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Arbeitgeber verweigern Überstunden-Zuschlag

Jeden Euro zweimal umdrehen? Wenn die Friedenpflicht der Gebäudereiniger endet, müssen sich die Unternehmer warm anziehen. Foto: IG BAU
Jeden Euro zweimal umdrehen? Wenn die Friedenpflicht der Gebäudereiniger endet, müssen sich die Unternehmer warm anziehen. Foto: IG BAU

Region. Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen – alles geregelt. Jetzt aber wird der Job für die insgesamt 800 Reinigungskräfte im Schwalm-Eder-Kreis zur Wackelpartie.

Unternehmerische Willkür

Der Grund: Die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt. Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert das scharf: „Die Reinigungskräfte hängen damit völlig in der Luft. Die 19 Reinigungsfirmen im Schwalm-Eder-Kreis können ihnen quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordhessen, Klaus Michalak. Die Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.

Gewerkschaft zeigt sich verärgert

Die IG BAU nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure ‚Lohn-Geiz‘“, so Michalak. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit-Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor. Nachdem das Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart für ihr Geld arbeiten müssen“, sagt Klaus Michalak verärgert.

Überwiegend Minijobs

Überstunden seien in der Gebäudereinigung an der Tagesordnung – und Teilzeitjobs gang und gäbe: Im Schwalm-Eder-Kreis arbeiten 730 Gebäudereinigerinnen und Fensterputzer in Teilzeit, 305 davon lediglich mit einem Minijob.

Arbeitgeber verweigern Verhandlungen

Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit langem, so die IG BAU Nordhessen. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. – Und das sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Klaus Michalak. Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU Nordhessen nun „extremen Unmut unter den Beschäftigten – auch im Schwalm-Eder-Kreis“.

Treue müsste belohnt werden

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft pocht beim Bundesinnungsverband schon lange darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt, Berufserfahrung honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie die generelle Einführung von Weihnachtsgeld“, so Michalak.

Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit in der Branche einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal wechsele, fordert die IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern von Fachkräften und damit der Verlust von Branchen-Know-how stoppen.

Unternehmer sägen am eigenen Ast

„Die Arbeitgeber haben dies aber bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Klaus Michalak. Im Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig. „Die Unternehmer riskieren viel. Sie sägen am eigenen Ast, indem sie faire Rahmenbedingungen für die Arbeit und damit das Vertrauen und den Teamgeist aufs Spiel setzen“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Wut der Beschäftigten wird wachsen

Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli. „Bis dahin wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch im Schwalm-Eder-Kreis“, kündigt Michalak an.

(red)



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