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Burg Schreckenstein und SMS für Dich in der Stadthalle

Szene aus Burg Schreckenstein. Quelle: Stadt Melsungen

Szene aus Burg Schreckenstein. Quelle: Stadt Melsungen

Melsungen. Am 30. November gibt es wieder Kino in der Stadthalle Melsungen. Für Kinder wird um 16 Uhr Burg Schreckenstein gezeigt. Der Eintritt hierfür kostet 5 Euro. Herzschmerz und herzhaftes Lachen für Erwachsene ist um 19.30 Uhr mit SMS für Dich angesagt. Hier kostet der Eintritt 6 Euro.

Zu den Inhalten:
BURG SCHRECKENSTEIN
Lange hat es gedauert, nun kommt die klassische deutsche Jugendbuchreihe „Burg Schreckenstein“ endlich ins Kino. Ralf Huettners Kinoadaption hat die Romanvorlagen von Oliver Hassencamps stark modernisiert und weiß als eigenständiges Internats-Abenteuer zu überzeugen. Ein vergnüglicher Jugendfilm, der sich von Reihen wie den „wilden Kerlen“ positiv durch seine liebenswerte Natürlichkeit abhebt.

Schon 1959 schrieb Oliver Hassencamp den ersten Band seiner Internatsgeschichten, doch erst Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre eroberte die Reihe die Kinderzimmer der Republik. 27 Bände erschienen bis zum Tod des Autors im Jahre 1988, die in immer neuen Variationen die Abenteuer eines ganz besonderen Internats beschrieben. Als moderne Ritter verstanden sich die Jungs der Burg, als Schreckensteiner, die das Motto „Du sollst auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein“ verinnerlicht hatten. Auch in Ralf Huettners Verfilmung ist dieser Leitspruch einmal zu hören, wirkt allerdings eher der Form halber eingefügt, denn mit der Ideologie der Vorlage hat die moderne Verfilmung nur noch wenig zu tun.

Kein Wunder, muten Begriffe wie Ritterehre, die Tendenz zur Selbstbestrafung, ja, Selbstkasteiung der Schüler in der heutigen Zeit noch weltfremder an, als sie möglicherweise schon um 1980 herum wirkten. Dementsprechend modernisieren Huettner und sein Drehbuchautor Christian Limmer das Konzept grundlegend, was bedeutet: Mehr als das Setting und die Figurennamen ist von der Vorlage kaum geblieben. Die Streiche, die die Jungs den Mädchen spielen, muten hier weniger wie originelle, gewitzte Einfälle ein, sondern bestehen zum Beispiel aus dem Anlassen der Sprinkleranlage, so dass das gesamte Schloss unter Wasser gesetzt wird. Was in den Büchern fraglos als mutwillige Sachbeschädigung verpönt gewesen wäre, entlockt den modernen Schreckensteinern nur ein müdes Lächeln, man ist schließlich Haftpflicht versichert.

Dass die Filmversion „Burg Schreckenstein“ dennoch als eigenständiger Jugendfilm funktioniert und sich wohltuend von vergleichbaren Reihen wie „Die wilden Kerle“ oder „V8“ abhebt, ist das natürliche Spiel der jungen Darsteller. Wo sonst oft gepost und angegeben wird, entwickelt sich zwischen dem Quintett schnell eine echte, sympathische Gemeinschaft. Ihre Natürlichkeit macht „Burg Schreckenstein“ zu einem vergnüglichen Jugendfilm, der sich zwar vom Geist der Vorlage entfernt, aber mit eigenen Qualitäten überzeugt. (Michael Meyns)

Deutschland 2016, Regie: Ralf Huettner, nach den Jugendbüchern von Oliver Hassencamp
Darsteller: Henning Baum, Sophie Rois, Alexander Beyer, Jana Pallaske, Harald Schmidt, Maurizio Magno, Chieloka Nwokolo, Benedict Glöckle, 96 Min., ab 0 J.

SMS FÜR DICH

Szene aus SMS für Dich. Quelle: Stadt Melsungen

Szene aus SMS für Dich. Quelle: Stadt Melsungen

Schauspieler drängen ja nicht selten im Laufe ihrer Karriere auch auf den Regiestuhl. Dort können sie sich dann beispielsweise selbst als Helden einer romantischen Komödie inszenieren. Was Til Schweiger etwa mit Keinohrhasen und Matthias Schweighöfer mit What a Man und anderen Filmen vormachten, probiert nun auch Karoline Herfurth aus. In ihrem Regiedebüt SMS für Dich nach dem gleichnamigen Roman von Sofie Cramer spielt sie Clara Sommerfeld, eine junge Frau, die auch zwei Jahre nach dem Unfalltod ihres Freundes Ben nicht aus ihrer Trauer herausfindet. Sie beginnt, Handy-Nachrichten an Ben zu schreiben, als Ventil für ihre angestaute Sehnsucht und Liebe. Allerdings wurde Bens alte Handynummer gerade neu vergeben, und so kommt der Sportjournalist Mark Zimmermann (Friedrich Mücke) in den Genuss der romantischen Botschaften der ahnungslosen Clara. Und die verdrehen ihm ganz schön den Kopf …

Eigentlich ist SMS für Dich weniger Komödie als ein waschechter, sogar zum Traurigen neigender Liebesfilm. Aber weil diesem Genre der Ruch des altmodischen Gefühlsüberschwangs anhaftet, macht der Film die Not zur Tugend und spielt ironisch mit der Kitschfalle. Deutschlands angesagteste Schlagersängerin, Henriette Boot (Katja Riemann), wird beispielsweise zur Vertrauten des liebeskranken Mark. Und auch sonst gibt es alle naselang köstlichen, wie beiläufig eingestreuten Humor, der die Gefühlstiefe nicht aushebelt, sondern bekömmlich und damit erst so richtig glaubhaft.

Die lebensnah und attraktiv wirkende Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, Empathie und Belustigung überzeugt und verblüfft. Denn der Film folgt einem altbekannten Strickmuster des Romantikgenres und mutet dennoch flirrend und aufrichtig an. Da gibt es die Frau mit gebrochenem Herzen, von Karoline Herfurth als reine, etwas verloren wirkende Seele gespielt, die man einfach gern haben muss. Ihr rotes Haar passt so gut zum bunten Herbstlaub, das dem Schauplatz Berlin eine melancholische Stimmung beschert. Und da gibt es den jungen Mann, der ein Problem mit emotionaler Offenheit hat. Aber ist er einmal in Liebe entflammt, mutiert er zur ritterlichen Figur, die bereit ist, eine Frau auf Händen zu tragen. So etwas mögen Zuschauer, wie nicht zuletzt die Twilight-Saga zeigte. Friedrich Mücke hatte wohl noch nie eine so überzeugende Rolle als romantischer Held. Auf die emotionale Annäherung folgt wie so oft auch hier die große Krise, weil sich Mark ja als heimlicher SMS-Leser moralisch schuldig machte. Dann ist Buße gefragt und die Bereitschaft, über den eigenen Schatten zu springen.

Karoline Herfurth scheint ein Händchen für Schauspielerführung zu haben. Nora Tschirner spielt Claras Sidekick und beste Freundin Katja selbstbewusst und gutgelaunt aus der zweiten Reihe. Und Frederick Lau führt als Marks bester Freund David erneut diese verpeilt-prollige Leidensmiene vor, die trotz komischen Gehalts auf ein großes Herz schließen lässt. Katja Riemann spielt den Schlagerstar Henriette Boot als Frau, die Kitsch liebt, aber trotzdem auch Köpfchen besitzen darf und nicht zur reinen Karikatur degradiert werden muss. Cordula Stratmann gibt eine köstliche kleine Vorstellung als vor Energie strotzende Buchverlegerin. Und bevor Samuel Finzi als Marks Chefredakteur Wortmann zu sehr in den Klamauk abrutschen kann, sind seine komödiantisch präzise getimten Auftritte auch schon vorbei.

Viele Details und Nebenszenen setzen hübsche Kontrapunkte zum schwergewichtigen Hauptthema. Stilmittel wie Zeitlupe, Splitscreen, einheizende Popsongs und Abspannwitze werden wohldosiert und sinnvoll eingesetzt. Und wenn beispielsweise David im Unterhemd mit Mark im Gasthaus sitzt, weil der Freund es wieder einmal so eilig hatte, dann bekommt die Handlung etwas Verspieltes, Befreites. In einer solchen Wohlfühlatmosphäre ist das Mitschmachten ausdrücklich erlaubt und verursacht auch keine nachträglichen Schamgefühle. (Bianka Piringer)

Deutschland 2016, Regie: Caroline Herfurth, Darsteller: Caroline Herfurth, Nora Tschirner, Friderick Lau, Friedrich Mücke, Friederike Kempter, 106 Min., ab 0 J.

(red)



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