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Geschäftserfolg nur mit Digitalisierung

Sybille von Obernitz. Foto: IHK
Sybille von Obernitz. Foto: IHK

Region. Die IHK hat 123 regionale Firmen befragt. Digitalisierung entscheidet über den Geschäftserfolg, das Know-how entpuppt sich als Engpass, der Breitband-Ausbau hat hohe Priorität.

Qualifikation ist das A und O

Knapp 84 Prozent der Unternehmen in Nordhessen und dem Altkreis Marburg messen der Digitalisierung eine große, wenn nicht sogar zentrale Bedeutung bei. Allerdings hapert es an den Voraussetzungen, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ergeben hat. Verfügbare Fachkräfte mit dem entsprechenden Know-how entpuppen sich immer mehr als Engpass: 68 Prozent sagen, der Zugang zu Fachkräften sei „nicht besonders gut“ oder „überhaupt nicht gut“.

„Qualifizierung in der Aus- und Weiterbildung ist das A und O für eine erfolgreiche Digitalisierung“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Sybille von Obernitz. „Sie erfordert ein breites Spektrum an Maßnahmen.“ Dazu zählten ein frühzeitiges Heranführen von Schülern und Auszubildenden an Digitalthemen, das Anpassen von Berufsausbildung und Studiengängen an digitale Erfordernisse bis hin zum Aufbau von zielgerichteten Weiterbildungsangeboten. „Als IHK sehen wir uns in der Pflicht, entsprechende Qualifizierungsangebote mit zu entwickeln, voranzutreiben und umzusetzen“, ergänzt von Obernitz.

Kaufleute für E-Commerce

Beispielsweise habe die IHK dabei geholfen, den noch jungen Ausbildungsberuf „Kaufleute für E-Commerce“ in der Region zu etablieren, und im vergangenen Herbst einen Leuchtturm-Kongress zur digitalen Bildung realisiert – für dieses Jahr sei eine Neuauflage geplant. Darüber hinaus seien Weiterbildungsangebote im Aufbau, wie etwa zur Fachkraft Industrie 4.0 oder zum 3D-Druck (Metall).

Digitales Potenzial in der Produktion wird unterschätzt

Neben den Köpfen entscheiden laut IHK die Datenanbindungen über den Erfolg des Unternehmens und des Wirtschaftsstandorts. 85 Prozent der befragten regionalen Firmen räumen dem Ausbau der Breitband-Infrastruktur eine zumindest hohe Priorität ein. Aktuell bewertet jeder zweite Betrieb den Zugang zu jener noch als „gut“ bis „sehr gut“. Mit Blick auf 5G und unversorgte Gebiete im ländlichen Raum hält die IHK-Hauptgeschäftsführerin fest: „Ein beschleunigter Zugang zu hinreichend schnellem Internet ist unabdingbar, um Geschäftsprozesse digitalisieren zu können.“

Überrascht habe sie, dass nach Einschätzung der Unternehmen die Digitalisierung in der Produktion mit 14,6 Prozent als eher unbedeutend angesehen werde. Die Segmente Vertrieb, Beschaffung und Logistik seien für die Befragten relevanter.

Wie kommt die digitale Transformation voran?. Die Mehrzahl der nordhessischen Unternehmen nutzt noch keine digitalen Produktionsprozesse. Foto: Gerd Altmann | Pixabay
Wie kommt die digitale Transformation voran?. Die Mehrzahl der nordhessischen Unternehmen nutzt noch keine digitalen Produktionsprozesse. Foto: Gerd Altmann | Pixabay

Digi-Zuschuss Hessen

Hinsichtlich der erforderlichen Ressourcen mangelt es laut der IHK-Digitalumfrage in den regionalen Unternehmen vor allem an persönlichen und zeitlichen Ressourcen (66 Prozent). Die größte Notwendigkeit für Unterstützungsangebote wird bei Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen gesehen. „Es bedarf staatlicher Fördermaßnahmen, die geeignet sind, Digitalisierungsprojekte insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen in Gang zu setzen“, resümiert Sybille von Obernitz. Als wichtiges Instrument habe sich der sogenannte Digi-Zuschuss Hessen erwiesen.

Wissenschaftliches Potenzial bleibt ungenutzt

Handlungsbedarf sieht die Kammer bei regionalen Händlern, Dienstleistern und Industriebetrieben vor allem im Digitalisieren von Geschäftsprozessen, dem Ausbau technologischer Kompetenzen sowie in der Innovationsfähigkeit. Kooperationen gehen Firmen eher mit Beratern, Lieferanten und Kunden ein. Am stärksten arbeiten sie mit IT-Unternehmen zusammen. Das Potenzial von Hochschulen oder Forschungsinstituten nutzt das Gros hingegen nicht (59 Prozent). „Kooperationen in diesem Bereich stellen einen großen Hebel gerade für kleine Mittelständler dar, um effizient und kostengünstig Digitalisierungspotenziale zu heben“, wirbt von Obernitz. Regionale Kammern, Verbände, Wirtschaftsförderer und das Regionalmanagement böten Plattformen für einen Austausch an.

Fortbildung ist gefragt

Abwechslungsreiche Informationsangebote gehörten ebenfalls zum Produktportfolio. Gefragt sind laut Umfrage „Branchenspezifische Informations- und Vernetzungsveranstaltungen“, „Weiterbildungsangebote zu digitalen Technologien (z.B. Cloud, Big Data, Social Media)“ sowie „Informations- und Beratungsangebote zu IT-Sicherheit und Datenschutz“.

Eine solche Veranstaltung findet am 6. Februar statt. Die hessische Staatsministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus wird in Kassel zu Gast sein, um Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Digitalisierung der regionalen Wirtschaft aufzuzeigen. Eingeladen hat die IHK Kassel-Marburg in Kooperation mit der IKT-Region Nordhessen, zu der das Regionalmanagement, das IT-Netzwerk, der Science Park Kassel, die regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften und die Handwerkskammer gehören.

http://www.ihk-kassel.de/digitalisierung



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