Startseite


Ihre Werbung hier!

Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 13. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Mein Opa hat mich angemeldet

Christin Kühlborn. Foto: SG 09 Kirchhof

Christin Kühlborn. Foto: SG 09 Kirchhof

Kirchhof. Im Vorfeld zum Anpfiff des 7. Heinrich Horn Gedächtnisturniers (wir berichteten) hat Ina Tollhopf als Berichterstatterin für die SG 09 ein Interview mit der Kirchhofer Bundesligaspielerin Christin Kühlborn geführt. Lesen Sie das Gespräch im Wortlaut auf der folgenden Seite …

I.T.: Das Wochenende mit dem Turnier findet ganz zu Ehren deines Großvaters statt. Wir wissen alle, dass er ein leidenschaftlicher Handballer und ein großer Förderer des Handballsports war. Wie war er persönlich?
Kühlborn: Leider war ich noch sehr klein, als er starb. Jedoch weiß ich, dass er ein absoluter Familienmensch war. Die ganze Familie wurde von seiner Leidenschaft – dem Handball und vor allem dem Verein SG 09 Kirchhof – angesteckt und alle leben diese Leidenschaft bis heute. Jedes Familienmitglied hat eine aktive oder passive Rolle in diesem Verein. Jeder ist immer sofort zur Stelle, wenn der Verein Hilfe braucht.

Christin Kühlborn besteht etliche Zweikämpfe. Foto: SG 09 Kirchhof

Christin Kühlborn besteht etliche Zweikämpfe. Foto: SG 09 Kirchhof

I.T.: Welche Erinnerung an ihn, welche Begegnung mit ihm hat dich am meisten geprägt?
Kühlborn: Da ich ja noch recht klein war, habe ich leider nur wenige Erinnerungen. Seltsamerweise weiß ich jedoch noch ganz genau, dass ich mit ihm Fernsehen geguckt habe, als über den Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 berichtet wurde. Eine weitere Erinnerung: Im Sommer war er gerne draußen. Wir saßen oft mit der ganzen Familie auf dem Balkon, weil er diesen mit seinem Rollstuhl gut erreichen konnte.

I.T.: Seit wann bist du im Verein?
Kühlborn: Seit 1994. Da war ich gerade mal vier Monate alt und konnte sicherlich noch nicht mal krabbeln – geschweige denn einen Handball halten! Mein Opa Heinrich Horn war es, der mich direkt nach meiner Geburt im August 1993 zum 01.01.94 im Verein anmeldete und seither meinen Vereinsbeitrag übernahm. Nach seinem Tod setzt dies meine Oma Irmgard fort.

I.T.: Du hast entsprechend alle Mannschaften von der SG 09 durchlaufen, um jetzt in der ersten Mannschaft zu spielen. Seit wann?
Kühlborn: Den Sprung in die erste Damenmannschaft habe ich 2011 geschafft. In diesem Jahr wurde ich 18 Jahre alt und durfte entsprechend meinen ersten Vertrag auch alleine unterzeichnen. Während meine Freunde ihr Taschengeld mit Kellnern oder Ferienjobs aufbesserten, verdiente ich mein Taschengeld mit dem, was ich sowieso jeden Tag machen wollte: Handball spielen. Das war ein großartiges Gefühl.

Zur Teambildung gehören auch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Foto: SG 09 Kirchhof

Zur Teambildung gehören auch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Foto: SG 09 Kirchhof

I.T.: Was waren die schwersten Stunden oder Tage für dich im Verein? Wolltest du auch schon mal alles hinschmeißen?
Kühlborn: Da ich nun meine achte Saison mit der 1. Damenmannschaft spiele, waren genug schwere Stunden und Tage dabei. Tiefpunkte waren die Abstiege aus der 2. Bundesliga. Der Abstieg im Jahr 2014 war mit Sicherheit der schlimmere. In dieser Saison war ich noch sehr jung und ich konnte mich durch die Unruhen innerhalb der Mannschaft nicht auf mich selbst konzentrieren. Ich spielte mit Abstand die schlechteste Saison meiner Kirchhof-Karriere. Ohne die positiven Worte und Zusprüche durch Cristina (damals noch Mihai) und Marcus Brauer hätte ich vermutlich darüber nachgedacht, alles hinwerfen zu wollen, doch mit solchen Freunden findet man auch aus schwersten Zeiten positive Aspekte und rückblickend konnte ich vor allem aus dieser Saison viel für mein privates und sportliches Leben dazulernen.

Wenn der Spielzug funktioniert hat, gibt's gern mal „High Five“. Foto: SG 09 Kirchhof

Wenn der Spielzug funktioniert hat, gibt’s gern mal „High Five“. Foto: SG 09 Kirchhof

I.T.: Seit wann bist du Kapitänin?
Kühlborn: In der Saison 2013/2014 wurde ich durch Gernot Weiss zur Kapitänin ernannt. Damals noch als Co-Kapitänin hinter Cristina Brauer (damals Mihai). Ich war für die organisatorischen Tätigkeiten neben dem Spielfeld zuständig und auf dem Spielfeld gab Cristina den Ton an. Wir waren ein super Team zusammen. Als sie uns verließ, wurde ich zur „1. Kapitänin“ ernannt und hatte seither Sharelle Maarse, Simone Larsen Poulsen und Laura Nolte an meiner Seite.

I.T.: Du bist auch sehr engagiert in der Nachwuchsförderung und trainierst die D-Jugend. Was kannst du deinen Spielerinnen mit auf dem Weg geben? Was ist das Wichtigste, was eine gute Handballerin ausmacht?
Kühlborn: Ich möchte meinen Spielerinnen in der D-Jugend den Spaß am Spiel vermitteln. Wer keinen Spaß hat, wird nicht weit kommen. Außerdem möchte ich gerne dieser Generation vermitteln, dass Leistungssport und gute schulische Leistungen miteinander vereinbar sind. Es bedarf eben einer gewissen Selbstdisziplin. Neben diesen „soft skills“ bedarf es aber auch klare Techniken: Eine gute Handballerin macht aus, dass sie sowohl Spielwitz im Angriff als auch faire Härte in der Abwehr haben muss. Ich hoffe, ich kann diese Werte in den nächsten Jahren vermitteln.

I.T.: Und was macht für dich den Verein SG 09 Kirchhof aus?
Kühlborn: Der Verein lebt durch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Ihnen gegenüber habe ich den größten Respekt, denn sie opfern sehr viel Zeit und Energie, damit wir zum Beispiel einen tollen Rahmen für unsere Heimspiele haben. Und das ist ja bei weitem nicht alles. Ich glaube nicht, dass das heute noch so selbstverständlich ist: diese Vereinsliebe mit hohem Engagement, wie es sie in der Generation meiner Eltern noch gab und wie sie hier bei der SG gelebt wird. Auch wenn sich die SG 09 Kirchhof immer mehr Richtung Profisport entwickelt, bleibt der familiäre Hintergrund, den es nur noch in wenigen Bundesligavereinen gibt.

Teamplay ist für die SG-Handballerinnen das A und O. Foto: SG 09 Kirchhof.

Teamplay ist für die SG-Handballerinnen das A und O. Foto: SG 09 Kirchhof.

I.T.: Wie ist es mit Christian Denk zu trainieren? Hast du blindes Vertrauen?
Kühlborn: Ich kenne Christian nun seit meiner Geburt und seit der B-Jugend ist er mein Trainer. Neben Gernot Weiss hat mich Christian am meisten in meiner sportlichen Laufbahn geprägt. Blindes Vertrauen versteht sich da von selbst. Manchmal müssen wir beide schon schmunzeln, da ich teilweise schon weiß, welche Übung er als nächstes mit uns vorhat. Und das ohne etwas zu sagen. Nur indem ich sehe, wo er in der Halle steht.
Manchmal ist es nicht ganz einfach, da er eben eine spezielle Art von Trainer ist. Ich kenne das aber schon und kann damit demnach eigentlich ganz gut umgehen.

Christin Kühlborn ist durchsetzungsfähig und abschlussstark. Foto: SG 09 Kirchhof

Christin Kühlborn ist durchsetzungsfähig und abschlussstark. Foto: SG 09 Kirchhof

I.T.: Was wünscht du dir für die kommende Saison?
Kühlborn: Ich wünsche mir, dass wir so weitermachen, wie wir in der Saison 2017/2018 aufgehört haben. Wenn wir an diese guten Leistungen der Rückrunde anknüpfen können, haben wir eine schöne Saison vor uns. Doch man darf nie vergessen: Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Da ich dies auch schon am eigenen Leib erfahren habe, verlange ich von meiner Mannschaft eiserne Disziplin – auf und neben dem Spielfeld. Ich habe hier noch einiges vor und gebe alles, um den Rest der Mannschaft mitzuziehen.

(red)



Tags: , ,


Ähnliche Beiträge

Bisher keine Kommentare


Einen Kommentar schreiben

© 2006-2018 SEK-News • Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt MediendesignBeiträge (RSS) und Kommentare (RSS)ImpressumDatenschutzAGB





WP Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com