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Stadtentwicklung statt Blechlawinen

Melsungen. Die Forderung, die Fußgängerzone in Melsungen eventuell ganztägig für den Kfz-Verkehr zu öffnen, stößt bei Bündnis 90/Die Grünen auf scharfe Kritik. „Das wäre ein Rückschritt in die 1970er-Jahre und würde die Innenstadt mit Parkplatzsuchverkehr und Abgasen fluten“, warnt Christiane Rößler, Magistratsmitglied der Stadt Melsungen.

Eine längere Öffnungszeit für den Innenstadtverkehr wäre nach Rücksprache mit dem Einzelhandelsverband statt bisher 10.00 Uhr bis 11.00 Uhr vorstellbar. Auch ein kleiner Bürgerbus, der direkt Ziele anfährt sei denkbar.

Projekte, die Leben schaffen

Statt kurzsichtiger Lösungen braucht es nach Rößlers Worten ein konsequentes Umdenken. „Melsungen muss als Netzwerkstadt gedacht werden mit Orten der Begegnung, gezielter Förderung inhabergeführter Geschäfte und einer Stärkung des sanften Tourismus.“

Die Grünen schlagen vor, leerstehende Immobilien wie ein altes Fachwerkhaus in der Innenstadt langfristig anzumieten oder zu kaufen, um dort dauerhaft einen multifunktionalen Versammlungsraum einzurichten etwa für Veranstaltungen, private Feiern, Co-Working, Kochkurse oder als Treffpunkt für sonstige Aktivitäten. „Solche Projekte schaffen Leben in der Stadt und stärken die lokale Identität“, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. Das auf Zeit ausgelegte Projekt „Kpt. Co.“ in der Brückenstraße habe gezeigt, dass es funktioniert.

Zudem solle Melsungen seine touristischen Potenziale nutzen. Die Region eigne sich ideal für Rad- und Wandertourismus, etwa durch Kooperationen mit dem DAV und Hotels. „Unsere Berge sind moderater als die Alpen und das ist ein Unterscheidungsmerkmal, das wir vermarkten müssen“, betont Rößler.

Kein gut angelegtes Geld

Kritik üben die Grünen am nach ihrer Ansicht zurzeit favorisierten Gießkannenprinzip, das neu gegründeten Geschäften pauschal die Hälfte der Miete, maximal 500 € mtl. für ein Jahr erstattet. „Das ist kein gut angelegtes Geld“, sagt Hellen Bockskopf, Spitzenkandidatin der Bündnisgrünen für die Kommunalwahl 2026. „Stattdessen brauchen wir gezielte Förderung, etwa auch durch Zuschüsse für Ladeneinrichtungen, wie es Witzenhausen erfolgreich vormacht.“ Auch die bestehende Gastronomie müsse stärker eingebunden werden. „Wir haben gute Restaurants und Hotels. Lasst uns sie als Aushängeschilder nutzen!“

Grüne fürchten Lärm und schlechte Luft

Die Debatte um die Zukunft der Melsunger Innenstadt entzündete sich an einem Antrag der FWG-Fraktion, die Fußgängerzone für den Autoverkehr eventuell zu öffnen. Die Grünen Melsungen warnen vor den Folgen: Mehr Lärm, schlechtere Luft und eine Abwertung des öffentlichen Raums.

Stattdessen plädieren sie dafür endlich das für viel Geld erstellte, integrierte Stadtentwicklungskonzept, das Mobilität, Tourismus und lokale Wirtschaft verknüpft, umzusetzen.

Bündnis 90/Die Grünen
red



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