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„Gebt nie auf, auch wenn es Tiefschläge gibt!“

Radprofi John Degenkolb (2.v.li.) als Stargast beim Teamtreffen der MT Melsungen, hier mit MT-Regio-Team- Urgestein Axel Hauschke (li.), dem Sportlichen Leiter Dieter Vaupel mit dem Pflasterstein-Pokal und Eiko Berlitz, der in diesem Jahr die meisten Siege für das MT-Team einfahren konnte. Foto: Juliane Laabs

Melsungen. Das war die Botschaft, die John Degenkolb, einer der großen deutschen Radstars des vergangenen Jahrzehnts, den Radsportlern der MT Melsungen mit auf den Weg gab. Degenkolb war am Donnerstag Ehrengast bei der Präsentation des MT-Radteams vor Sponsoren und Gästen auf Einladung der Kreissparkasse Schwalm-Eder.

40 Lizenzradsportler vom Schüler- und Jugendteam über das Herren- und Damenteam stellten sich auf der Bühne im rot-schwarzen Outfit gemeinsam mit dem Oberurseler Radprofi vor.

Wie wichtig es ist, nicht aufzugeben, das konnte Degenkolb in einem spannenden Interview, das der Sportliche Leiter Dieter Vaupel mit ihm führte, an seiner eigenen bewegten Karriere belegen. „Nachdem ich im Jahr 2011 meinen ersten Profi-Vertrag erhielt ging es zunächst immer steil bergauf“, so Degenkolb.

„Dege“ kam ganz oben an

Top-Platzierungen bei den Frühjahrsklassikern und der viel umjubelte Sieg bei seinem Heimrennen Frankfurt-Eschborn beflügelten Degenkolbs Karriere. „Das hat mich als jungen Radsportler ungeheuer motiviert und weitere Erfolge fast automatisch nach sich gezogen“, sagte er.

Es folgten international bedeutsame Siege, darunter fünf Etappensiege bei seiner ersten Gandtour, der Vuelta, ein Etappensieg beim Giro d’Italia und beim Frühjahrklassiker Paris-Tours. Der Höhepunkt in der Karriere des Klassiker-Spezialisten sei das Jahr 2015 mit dem Gewinn der zwei Monumente Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix gewesen. „Dege“, wie er von seiner großen Fangemeinde genannt wird, war ganz oben angelangt, war einer der Superstars des Radsports.

Nach Unfall zu schnell auf die Beine gekommen

„Dann kam der tiefe Absturz mit meinem Unfall im Januar 2016.“ Eine Autofahrerin war in Spanien frontal in Degenkolbs Trainingsgruppe gefahren. Nach schwerer Verletzung brauchte die Regeneration Monate. „Aber an aufhören habe ich nie gedacht. Ich war nach den Erfolgen so im Flow, dass ich unbedingt schnell wieder auf die Beine kommen wollte!“ Zu schnell, wie sich bald zeigte. „Ich wollte einfach zu viel.“

Der Weg zurück sei lang und steinig gewesen. Heute er könne er, mit zeitlicher Distanz zu den Ereignissen, einen weiteren Ratschlag geben: „Wenn euch ein Tiefschlag erwischt, lasst euch Zeit!“ wandte er sich an die MT-Radsportler, aber auch an die übrigen Gäste. Ganz wichtig seien auch gute Freunde und die Familie, um aus dem Loch wieder herauszukommen.

Die hatte Degenkolb, und so folgte dann nach langem Kampf und sechs zweiten Etappenplätzen bei der Tour de France endlich der lang ersehnte Sieg. Und das ausgerechnet abermals in Roubaix. Ein Befreiungsschlag für ihn, der viele Emotionen freigesetzt habe.

Besonderheit am Karriere-Ende

Heute sei seine Rolle im holländischen Team DSM eine andere. Er könne jetzt mit seiner Erfahrung punkten, sei nun in der Rolle Roadcaptain und soll die jungen Fahrer bei ihrer Entwicklung unterstützen. Im Peloton sei er der verlängerte Arm des Sportlichen Leiters.

Und dennoch hat Degenkolb auch als 34-Jähriger noch eigene Ambitionen, will Siege und Top-Platzierungen einfahren. Bei den Klassikern im Frühjahr kann er mit der Unterstützung seines Teams rechnen. So wie in diesem Jahr, als er dann aber kurz vor Ende seines Lieblingsrennens Paris-Roubaix in der Spitzengruppe legend unglücklich mit dem späteren Sieger Mathieu van der Poel kollidierte und stürzte.

Auch danach rappelte er sich wieder auf und kam als Siebter, umjubelt wie der Sieger, ins Ziel. Zwei Jahre will er auf alle Fälle noch dranhängen. Auch die Olympischen Spiele hat der Oberurseler im Visier. „Etwas ganz Besonderes zum Ende meiner Karriere.“

Foto- und Signierstunde

Auch an die Jüngsten im MT-Trikot, wie den neunjährigen August Horchler, wandte sich Degenkolb: „Genauso wie ihr habe ich auch mal angefangen, in einem kleinen Verein in Bayern. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so weit nach oben komme.“ Es sei wichtig Ziele zuhaben, nur dann könne man etwas schaffen. „Aber bei aller Begeisterung für den Radsport, denkt immer auch daran, dass noch andere Dinge braucht die euer Herz erfreuen.“

Am Schluss der Veranstaltung waren Gäste uns Sponsoren begeistert von Degenkolbs ehrlichem, authentischem Auftreten Er stellte sich nicht nur allen Fragen aus dem Publikum, sondern schrieb auch noch lange nach dem Ende der Veranstaltung geduldig Autogramme auf mehr als 100 MT-Trinkflaschen, und er stand, immer freundlich lächelnd, für Fotos mit den Gästen zur Verfügung. Meist natürlich gemeinsam mit dem Pflasterstein-Pokal vom größten Sieg seiner Karriere. Den wollte jeder mal gerne in der Hand halten …

(Dr. Dieter Vaupel)



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