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Wenn dem Mops die Luft wegbleibt …

Kurzer Kopf und platte Nase. Beim Mops führt solche Überzüchtung häufig zu lebensbedrohlichen Atemproblemen. Foto: H.B. | Pixabay
Kurzer Kopf und platte Nase. Beim Mops führt solche Überzüchtung häufig zu lebensbedrohlichen Atemproblemen. Foto: H.B. | Pixabay

Beuern. Jeder Tierheimmitarbeiter möchte ein gutes Zuhause für alle seine Schützlinge finden. Umso trauriger ist es, wenn die Nachricht eintrifft, dass eines dieser Tiere wieder zurückgebracht werden muss.

Viele Gründe für neue Bleibe

Die Anschaffung eines Tieres sollte wohl überlegt sein. Womöglich kann die gemeinsame Zeit bei weitaus mehr als 10 Jahren liegen. Dieser Verantwortung sollte man sich vorher bewusst sein. Doch leider gibt es Umstände im Leben, die es nicht möglich machen, sein geliebtes Tier weiter zu verpflegen und ihm ein Zuhause zu bieten. Es gibt eine Vielzahl an Gründen, die dafür sprechen, ein neues Zuhause für sein Haustier zu suchen.

„Für uns ist in solchen Situationen klar, dass unseren ehemaligen Schützlingen immer eine Tür offensteht“, sagt Tierheimsprecherin Tatjana Rippel. „Wir stehen mit Rat und Tat zur Verfügung, versuchen Alternativen und Lösungen für Tier und Besitzer zu finden, und falls es zu dem Entschluss kommt, dass ein neues zu Hause gefunden werden muss, nehmen wir das Tier auch wieder in unsere Obhut.“

Zuchtbedingte Gesundheitsprobleme

So fand auch Kolja den Weg zurück ins Tierheim Beuern. Über das Veterinäramt kamen 2017 auch zwei zwei französische Bulldogen Weibchen mit ihren insgesamt 16 Welpen im Alter von nur wenigen Tagen an. Alle 18 Franzosen wurden erfolgreich vermittelt. Doch Kolja und sein 10 Jahre alter Kumpel Karlchen hatten dieses Glück leider nicht. Ihre Familie konnte die beiden nicht mehr artgerecht versorgen.

Schon als Welpe hatte Kolja sehr große Probleme durch die Nase zu atmen. Dies hat sich als erwachsener Hund leider nicht geändert. Selbst für gestandene Tierpfleger*innen ist es immer schwer, mit anzusehen, wenn sich in so jungen Jahren bereits gesundheitliche Probleme abzeichnen, die das Tier beispielsweise allein aufgrund der rassebedingten Zucht erleiden muss.

Kurzer Kopf kann Atmung stören

Viele der kurzköpfigen Hunderassen wie z.B. die französische und englische Bulldogge, der Mops oder der Boston Terrier, haben ein sehr liebenswertes Wesen. Hinzu kommt, dass sie aufgrund der Proportionen des Kopfes und der Augen dem Kindchenschema entsprechen und dass dadurch eine große und zunehmende Beliebtheit von diesen Rassen ausgeht.

Leider geht die zuchtbedingte Verkürzung des Gesichtsschädels mit erheblichen Problemen für diese Hunde einher: Durch die Deformation des Kopfes ist der obere Atemtrakt der Tiere so stark verändert, dass es bei den meisten Hunden früher oder später zu erheblichen Atemnotproblemen kommt. Diese können sich wie folgt äußern:
• lautes Schnarchen im Schlaf und Wachzustand
• Kurzatmigkeit
• anhaltende Erkältungssymptomatik, vermehrte Schleimbildung
• Belastungsintoleranz
• Würgen oder Erbrechen während oder nach Belastung
• schnelle Überhitzung insbesondere im Sommer
• Schlafstörungen ähnlich der Schlafapnoe des Menschen
• blaue Zunge
• Kollaps
• plötzlicher Erstickungstod

Ohne Geruchssinn keine Status-Information

Nicht nur die gesundheitlichen Probleme machen diesen Hunderassen zu schaffen: Durch die Verkürzung der Nasenhöhle wird die Riechfunktion der Nase stark beeinträchtigt. Eine Dimension, die sich dem Menschen völlig entzieht, ist die Kommunikation über Gerüche. Hunde jedoch geben wichtige Informationen über Gerüche weiter. Auf diese Weise erfahren sie in Sekundenschnelle alles über das Alter und Geschlecht, den Status, die Gesundheit oder die momentane Stimmung des anderen.

Für die oben erwähnten Hunderassen ist es allerdings unheimlich schwer durch Mimik, Körpersprache und Geruch mit ihresgleichen zu kommunizieren und Konfliktsituationen aufzulösen. So entstehen häufig Situation die vom Gegenüber missverstanden werden.

Operativ mehr Luft verschafft

Tatjana Rippel: „Im Fall von Kolja und Karlchen war uns klar, dass wenn sie ein schönes, möglichst gesundes und langes Leben haben sollen, wir den Weg einer Operation gehen müssen. Der tierärztliche Rat war eine Nasenlocherweiterung bei beiden Tieren und bei Kolja sollte zusätzlich eine Gaumensegelverkürzung von Vorteil sein. Da wir unseren Schützlingen den bestmöglichen Start in ein neues Leben ermöglichen wollen und eine solche Verantwortung gegenüber dem Tier nicht einfach auf andere abwälzen, ist es für uns selbstverständlich, dass wir die Operationen vornehmen werden.“

Happy End im neuen Zuhause

Für beide Hunde ergab der zwar relativ kurze, aber sehr ereignisreiche Tierheimaufenthalt ein Happy End, denn die zwei Kumpel haben ihre Operationen sehr gut überstanden und schließlich ein sehr tolles Zuhause gefunden, in dem sie zusammen ihr Leben genießen können. „Wir wünschen den beiden Jungs und ihrer neuen Familie auf diesem Weg alles Gute“, freut sich die Tierheimsprecherin über die Vermittlung ihrer Schützlinge.

(red)



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