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Luise Zieba deutsche Meisterin im 3000m-Lauf der W35

Silber für Jutta Pfannkuche und Norbert Weinreich

Siegerehrung über 3000m der W35 mit Luise Zieba als deutsche Meisterin. Foto: nh

Siegerehrung über 3000m der W35 mit Luise Zieba als deutsche Meisterin. Foto: nh

Erfurt/Melsungen. Mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen kehrten die Melsunger Senioren von den deutschen Hallen- und Winterwurfmeisterschaften aus Erfurt erfolgreich zurück. Luise Zieba überraschte in der W35 mit einem 3000-Meter-Sieg und der persönlichen Bestzeit von 11:03,05 Minuten. Nach einer Pause von 16 Jahren stieg Jutta Pfannkuche wieder in das Wettkampfgeschehen ein und überquerte im Hochsprung der W60 sensationelle 1,38 Meter. Damit holte sie sich – höhengleich mit der Siegerin – nicht nur die Silbermedaille, sondern blieb auch einen Zenitmeter über den bisherigen deutschen Hallenrekord. Für die dritte Überraschung sorgte Diskuswerfer Norbert Weinreich, der in der Meldeliste der M50 auf dem 13. Rang lag und bei der Siegerehrung ebenfalls mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde.

Luise Zieba vor ihrem Meisterschaftslauf. Foto: nh

Luise Zieba vor ihrem Meisterschaftslauf. Foto: nh

Als der 3000-Meter-Lauf der W35 am zweiten Wettkampftag als letzter Wettbewerb gestartet wurde, hatte Luise Zieba gute Aussichten auf Edelmetall. Das Melsunger Langstrecken-Ass hatte sich im Januar mit 11:20,78 Minuten den Landestitel geholt und lag mit dieser Zeit auf Rang zwei der Meldeliste. Nur Nina Wimmer hatte mit 10:57 Minuten eine bessere Zeit gemeldet. Die Mittelstrecklerin aus Neuss hatte sich am Nachmittag den nationalen Titel über 800 Meter geholt und ging selbstbewusst ins Rennen. Offensichtlich wollte sie sich auf ihre Spurtqualitäten verlassen, denn sie schlug ein langsames Tempo an. Katrin Puth und Luise Zieba merkten das und überholten die Favoritin, wobei die Ausdauerspezialistin aus Gera die Führungsarbeit übernahm und für die Tempoarbeit sorgte. Die ersten 1000 Meter passierte dieses Duo in 3:41 Minuten, was auf eine Endzeit von etwa 11:10 Minuten hindeutete. Nach der Hälfte der Strecke wurde Luise Zieba mit 5:33 Minuten herausgestoppt. Und da sie nach zehn Hallenrunden immer noch frisch wirkte, stieg ihre Siegeschance erheblich. Drei Runden vor dem Ende setzte die Gartenbautechnikerin aus Spangenberg ihren Spurt an und lief mit die dritt- sowie die vorletzte Runde in jeweils in 44 Sekunden. Katrin Puth konnte diesem Tempo nicht mehr folgen und schien geschlagen. Unter dem Beifall der Zuschauer genoss sie die letzte Runde und erhöhte sogar noch einmal das Tempo. Mit einer grandiosen Steigerung legte sie die letzten 200 Meter in 39 Sekunden zurück und überquerte zum ersten Mal als deutsche Meisterin die Ziellinie.

Jutta Pfannkuche reißt im 3. Versuch ganz knapp die neue deutsche Rekordhöhe für die W60 von 1,41 Meter. Foto: nh

Jutta Pfannkuche reißt im 3. Versuch ganz knapp die neue deutsche Rekordhöhe für die W60 von 1,41 Meter. Foto: nh

Dieser Lauf war ein Paradebeispiel eines Meisterschaftsrennen, in der nicht die Zeit, sondern nur der Sieg eine Rolle spielte. Aber für Luise Zieba war es eine besondere Krönung, denn neben dem Sieg sprang auch noch eine Bestzeit mit 11:03,05 Minuten heraus. Katrin Puth folgte mit 11:08,91 Minuten fast sechs Sekunden später und musste in der Schlussrunde noch alles geben, um Nina Wimmer (11:09,21) nicht vorbei zu lassen.

Dieses Rennen, aber auch die Zeit waren phantastisch und drücken auch die Zusammenarbeit mit Trainer Alwin J. Wagner aus, der das Training der neuen deutschen Meisterin verantwortlich ist und der die läuferischen Möglichkeiten der Gartenbautechnikerin aus Spangenberg immer hoch eingeschätzt hat. „Wie Luise in der Schlussphase das Rennen beherrscht hatte, war schon großartig. Mit ihrer Entschlossenheit, die eigene Taktik von Anfang bis zum Ende durchzusetzen und mit viel Mut, mehr als zehn Runden hinter Katrin Puth zu laufen, verdient meinen Respekt. Wenn Luise so weiter trainiert, kann sie in zwei Jahren die 3000 Meter unter 10:30 Minuten laufen“, sagte Wagner und schaut schon auf das nächste Wochenende, wo sein Schützling bei den deutschen Crosslaufmeisterschaften in Ohrdruf an den Start gehen wird.

Jutta Pfannkuche blieb als Zweite mit 1,38 Meter drei Zentimeter über den alten deutschen Hallenrekord. Foto: nh

Jutta Pfannkuche blieb als Zweite mit 1,38 Meter drei Zentimeter über den alten deutschen Hallenrekord. Foto: nh

Wer hätte das vorher gedacht, dass der Hochsprung der W60 zu einem der spannendsten und hochkarätigsten Wettbewerbe der Veranstaltung werden würde. Jutta Pfannkuche, die erst Ende Januar nach einer Pause von 16 Jahren wieder zur Leichtathletik zurückkehrte, stieg wie Ute Böggemann, die deutsche Seniorenmeisterin des Vorjahres bei 1,23 m in das Wettkampfgeschehen ein und überquerte die nächsten beiden Höhen wie ihre Konkurrentin jeweils im ersten Versuch. Bei 1,32 Meter scheiterte Wiebke Baseda (GW Harburg) und sicherte sich mit 1,29 Meter die Bronzemedaille. Weil Jutta Pfannkuche im zweiten Versuch diese Höhe meisterte und Ute Böggemann drei Sprünge dafür benötigte, lag plötzlich die deutsche Seniorenmeisterin von 1995 in Führung und es roch nach einer Sensation. Während Jutta Pfannkuche im zweiten Durchgang die 1,35 Meter übersprang, schaffte die Seniorin aus Düsseldorf diese Höhe bereits mit ihrem ersten Sprung und überquerte auch die nächste Höhe im ersten Versuch. Auch Jutta Pfannkuche kam über 1,38 m, aber sie benötigte drei Sprünge dafür. Mit dieser Super-Leistung blieben beide Athletinnen einen Zentimeter über den deutschen Hallenrekord, den vierzehn Jahre vorher Renate Vogel (Rostock) in Sindelfingen aufgestellt hatte. Nach diesen Rekordsprüngen wurde die Latte auf 1,41 Meter gelegt. Bei Ute Böggemann konnte man erkennen, dass sie nicht mehr die Kraft hatte, über diese Höhe zu springen. Jutta Pfannkuche demonstrierte auch bei 1,41 Meter ihre gute Technik und hatte mit ihrem letzten Sprung diese Höhe überquert. Aber sie riß die Latte nach einem Flüchtigkeitsfehler mit der Wade. Erst nach diesem unglücklichen Versuch stand Ute Böggemann als deutsche Senioren-Hallenmeisterin der W60 fest. Nach ständig wechselten Führungen musste sie schon deutschen Rekord für die W60 springen, um ihren Vorjahrestitel erfolgreich verteidigen zu können. Im Vorjahr hatte sie noch sieben Zentimeter Vorsprung.

Vor dem Wettkampf sagte Jutta Pfannkuche: „Ich möchte in Erfurt über 1,30 Meter springen und eine Medaille holen“. Dass sie der alten und neuen Meisterin einen so spannenden Kampf liefern würde, konnte niemand ahnen. Ihre großartige Leistung verdient Respekt und Anerkennung und wird sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange für sie gewesen sein.

Bernd Gabel im Stabhochsprung der M55 ist auf dem Weg über 2,70 Meter. Foto: nh

Bernd Gabel im Stabhochsprung der M55 ist auf dem Weg über 2,70 Meter. Foto: nh

Auch Bernd Gabel kam gut vorbereitet nach Erfurt. In Bad Sooden-Allendorf holte er sich im Stabhochsprung der M55 den nordhessischen Hallentitel mit 2,50 m. Als er in der Landeshauptstadt von Thüringen sehr souverän 2,70 Meter übersprang, waren zwischen seinem Körper und der Latte mehr als 20 Zentimeter Luft. Aber Bernd Gabel konnte diese Leistung bei der nächsten Höhe nicht mehr wiederholen und scheiterte dreimal an 2,80 Meter. Höhengleichen vor Gerhard Schatz (Sigmaringen) belegte der Melsunger Justizangestellte den sechsten Rang.

Norbert Weinreich hatte niemand auf der Rechnung. Mit dem neuen Kreisrkord von 43,69 m sicherte er sich die Silbermedaille. Foto: nh

Norbert Weinreich hatte niemand auf der Rechnung. Mit dem neuen Kreisrkord von 43,69 m sicherte er sich die Silbermedaille. Foto: nh

Leider gab es auch für die Melsunger Teilnehmer eine Enttäuschung. Und wieder einmal war es Kugelstoßer Uwe Krah, der unsicher und nervös in den Wettkampf ging, obwohl er noch einen Tag vorher erzählte, dass er gut vorbereitet sei und zwischen 13,50 und 14,00 Meter stoßen werde. Wie schon bei den letzten Meisterschaften scheiterte der 53-Jährige an seinen Nerven und an seinem hohen Erwartungshorizont. Zu keiner Zeit hatte er einen Einfluss auf den Ausgang dieses Wettbewerbs, wo man mit einer Weiter von unter 14 Metern die Silbermedaille gewinnen konnte. Krah begann mit 12,19 Meter und ließ anschließend schwache 12,00 Meter folgen. Wer meinte, dass der ehemalige deutsche Polizeimeister bei diesem Wettkampf an seinem Tiefpunkt angekommen sei, sah sich bereits im nächsten Versuch getäuscht, denn es gelang ihm die 6,ookg-Kugel nur mehr auf 11,56 m zu stoßen. Der vierten Versuch war noch schwächer. Mit den Nerven am Ende, machte er diesen ungültig, um im fünften Durchgang mit einem Standstoß neu aufzubauen. Obwohl dieser ebenfalls technisch nicht gut war, kam er immerhin auf 12,24 Meter, was an diesem Tag seine beste Leistung darstellte Im letzten Durchgang landete die Kugel bei 11,83 Meter. Damit blieb Uwe Krah, der nach Erfurt fuhr und sich eine Medaille ins Visier genommen hatte, zwei Meter hinter seinem Ziel zurück.

Andreas Deuschle aus Nürtingen, der in diesem Jahr bereits 15,40 Meter stieß, war als Sieger dieses Wettbewerbs keine Überraschung und schon gar keine Sensation mehr. Platz zwei ging an Timo Laßmann (Meersburg, 13,97 m) vor Michael Bott (Fahrdorf, 13,83 m). Uwe Krah, der sich falsch eingeschätzt hatte und seine Nerven nicht in den Griff bekam, landete abgeschlagen hinter Thomas Schroers (Repelen, 13,37 m) nur auf Rang sieben, knapp vor Rainer Lübkemeier (Bünde, 12,13 m).

Uwe Krah, der im Kugelstoßen erneut an seinen Nerven und an seinem hohen Erwartungshorizont scheiterte und mindestens eineinhalb Meter hinter seinem Ziel zurückblieb. Foto: nh

Uwe Krah, der im Kugelstoßen erneut an seinen Nerven und an seinem hohen Erwartungshorizont scheiterte und mindestens eineinhalb Meter hinter seinem Ziel zurückblieb. Foto: nh

Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt fanden im Erfurter Steigerwaldstadion neben der Halle auch die deutschen Winterwurfmeisterschaften statt. Die eisige Kälte machten diese Meisterschaften zu echten Winterwurftitelkämpfe. Im Gegensatz zu Uwe Krah sah man bei Diskuswerfer Norbert Weinreich keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität. Vielleicht lag es auch daran, dass sich der mehrfache hessische Meister nach seinen guten Trainingswürfen trotz der eisigen Kälte sicher war, die 1,5kg-Scheibe über die begehrte 40m-Marke zu werfen. Und so durchkreuzte er wenige Tage vor seinem 50. Geburtstag schon im ersten Durchgang die Annahme, dass dieses Diskuswerfen ganz im Zeichen der letztjährigen 40m-Werfer der M50 stehen würde.

Der Melsunger warf sich verblüffend locker mit einem 40m-Wurf ein und eröffnete den Wettkampf mit 42,18 Meter. Als das Ergebnis auf der kleinen elektronischen Anzeigetafel erschien, vergaß er vor lauter Überraschung zwischen Erstaunen über sich selbst und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten vorsorglich das Jubeln. Aber mit diesem Eröffnungswurf setzte er sofort ein Maß für die Konkurrenz, denn diese großartige Weite konnte schon eine Medaille bedeuten und sie saß bei den Konkurrenzten. Helmut Maryniak aus Passau, der mit 54,25 Meter gemeldet wurde, wusste zunächst keine Antwort. Der große Favorit hatte sich drei Stunden vorher beim Kugelstoßen eine Verletzung zugezogen und warf zunächst aus dem Stand 37,36 Meter. Der Zweite der Meldeliste, Thomas Schroers, begann mit 40,14 Meter und ließ im zweiten Durchgang einen ungültigen Versuch folgen. Norbert Weinreich bestätigte mit 41,04 Meter seine Weite vom ersten Durchgang. Helmut Maryniak, dessen erster Verusch nicht für das Finale gereicht hätte, blieb im zweiten Durchgang mit 42,15 Meter drei Zentimeter hinter der Weite des Melsungers zurück.

Im dritten Versuch steigerte sich Norbert Weinreich auf 43,69 Meter und verbesserte damit den Kreisrekord der M50, den Peter Schröder (Gensungen) am 20. Mai 1993 mit 42,18 Meter aufgestellt hatte. Thomas Schroers ließ in diesem Durchgang sein Gerät bei 42,16 Meter landen und bestätigte damit seinen Anspruch auf eine Medaille. Helmut Maryniak, Jahrgang 1968, benötigte drei Würfe, um sich mit 44,72 Meter an die Spitze des elfköpfigen Feldes zu setzen. Aber siegessicher konnte sich der Weltjahresbeste noch nicht sein.

Siegerehrung im Diskuswerfen der M50 -  Norbert Weinreich, Helmut Maryniak und Thomas Schroers. Foto: nh

Siegerehrung im Diskuswerfen der M50 – Norbert Weinreich, Helmut Maryniak und Thomas Schroers. Foto: nh

Norbert Weinreich merkte man von der eisigen Kälte nichts an, denn auch im Finale warf er den Diskus wie in einem Rausch und blieb mit jedem seiner sechs Würfen klar über der 40m-Linie.

Im ersten Versuch des Endkampfes gelang dem Außenseiter von der MT Melsungen mit 43,34 Meter erneut ein ausgezeichneter Versuch. Im nächsten Durchgang ließ er die Scheibe 41,99 m landen. Helmut Maryniak lag nach zwei ungültigen Versuchen immer noch mit 44,72 Meter in Führung. Thomas Schroers erreichte im Endkampf 41,42 m, ließ einen ungültigen Versuch folgen und kam am Ende auf 41,84 m. Das bedeutete die Bronzemedaille, weil die übrigen acht Teilnehmer mit keinem ihrer Würfe die 40m-Marke erreichten.

Als Norbert Weinreich zum sechsten und damit zum letzten Mal den Kreis betrat, drückten die Melsunger Wettkämpfer, die aus der Halle geeilt waren sowie Harry Geier mit Ehefrau sowie Hella Böker, die Daumen. Mit einem schnellen Abzug, aber mit einer zu kurzen Auslage beim Abwurf, ließ er die Scheibe weit in das Steigerwaldstadion hineinsegeln, so dass sie auf dem gefrorenen Boden erst bei 42,78 Meter aufschlug. Helmut Maryniak zeigte sich erleichtert, aber vor allem freute sich Norbert Weinreich über seine erste Silbermedaille bei einer deutschen Meisterschaft. Nachdem dieser Titelkampf entschieden war, zeigte Maryniak sein wahres Können. Er wurde lockerer und somit technisch auch besser. So war es keine Überraschung, dass er zum Schluss noch auf 49,33 m kam. Norbert Weinreich wird in den nächsten Monaten noch einige Meter auf seine Weite von Erfurt drauflegen und bei den deutschen Seniorenmeisterschaften am 1. Juli 2018 in Mönchengladbach bestimmt wieder ein Wörtchen bei der Medaillenvergabe mitreden.



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