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Vor 40 Jahren: Schneekatastrophe 78/79

 

Im Katastrophenwinter 78/79 lag Schnee von Dezember bis März in teils sechs Meter hohen Verwehungen. Das Bild zeigt die Umgebung der Wetterwarte Neubrandenburg. Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst

Im Katastrophenwinter 78/79 lag Schnee von Dezember bis März in teils sechs Meter hohen Verwehungen. Das Bild zeigt die Umgebung der Wetterwarte Neubrandenburg. Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst

Offenbach. Nachdem der Deutsche Wetterdienst vorige Woche das Jahr 2018 als eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen einstufte, erinnert er heute an ein weiteres Wetterereignis, das sich vor fast genau 40 Jahren in das Gedächtnis vieler Menschen einprägen sollte: Zum Jahreswechsel 1978/1979 rollte eine ungewöhnliche Kältewelle auf Deutschland zu, in deren Folge es schließlich zu einer Schneekatastrophe kam, die das öffentliche Leben für Tage lahm legte.

Der Beginn

Zum 28. Dezember 1978 lag bei hohem Luftdruck über Skandinavien und tiefem Druck über dem Rheinland eine scharfe Luftmassengrenze mehrere Tage lang über der Ostsee. Die Grenze trennte sehr milde, feuchte Luft im Süden von arktischer Polarluft mit Temperaturen von teilweise unter minus 40 Grad Celsius (°C). Nach anhaltenden heftigen Schneefällen kam schließlich am 30. Dezember die Polarluft Richtung Alpen voran.

Die original Wetterkarte zeigt den Auftakt zum Katastrophenwinter vor 40 Jahren. Bild: Deutscher Wetterdienst (DWD).

Die original Wetterkarte zeigt den Auftakt zum Katastrophenwinter vor 40 Jahren. Bild: Deutscher Wetterdienst (DWD).

 

Während in Baden-Württemberg und Bayern anfangs noch Biergartenwetter herrschte, gab es nur 100 Kilometer nördlich der Luftmassengrenze Glatteisregen und heftige Schneefälle bei tiefem Frost. In Hof und Weiden fiel die Temperatur innerhalb 24 Stunden um 28 Grad. Die Küstenbereiche an Nord- und Ostsee litten tagelang unter Nordoststurm, Hochwasser und weiteren Schneefällen. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze kam es zu Schneeverwehungen bis zu sechs Metern Höhe.

Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst

Die Folgen

Die Auswirkungen der Kälte und insbesondere der andauernden Schneefälle waren vor allem in Nord- und Ostdeutschland gravierend. Der Straßen- und Eisenbahnverkehr kam zum Erliegen. Rund 150 Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Versorgung aus der Luft war wegen des starken Sturmes zunächst nicht möglich. Strom- und Telefonnetze fielen aus. Räumfahrzeuge blieben stecken – Panzer von Bundeswehr bzw. Nationaler Volksarmee versuchten, stecken gebliebene Züge und Hilfesuchende zu erreichen. Viele der Inseln waren auf sich selbst gestellt. In der Bundesrepublik starben in der Kälte 17 Menschen. Zahllose Rinder, Schweine und Hühner verendeten. Die Schäden überstiegen 140 Millionen D-Mark. In der damaligen DDR starben mindestens fünf Menschen.

Einordnung des Winters 1978/1979

Für große Teile Europas leitete die Wetterlage zum Jahreswechsel 1978/79 einen langen, kalten und schneereichen Winter ein. Die geschlossene Schneedecke hatte großen Anteil an weiteren Kältewellen über Nord- und Nordosteuropa, beispielsweise Mitte Februar 1979 mit neuen Schneefällen von 60 bis 80 cm Höhe in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst

Vergleichbar harte Winter gab es 1928/29, 1962/63 sowie 1984/85 und zuletzt 1986/87. Mit 67 Tagen geschlossener Schneedecke, nämlich vom 28. Dezember 1978 bis 4. März 1979, ist dieser Winter nur mit dem Nachkriegs-Hungerwinter 1946/47 vergleichbar.

Hinweis zu den Fotos

Die im Artikel verwendete Bilderstrecke stammt von der Wetterwarte Neubrandenburg. Trotz Temperaturen um minus 15 Grad Celsius, stürmischen Böen und meterhohen Schneeverwehungen arbeiteten die Wetterwarten in Deutschland zum Jahreswechsel 1978/1979 ohne Ausfall. Jede Stunde waren die Wetterbeobachter im Messfeld, notierten Messdaten und meldeten die Ergebnisse an die Zentrale. Dazu mussten die Instrumente immer wieder ausgegraben und vom Schnee befreit werden.

(red)

Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst

Foto: Roland Schädlich | Deutscher Wetterdienst




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