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HSG: Das Lazarett will sich nicht lichten

Gensungen/Felsberg. Das Lazarett bei der HSG Gensungen/Felsberg will sich einfach nicht lichten. Immer noch stehen vier Stammkräfte auf der Negativliste, was die Einsatzfähigkeit gegen die TSG Hassloch angeht. Mit Carsten Göbel (Reha nach Kreuzbandriss) und Stephan Untermann (Bandscheibenvorfall) ist überhaupt nicht zu rechnen, Frank Eidam (Muskelfaserriss in der Wade) gilt ebenfalls als sicherer Ausfall. Einzig bei Steffen Ober (Fersenprellung) hegte Trainer Detlef Kleinmann Anfang der Woche noch ganz leise Hoffnungen, den so dringend benötigte Halbrechten im Rückraum wieder zur Verfügung zu haben.

Wie wichtig einzelne Spieler für das Kollektiv sind merkt man bisweilen erst, wenn sie plötzlich fehlen. So ähnlich könnte man das bei Linkshänder Ober auch sehen, denn gegen Bad Blankenburg fehlte einmal mehr der notwendige Druck aus der zweiten Reihe. Nicht dass Dragos Negovan als gelernter Außenspieler auf der Halbposition eine schlechte Figur abgegeben hätte. Aber er ist nun mal keiner, der einfach mal bei neun Metern hochsteigt und damit durch bloßen Ballbesitz einen Abwehrspieler aus dem Verbund lösen kann. So fehlen automatisch auch Michael Viehmann die Räume in der Nahwurfzone, gehen viele Anspiele an den Kreis durch massierte Gegnerpräsenz schief.

Auf diese Weise kommt eins zum anderen und es entwickeln sich reine Kampfspiele wie gegen die Thüringer vor Wochenfrist. Die kosten weitaus mehr Kraft als Partien, in denen mit vergleichsweise geringem Aufwand „leichte“ Tore erzielt werden können. Und da kommt dann die Vakanz von Frank Eidam ins Spiel. Für ihn lieferte der erst 19-jährige Christian Gherhard zwar über weite Strecken eine passable Leistung als Spielgestalter ab, musste aber irgendwann einfach dem Kräfteverschleiß Tribut zollen und sah mitunter die größten Lücken in der gegnerischen Deckung nicht mehr – die Konzentration war schlicht und einfach weg.

Betrachtet man die Zusammenhänge auf dem Spielfeld aus diesem Winkel, ist der Hinweis auf die fehlenden Stammkräfte bei der HSG beileibe kein Jammern, und schon gar keine Ausrede für das wenig attraktive Spiel der Mannschaft in den letzten Begegnungen. Es zeigt aber, dass der Verlust von vier Stammspielern der letztjährigen Zweitliga-Truppe auf einen Streich nicht zu kompensieren ist. Schon gar nicht, wenn gegen den Spitzenreiter jeder Kontrahent noch mal zusätzliche Motivation mit aufs Feld bringt.

Das wird gegen Hassloch nicht anders sein, zumal auch dieser Gegner – wie Bad Blankenburg vor einer Woche – nebenbei gegen das Chaos in eigenen Reihen ankämpft. Dass angeschlagene Gegner die gefährlichsten sind ist bekannt im Sport. Und wenn man sich die Vorgänge in der Vorderpfalz genauer anschaut, dann ist fast Alarmstufe Rot angesagt für den Tabellenführer. Glaubt man den Gerüchten, steht die aktuelle Mannschaft der TSG vor dem baldigen Zerfall. Goalgetter Peter Bohunický (135/43 Tore) und Linksaußen Kevin Forler (49 Tore) stehen als Abgänge bereits fest. Schon länger nicht mehr im Kader steht Spielmacher Dalius Rasikevičius (48 Tore), der den Grün-Gelben noch im Hinspiel sieben Buden einschenkte, sich dann aber mit der Vereinsführung überwarf und vier Wochen später gegangen wurde. Nimmt man die in der Schwebe befindlichen auslaufenden Verträge von Marco Tremmel (40/4), Rüdiger Benz (49), Tim Knoll (6), Matthias Röder (51) sowie Torhüter Frank Pagel mit in die Betrachtung, denen Gerüchten zufolge allesamt Abwanderungsgedanken nachgesagt werden, bleiben Trainer Richard Schüle gerade einmal 188 von aktuell erzielten 622 Treffern zur sicheren Disposition für die kommende Spielzeit.

Ob dieser vermutlich zwangsweise folgende Umbruch überhaupt von Schüle durchgezogen wird bedarf auch noch der Absicherung. Zwar wurde sein Vertrag dem Vernehmen nach gerade vor der blamablen 30:31-Schlappe gegen das bis dahin noch sieglose Team des TV Offenbach Ende Januar um ein Jahr verlängert. Doch sagt man dem TSG-Coach nach, gerade mit jüngeren Spielern, auf die zum Neuaufbau aus finanziellen Gründen vermehrt zurückgegriffen werden müsste, nicht arbeiten zu können. Auch seine bisweilen impulsive und unberechenbare Art stößt einigen auf. So sorgte Schüle im Oktober 2006 zwei Minuten vor dem Abpfiff beim Stand von 26:26 für den Abbruch der Regionalliga-Begegnung seiner Hasslocher bei der HG Saarlouis, weil er sich und sein Team von vorangegangenen Entscheidungen der Referees benachteiligt sah. In dieser Saison sorgte er ebenfalls schon für Unmut, als er sich vor dem Auswärtsspiel beim SVH Kassel kurzerhand grippekrank meldete und die Betreuung der Mannschaft seinem Sportlichen Leiter Roland Bub überließ.

Zu den „atmosphärischen Störungen“ im Umfeld kam die sportliche Talfahrt zu Beginn des Jahres. Vier Spiele hintereinander gab die TSG Hassloch ab, bevor zuletzt eine Serie von drei Siegen folgte. Ein Indiz für aufkommende „jetzt-erst-recht“-Stimmung? Oder Empfehlung der Individualisten für potentielle neue Arbeitgeber? Vielleicht auch ganz einfach die dringend notwendige Abnabelung des sportlichen Bereiches von den Querelen im Umfeld? In jedem Fall jedoch ein Warnzeichen für die HSG Gensungen/Felsberg und einmal mehr der deutliche Fingerzeig schon im Vorfeld der Partie, dass angeschlagene Gegner die unangenehmsten sein können.



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