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Amüsante Achterbahn & familiäres Minenfeld

»Willkommen im Wunder Park«. Foto: nh
»Willkommen im Wunder Park«. Foto: nh

Melsungen. Am 19. Juni werden wieder zwei fantastische Kinofilme in der Stadthalle gezeigt, Willkommen im Wunder Park und Monsieur Claude 2. Danach geht das Stadthallenkino in die Sommerpause.

Kinderfilm »Willkommen im Wunder Park«

Der von Nickelodeon produzierte 3D-Animationsfilm »Willkommen im Wunder Park« ist eine ebenso unterhaltsame wie tiefschürfende Achterbahnfahrt, bei der ein kleines Mädchen mit der Krankheit der Mutter fertig werden muss und zugleich ein Fantasy-Abenteuer im Wald erlebt. Eintritt: 5,00 € an der Tageskasse; Beginn: 16.00 Uhr

»Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut«

Es handelt sich um die Fortsetzung der turbulenten Geschichte um die bunt gemischte Familie Claude. Freuen dürfen sich die Cineasten wieder auf jede Menge Witz, Provokationen, zynische Kommentare, aber auch ganz viel Sentimentalität. Eintritt: 7,00 € an der Tageskasse; Beginn: 19.30 Uhr.

Rezensionen von Peter Osteried und Luitgard Koch:

»Willkommen im Wunder Park«

Der von Nickelodeon produzierte 3D-Animationsfilm »Willkommen im Wunder Park« ist eine ebenso unterhaltsame wie tiefschürfende Achterbahnfahrt, bei der ein kleines Mädchen mit der Krankheit der Mutter fertig werden muss und zugleich ein Fantasy-Abenteuer im Wald erlebt. Temporeich inszenierte Action und aufrichtige Emotionen gehen bei der Hymne auf die kindliche Fantasie Hand in Hand. Die hübsche deutsche Synchronfassung wurde unter anderem von Lena Meyer-Landrut, Faisal Kawusi und dem Comedy-Duo Lo & Leduc eingesprochen.

June liebt es, mit ihrer Mutter neue Attraktionen für das Wunderland zu ersinnen. Das ist der tollste Vergnügungspark, der Welt, in der Junes Stofftiere zum Leben erwachen und die Besucher unterhalten, während der Affe Peanut Tag für Tag neue Attraktionen ersinnt – die ihm Junes Mutter ins Ohr flüstert. Doch als Junes Mutter schwer krank wird und sich in stationäre Behandlung begeben muss, verdüstert sich das Gemüt des kleinen Mädchens. Das Wunderland, das ihr bisher so viel Freude bereitete, erinnert sie nun nur noch daran, allein zu sein. Sie gibt es auf, doch damit gibt sie das Wunderland auch der Vernichtung preis. Als es June dann per Zufall ins Wunderland verschlägt, muss sie erkennen, dass sie die Dunkelheit bekämpfen muss – und das nicht nur um des Wunderlands Willen, sondern auch für ihre Mutter, die es so sehr liebt.

Nickelodeon nutzt diesen Film auch als so etwas wie ein Pilotprojekt, denn unabhängig davon, wie er an der Kinokasse abschneiden wird, hat man auch schon eine Animationsserie in Auftrag gegeben, die Ende des Jahres ausgestrahlt werden soll. Wirklich Sorgen muss man sich wohl nicht machen, dass der Film sein Publikum nicht finden könnte, denn die phantasievolle Geschichte ist eine seltene Perle. Ein Film, der nicht nur die Kleinsten unterhält, sondern auch etwas für die Großen bietet. Fans der Sängerin Lena Meyer-Landrut werden sich hier auch angesprochen fühlen. Sie leiht June ihre Stimme und trifft genau die richtige, quirlige Note. Dazu sind auch zwei Songs zu hören. Für Lena dabei ungewöhnlich: Sie singt deutsch.

Denn »Willkommen im Wunder Park« ist ein tatsächlich sehr vielschichtiger Film, der auf geradezu spielerische Art und Weise mit den Verlustängsten umgeht, die ein Kind hat, wenn seine heile Welt angegriffen wird. Hier ist es die plötzliche Krankheit der Mutter, die weder June noch dem Zuschauer wirklich erklärt wird. Man nimmt als Zuschauer die Position des Mädchens ein, da man Kindern in solchen Situationen selten die volle Wahrheit sagt. Als erwachsener Rezipient kann man aber schon an dem Aussehen der Mutter sehen, dass es um eine schwere, potenziell tödliche Krankheit geht. Dass es dennoch zum Happyend kommt, mag zwar unglaubwürdig und kitschig erscheinen, ist im Kontext des Films aber nur folgerichtig.

Beeindruckend ist die Geschichte ohnehin, denn die Dunkelheit, die sowohl das Mädchen ergreift als auch das Wunderland bedroht, ist im Grunde etwas gänzlich anderes. Metaphorisch ist es ein amorphes Monster, das die Welt zu verschlucken droht, in Wahrheit ist es eine Depression, die von der kleinen June Besitz ergreift. Sie zieht sich immer weiter zurück, sie wird verschlossen, sie ist in sich gekehrt und sie findet nicht zu ihrem Licht zurück. Zumindest anfangs, denn die eigentliche Geschichte ist natürlich, wie June diese Düsternis überwindet und wieder Hoffnung schöpft.

Das ist gerade für einen Animationsfilm ein schweres und ernstes Thema, vor dem die meisten Konkurrenzprodukte Reißaus nehmen würden. Aber „Willkommen im Wunder Park“ verpackt diese Geschichte in einer phantasievollen Umsetzung, die den Kindern etwas Profundes vermittelt, ohne dass es sie damit überfordern würde. Oberflächlich ist dies nur ein knallbuntes Abenteuer mit wundervollen Figuren, darunter kommt jedoch ein vielschichtiges Juwel zum Vorschein, das »Willkommen im Wunder Park« schon jetzt zu einem der besten Animationsfilme des Jahres macht.

(Peter Osteried)

USA 2019, Animationsfilm, Regie: Josh Applebaum, André Nemec, Robert Gordon, Stimmen: Lena Meyer-Landrut u.a., Länge: 85 Minuten, ab 0 J.

»Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut« Foto: nh
»Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut« Foto: nh

»Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut«

Vor vier Jahren avancierte sie zum Publikumshit: Die schwarzhumorige, französische Familienkomödie über einen bourgeoisen Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs, den seine Töchter Toleranz lehren. Nicht immer können Fortsetzungen an solche Erfolge nahtlos anknüpfen – hier schon: Regisseur Philippe de Chauveron zündet mit seinem turbulenten Sequel des Culture-Clash-Streifen erneut ein Feuerwerk an pointiertem Witz und erfrischender, schonungsloser Provokation.

Hauptdarsteller und Publikumsliebling Christian Clavier als „old school“-Repräsentant zwischen Zynismus und Lebenslust, bestens besetzte Nebenrollen, genaues Timing und eine verblüffende Leichtigkeit trotz des brisanten Themas machen diese charmant-bissige gesellschaftliche Gratwanderung zum idealen „Gute-Laune-Film“.

Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ihre vier attraktiven Töchter multikulturell geheiratet haben. Doch ihr beschauliches Leben in der französischen Provinz ist freilich nicht mehr ganz so wie früher. Denn die Heimatländer ihrer internationalen Schwiegersöhne warten schon auf sie. Und so rafft sich das großbürgerliche, konservative Paar zu einer Rundreise auf. „Ich halt´s nicht mehr aus Claude“, jammert Marie freilich völlig entnervt auf dem Rückflug in die Heimat. Und auch Claude hat sein Landleben bitter vermisst.

„Riechst du nicht die Kuhfladen“, schwärmt der betuchte Notar und lässt den erstaunten Taxifahrer vor einer satten grünen Weide mit Rindern anhalten, bevor das Paar wieder in ihrer herrschaftliche Loire-Villa ankommt. „Endlich leb ich wieder“, glaubt er. Aber ihr Großelterndasein birgt immer noch genügend Fallstricke. Denn Familientreffen sind nach wie vor interkulturelle Minenfelder. Und so sorgt sich Marie zu recht, was sie über ihre Reise erzählen sollen.

„Die Ankunft am Flughafen Tel Aviv werde ich nie vergessen, vier ganze Stunden Leibesvisitation“, plaudert das lokalpatriotische Familienoberhaupt dann doch völlig ungeniert während des gemeinsamen Essens. „Ich dachte schon die beschneiden mich“. Sein jüdischer Schwiergersohn David (Ary Abittan) versucht keine Miene zu verziehen. „Ich bin ab sofort gegen politische Korrektheit“, unterstützt dagegen Chao (Frédéric Chau) seinen Schwiegervater. Und schon gerät das fragile Gleichgewicht ins Wanken. Aber das ist noch nicht alles. Denn der wirkliche Schock steht ihnen noch bevor.

Denn ihre Töchter sind immer für Überraschungen gut. „Offen gestanden haben Odile (Julia Piaton) und ich beschlossen, dass wir nach Israel gehen“, bekennt David. Und es kommt noch schlimmer. Auch ihre anderen Töchter wollen mit Kind und Kegel auswandern. „Was haben wir Gott nun jetzt wieder angetan“, verzweifelt Marie am Abend nach diesen Eröffnungen. Mit extensivem Nordic-Walking versucht sie ihren Frust zu bekämpfen. Und Claude glaubt in seinen Ruhestand als Schriftsteller noch einmal durchzustarten.

Aber abfinden will sich das Paar mit diesem Mini-Exodus dann doch nicht. Schließlich kann nicht alle mühevolle kosmopolitische Anstrengung umsonst gewesen sein. Und so hecken die beiden schlitzohrig einen tollkühnen Plan aus, um das Blatt noch zu wenden. Als Claude dann mit einer Riesenportion Schadenfreude diesmal seinen afrikanischen Gegenschwager André Koffi (Pascal Nzonzi) bei einer Zerreißprobe in Sachen Toleranz erleben darf, ist ihm das freilich eine Genugtuung. Denn auch dessen Tochter Viviane (Tatjana Roja) überrascht ihre Eltern mit einer unkonventionellen Hochzeit.

Der kongolesische Schauspieler zeigt sich als grandioser Komödiant, der vor nichts zurückschreckt und sich somit zum idealen Gegenspieler für Christian Clavier entwickelt. Und so können sich die Zuschauer mit Hauptdarsteller und Publikumsliebling Christian Clavier als „old school“-Repräsentant zwischen Zynismus und Lebenslust, bestens besetzten Nebenrollen, genauem Timing und einer verblüffenden Leichtigkeit, trotz des brisanten Themas, auf eine charmant-bissige gesellschaftliche Gratwanderung freuen. Definitiv ein idealer „Gute-Laune-Film“, den sich niemand entgehen lassen sollte.

(Luitgard Koch)

Frankreich 2018, Regie: Philippe de Chauveron, Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Frédérique Bel, Julia Piaton. Emilie Caen, Èlodie Fontan, Ary Abittan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noam Diawara, Pascal Nzonzi, Salimata Kamate, Tatjana Roja, Claudia Tagbo., Länge: 105 Minuten, ab 0 J.

(red)



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