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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Pianistin Nina Tichman begeisterte ihre Zuhörer

Nina Tichman am Flügel. Foto: Reinhold Hocke

Nina Tichman am Flügel. Foto: Reinhold Hocke

Fritzlar. Am vergangenen Sonntagabend spielte Nina Tichman, heute unter anderem Professorin an der Hochschule für Musik Köln, in Fritzlar. Dieser Beitrag befasst sich nicht mit der Rezension ihrer Darbietungen beim Klavierabend in der Domstadt. Vielmehr Dr. Ulrich Skubella, Pianist, Komponist, Arzt und Ehrenbürger der nordhessischen Dom- und Kaiserstadt, erzählen, wie er die Pianistin von Weltruf nach Fritzlar geholt hat:

„Ich habe seit Jahren eine CD mit Aufnahmen von zwei Cellosonaten von Ludwig van Beethoven mit Maria Kliegel (Cello) und Nina Tichman (Klavier). Das sind zwei Werke, bei denen Cello und Klavier als gleich berechtigte Partner auf allerhöchstem Niveau agieren. Das Klavierspiel von Nina Tichman fand ich, seitdem ich diese Aufnahme kenne, absolut bewundernswert.

Prof. Nina Tichman und Dr. Ulirch Skubella. Foto: Reinhold Hocke

Prof. Nina Tichman und Dr. Ulirch Skubella. Foto: Reinhold Hocke

Ich googelte Nina Tichman, und mir fiel auf, dass sie nicht nur in der Carnegie-Hall in New York und anderen Musikzentren gespielt hatte sondern auch in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Kirn an der Nahe, die nur ein paar Kilometer von der Stadt entfernt ist, wo ich vor Jahren zur Schule gegangen war. Auf ihrer Webseite fand ich eine E-Mail-Adresse, was bei Künstlern dieses Formats eher ungewöhnlich ist, und da wir für den Kulturverein immer auf der Suche nach interessanten Künstlern sind, schrieb ich ihr eine E-Mail und fragte an, ob sie auch in unserer kleinen Stadt ein Konzert spielen würde, erwartete aber keine Reaktion. Aber die kam doch prompt, und ich erlebte Nina Tichman als eine ganz unkomplizierte Künstlerin ohne Starallüren. Große Künstler haben ja oft Berührungsängste gegenüber Leuten, die sie weit unter sich stehend einordnen, Nina Tichman überhaupt nicht.

Wir verabredeten ein Konzert für den 25. Juni 2016 im Rathaussaal in Fritzlar. Alles wurde vorbereitet, Plakate gedruckt, die Pressearbeit gemacht, Hotel bestellt…. Und dann die Katastrophe: drei Tage vor dem Konzert waren 16 Karten in der Touristinformation verkauft. Das war ein Schlag! Wir können doch nicht eine Pianistin von dieser Qualität vor 16 plus x Zuhörern auftreten lassen. Das ist doch eine totale Blamage für sie und für uns als Veranstalter! Woran lag es? Am Termin? An der Fußball- Europameisterschaft? Ende Juni gab es nach dem verregneten Sommer einige schöne Tage, und viele wollten wohl lieber einen Grillabend genießen. Oder lag es am nachlassenden Interesse an klassischer Musik? Müssen wir uns als Kulturverein den Vorwurf gefallen lassen, nicht mit der Zeit zu gehen und ein zu klassiklastiges Programm anzubieten?

Wie dem auch sei, ich rief Nina Tichman an und schilderte ihr die Situation. Sie reagierte verständnisvoll, verlangte keine Ausgleichszahlungen oder Ähnliches, verlangte aber, dass als Erklärung für die Absage des Konzerts nicht eine Erkrankung der Künstlerin angegeben wurde. Sie hätte in jedem Falle gespielt. Eine absolut professionelle Einstellung. Justus Franz hatte in einer ähnlichen Situation einmal in Bad Soden-Allendorf ganz anders reagiert: als er erfuhr, dass der Kartenvorverkauf für sein Konzert sehr dünn war, sagte es das Konzert von sich aus ab! Das ist kein Geheimnis, also verrate ich nichts Vertrauliches.“

Dr. Ulrich Skubella bei der Begrüßung der Konzertgäste. Foto: Reinhold Hocke

Dr. Ulrich Skubella bei der Begrüßung der Konzertgäste. Foto: Reinhold Hocke

So machte Dr. Skubella für den ersten Adventssonntag den neuen Termin. Nina Tichmann spielte von vollem Saal ein Programm mit Perlen der Klavierliteratur:  die Suite bergamasque mit dem berühmten Clair de Lune, mehrere Mazurken von Chopin und die Sonate C-Moll von Franz Schubert.

Die Begeisterung der Zuhörer entlud sich in lang anhaltendem Applaus. In der zweiten Zugabe bedankte sich die Pianistin Prof. Nina Tichman mit der Bagatelle C-Dur von Ludwig van Beethoven.

Zur Person:
In New York geboren studierte Nina Tichmann an der berühmten Juilliard School in New York. Für herausragende Leistungen erhielt sie den Eduard-Steuermann-Preis. In Deutschland ging sie bei Alfons Kontarsky, Hans Leygraf und Wilhelm Kempff in die Lehre. Sie gewann zahlreiche Preise, zum Beispiel beim Feruccio Busoni – Wettbewerb (Bozen), beim Alessandro Casagrande-Wettbewerb (Terni/Italien), oder beim  ARD-Wettbewerb (München). Bekannt ist ihre Einspielung des Gesamtwerkes von Claude Debussy, das sie auch in New York und in Frankfurt/Main zyklisch aufführte, sowie die Gesamtaufnahmen von Beethovens Werken für Klavier und Violoncello mit der Cellistin Maria Kliegel und der Beethoven-Klaviertrios mit dem Xyrion Trio. Weitere Aufnahmen mit Werken von Bartók, Copland (Gesamtklavierwerk), Chopin, Corigliano, Fauré, Mendelssohn, Penderecki, Reger. Seit 1993 ist Tichman Professorin für Klavier an der Musikhochschule Köln und gibt Meisterkurse in den USA (Princeton, Amherst, IKIF), Europa (Europäische Akademie Palazzo Ricci, Mozarteum Salzburg, Seelscheider Musiktage), Japan (Aichi Universität der Künste) und China. (rho)



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