Neues Leben für alte Häuser
Schwalm-Aue. Leerstehende Häuser, ungenutzte Scheunen oder Baulücken mitten im Ort – es schlummert wertvolles Potenzial in der Region. Wie sich daraus neuer Wohnraum entwickeln lässt, zeigt mit Sonja Pauly im Interview Architekt Johannes Biskamp, der im Auftrag der LEADER-Region Schwalm-Aue kostenlose architektonische Erstberatungen für Immobilieneigentümer in den Kommunen der LEADER-Region Schwalm-Aue anbietet.
❓ Herr Biskamp, warum gibt es dieses Beratungsangebot?
❗ Biskamp: Viele Ortskerne haben mit Leerständen zu kämpfen, gleichzeitig wird am Ortsrand neu gebaut. Dabei steckt gerade in bestehenden Gebäuden oft enormes Potenzial. Mit der kostenlosen architektonischen Erstberatung möchten wir Eigentümerinnen und Eigentümern eine erste Orientierung geben und dazu ermutigen, sich mit ihren Immobilien auseinanderzusetzen. Es geht darum, unsere Dörfer lebendig zu halten, Flächen zu sparen und die Baukultur zu bewahren.
❓ An wen richtet sich die Beratung konkret?
❗ Biskamp: Das Angebot ist für alle gedacht, die eine Immobilie oder ein Grundstück im Ortskern besitzen – egal ob bereits konkrete Pläne bestehen oder nur erste Ideen. Viele fragen sich: Lohnt sich eine Sanierung? Was kann ich aus meinem Gebäude oder mit meinem Grundstück machen? Genau hier setzen wir an.
❓ Wie läuft so eine Beratung ab?
❗ Biskamp: Ganz unkompliziert: Interessierte melden sich bei dem kommunalen Baulotsen vor Ort. Dies ist ein Mitarbeitender der jeweiligen Kommune. Anschließend vereinbaren wir einen Termin – idealerweise direkt am Objekt. In etwa einer Stunde schauen wir uns gemeinsam die Gegebenheiten an und besprechen Möglichkeiten: von Sanierung und Umnutzung bis hin zu Erweiterung oder auch Rückbau und Neubau. Auch Themen wie Energieeffizienz, Denkmalschutz, Gestaltung und Fördermittel spielen eine wichtige Rolle. Im Anschluss erhalten die Eigentümerinnen und Eigentümer auf Wunsch ein schriftliches Protokoll mit konkreten Hinweisen auf die nächsten Schritte. In der Regel verabschiede ich mich mit der Empfehlung einen Energieberater oder einen Architekten in den weiteren Prozess einzubeziehen
❓ Was macht das Angebot besonders attraktiv?
❗ Biskamp: Es ist unverbindlich, kostenlos und gleichzeitig fachlich fundiert. Viele stehen am Anfang vor großen Fragezeichen – wir helfen, diese zu klären. Oft ist es genau dieser erste Impuls, der ein Projekt ins Rollen bringt.
❓ Können Sie Beispiele aus Ihrer Beratungspraxis nennen?
❗ Biskamp: Ja, einige. So wurden eine ehemalige Baracke, ein Mühlenareal und mehrere Wirtschaftsgebäude zu Wohnungen umgenutzt, umgebaut und energetisch saniert. Aus einem ehemaligen Ferienhaus wurde dauerhafter Wohnraum. Besonders spannend finde ich ein geplantes Projekt, bei dem ein Fachwerkhaus zu sozial geförderten Wohnungen umgenutzt werden soll.
❓ Ihr Fazit in einem Satz?
❗ Biskamp: Wer eine Immobilie im Ortskern besitzt und diese sanieren oder Leerstand beseitigen möchte, sollte die Chance der architektonischen Erstberatung nutzen – es gibt viel mehr Möglichkeiten, als man zunächst denkt.
Die Personen
Johannes Biskamp ist Architekt und führt seit 2014 sein Büro – biskamp architekten – in Willingshausen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit im Bestand, der Sanierung, Umnutzung und energetischen Modernisierung von Gebäuden im ländlichen Raum. „Mir ist wichtig, alte Bausubstanz zu erhalten und zugleich zeitgemäße Wohnqualität zu schaffen“, erklärt er. In der LEADER-Region Schwalm-Aue ist er im Rahmen des interkommunalen Siedlungsmanagements als architektonischer Erstberater tätig.
Sonja Pauly ist Geschäftsführerin im Verein Regionalentwicklung Schwalm-Aue e.V. Geschäftsstelle, Tel.: 05683 5009 60/61, E-Mail: regionalentwicklung@schwalm-aue.de




