten im Prinzip schon durch.

Es war komischerweise eine Unterzahlsituation, die Melsungen kurz vor der Pause gefühlsmäßig wieder zurück brachte. Zwar verwandelte Vedran Zrnic den Siebenmeter nach Foul von Vladica Stojanovic, das dem Serben eine Zeitstrafe einbrachte, sicher zum 10:17. Doch dann folgte eine Trotzreaktion, die hätte Mut geben müssen. Erst feuerte Alexandros Vasilakis den Ball per Gewaltwurf durch die Deckung ins lange Eck, dann feierte Mikkel Holm Aagaard sein erstes Tor in der Rothenbach-Halle. „Nur noch“ fünf Tore Rückstand bei Halbzeit, und dazu den moralischen Vorteil der beiden Unterzahl-Tore im Rücken. So oder ähnlich dachten jedenfalls die MT-Fans in der Halle.

Es war ein Trugschluss, wie sich nach dem Wechsel schnell herausstellte. Gummersbach nutzte den Vorteil des ersten Ballbesitzes und legte gleich wieder einen vor, so dass sich erst gar keine echte Aufbruchstimmung entwickeln konnte. Was bestimmt nicht an den Fans der Nordhessen lag, die weiter hinter ihrem Team standen und es unentwegt anfeuerten. Doch bis auf Grigorios Sanikis, der inzwischen ins Spiel gekommen war, nahm niemand die Vorlagen von den Rängen auf. Der Grieche erzielte die Tore zum 13:18, und dann sogar zum 15:19. Doch mehr als ein kurzes Aufblitzen von Gefährlichkeit war auch das nicht. Dazu stimmte es zu wenig im Zusammenspiel der Bartenwetzer, die weiter regelmäßig Bälle verschenkten. Und Gummersbach nutzte die Schwächen in der Melsunger Deckung immer wieder geschickt aus. Sie zogen die Abwehrformation in der Mitte zusammen, so dass sich bei entsprechender Geduld zwangsläufig große Räume für die Außen ergaben. Und wenn Aagaard und Brovka, später noch einmal Tellander, ihre Positionen doch einmal hielten, stießen die Halben in die Lücken. Dazu noch eine gute erste Welle, das war das VfL-Erfolgsrezept an diesem Abend.

Wach gerüttelt durch den geschrumpften Vorsprung zog der prima Regie führende Viktor Szilagyi das Tempo der Oberbergischen wieder an. Nach einer dreiviertel Stunde waren es schon wieder sieben Tore Differenz, als Dimitrios Tzimourtos mit einem ziemlich unmotiviert verworfenen Siebenmeter gefühlsmäßig das Spiel der MT beendete. Daran konnte weder das schöne Tor vom eingewechselten Jens Schöngarth zum 19:26 etwas ändern, noch die kurz darauf als letztes Mittel genommene Auszeit von Ryan Zinglersen. Gummersbach tat in den verbleibenden zehn Minuten nicht mehr als unbedingt nötig. Sead Hasanefendic gab auch seinen Bankspielern noch ein paar Einsatzminuten, was ihm sowohl Steffen Fäth als auch Ole Rahmel mit je einem Treffer dankten. Robert Gunnarsson war es schließlich vorbehalten, den letzten Stich zum deprimierenden Endstand von 23:32 aus Sicht der Hausherren zu setzen.

Jetzt sind zwei Wochen Zeit, die Wunden zu lecken. Der Großteil der Melsunger Spieler reist zu Länderspielen oder Lehrgängen der jeweiligen Nationalteams. Dann stehen innerhalb von nur vier Tagen zwei weitere ganz wichtige Heimspiele auf dem Programm, die entweder den Befreiungsschlag, oder aber den Baum sprichwörtlich zum Brennen bringen können. Erst kommt am 7.11. GWD Minden nach Kassel, am 11.11. folgt das Duell mit dem TBV Lemgo. Dann ist auch Dalibor Anusic nach seiner Oberschenkelverletzung wieder dabei, der gegen den VfL Gummersbach im Deckungsbereich schmerzlich vermisst wurde.

Stimmen zum Spiel
Sead Hasanefendic:
Was soll man nach so einem klaren Sieg sagen? Wir bestätigen damit unsere tolle Position weit oben in der Tabelle. Eigentlich dachten wir, dass die Aufgabe hier schwerer würde. Wir hatten eine Trotzreaktion der Melsunger auf ihre Dormagen-Niederlage erwartet. Melsungen hat individuell sehr starke Spieler. Ich kann meiner Mannschaft zu ihrer Leistung nur gratulieren. Denn es ist nicht alltäglich, zur MT Melsungen zu fahren und dort mit neun Toren Differenz zu gewinnen.

Ryan Zinglersen: Ich kann mich nur entschuldigen für das, was wir heute gespielt haben. Wir haben in der letzten Zeit geredet und geredet. Jetzt müssen wir endlich auch handeln. Leider sind nun zwei Wochen Pause, in die wir diese negative Stimmung mitschleppen. Ich kann nur hoffen, dass die Unterstützung unserer Fans danach gegen Minden noch da ist. Sead Hasanefendic kann ich nur gratulieren zum Sieg. Mein Traum ist es, die MT genau so im Kollektiv spielen zu sehen wie es der VfL mit seinen jungen Leuten heute getan hat. Im modernen Handball führt kein anderer Weg zum Erfolg. Da muss jeder genau wissen was der Nebenmann macht. In den ersten paar Minuten haben wir das gute Gefühl aus dem Pokalspiel in Saarlouis ja noch mitgebracht und die Partie gemeinsam offen gestaltet. Dann kamen die vielen Fehler. Wir liegen jetzt zwar am Boden, aber wir stehen garantiert wieder auf.

Statistik

MT Melsungen – VfL Gummersbach 23:32 (12:17)

MT Melsungen: Kelentric (6 P.), Lechte (3 P.); Brovka 1, Schöngarth 1, Junillon, Klitgaard 2, Tellander 1, Tzimourtos, Vasilakis 6/1, Stojanovic 2, Treutler (n.e.), Danner 2, Sanikis 5, Aagaard 1, Vuckovic 2.

VfL Gummersbach: Stojanovic (18 P.), Lucau (0 P.); Krantz 1, Wagner 7, Vukovic 4, Fäth 1, Lützelberger, Eisenkrätzer, Gunnarsson 4, Teppich, Szilagyi 6, Pfahl 1, Rahmel 1, Zrnic 7/4.

SR: Holger Fleisch (Ostfildern) / Jürgen Rieber (Nürtingen)

Zeitstrafen: 4 – 4 (Stojanovic 27:58, Junillon 33:07 – Gunnarsson 33:07 45:38)

Strafwürfe: 2/1 – 5/4 (Wagner scheitert an Kelentric, 9. Min. – Tzimourtos scheitert an Stojanovic, 48. Min.)

Zuschauer: 2.128, Rothenbach-Halle Kassel

Spielfilm: 1:1 (3.), 3:3 (6.), 4:4 (9.), 6:6 (12.), 7:9 (18.), 7:12 (21.), 7:15 (24.), 10:16 (27.), 12:17 (HZ), 13:18 (33.), 15:19 (36.), 15:21 (39.), 17:23 (42.), 18:25 (45.), 19:27 (51.), 21:29 (54.), 23:32 (EN)



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