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Hephata-Neujahrsempfang: Grenzgänger dreier Welten

hephata-neujahrsempfang1Schwalmstadt-Treysa. „Die Behindertenhilfe vor und nach dem Mauerfall ist eine Veränderung, die einem Quantensprung entspricht. Schon allein das ist ein Grund für mich, dankbar für den Fall der Mauer zu sein.“ Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg aus Eisenach sprach in seinem Festvortrag beim Hephata Jahresempfang am vergangenen Freitag jedoch nicht nur über seine diakonischen, sondern auch biografischen und institutionellen Grenzerfahrungen.

„MitMenschen aktiv – mit Grenzen leben – Grenzen überwinden“, lautet das Jahresmotto der Hephata Diakonie für 2009. Offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wurde es beim traditionellen Jahresempfang am 3. April. 170 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Vereinen und Gesellschaft waren dazu in die Hephata Kirche gekommen. Gastredner Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Eisenach, war dabei sicherlich ein Publikumsmagnet. Staatsminister Jürgen Banzer, Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, Wiesbaden, der andere. Pröpstin Marita Natt aus Bad Hersfeld gestaltete die Besinnung, mit Grußworten wandten sich Wolfgang Hessenauer, Vizepräsident Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes aus Kassel, und Hephata Direktorin Pfarrerin Barbara Eschen an die Gäste. „Grenzen spielen in unserer Arbeit stets eine Rolle, wollen wir doch Teilhabe in der Gesellschaft fördern und so Grenzen überwinden helfen“, sagte Eschen zu Beginn. Dies bedeute: „An Grenzen gehen, manche akzeptieren, viele überwinden, und gemeinsam mit anderen Grenzen verändern.“

Politik für Menschen
hephata-neujahrsempfang2Diesen Aspekt betonte auch Staatsminister Jürgen Banzer: „Politik für Menschen mit Behinderung verstehe ich als zentrales gesellschaftliches Anliegen. Das Grundgesetz gibt uns einen eindeutigen Handlungsauftrag: ,Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.’“ Erklärtes Ziel der hessischen Behindertenpolitik sei es deswegen, die Selbständigkeit von beeinträchtigten Menschen zu fördern. Was vor einiger Zeit kaum denkbar gewesen wäre, sei heutzutage nahezu Alltag. „Die Hephata Diakonie hat in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, wie sie den Wandel in der Arbeit mit und für Behinderte mitgestaltet. Auf diese Weise werden Sie auch die kommenden Herausforderungen bestehen – nämlich mit großem Erfolg.“

Davon ging auch Wolfgang Hessenauer, Vizepräsident Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, aus. Er erinnerte zunächst an die Entwicklung der Behindertenhilfe, um dann in die Zukunft zu blicken: „Es ist in der Geschichte unserer Bundesrepublik Deutschland noch nicht so lange her, da wurden behinderte Menschen in Einrichtungen ausgegrenzt und von der Welt der Nichtbehinderten mal streng und mal weniger streng ausgegrenzt.“ Dies gehöre zum Glück der Vergangenheit an. Diesen Weg der Entwicklung gelte es nun weiter zu gehen, Ängste und Vorbehalte abzubauen: „Es geht viel mehr als wir glauben.“„Es geht viel mehr als wir glauben.“

Biografie und Diakonie
hephata-neujahrsempfang3Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), wurde in seinem Festvortrag zum Grenzgänger dreier Welten: Er berichtete von seinen Erfahrungen mit biografisch, diakonisch und institutionell bedingten Hürden. Biografisch spielte die Errichtung der innerdeutschen Mauer sowie deren Fall eine wichtige Rolle. Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes der EKM erlebte die letzten Monate vor der Grenzöffnung als Pfarrer einer Gemeinde bei Gera. „Es gab kaum eine Baumaßnahme an einer Kirche, die ohne Unterstützung an Material oder Geld durch eine westdeutsche Partnergemeinde durchgeführt wurde.“ Mit dieser materiellen Unterstützung sei aber auch gezielt Kontakte zu ostdeutschen Familien gesucht worden. „Diese Besuche, diese Unterstützung waren wichtig, um nicht zu resignieren und um weiter – in kritischer Distanz zum Regime – trotzdem darin einen Platz zu suchen und an eine Zukunft zu glauben.“ Grüneberg hatte sich bewusst für ein Leben in der DDR und seinen Platz darin als Pfarrer entschieden: „Wir haben in unserer Familie Anfang der 80er Jahre auch diskutiert, bleiben wir oder reisen wir aus. Dann hat sich relativ schnell heraus gestellt: Entweder gibt es eine vernünftige Aufgabe oder es hat keinen Sinn zu bleiben. Da ist die Entscheidung für die Theologie gefallen. Denn als Pfarrer hatte ich diese Aufgabe.“

Diese Entscheidung fällte Grüneberg mit 28 Jahren, vorher hatte er unter anderem in einer Einrichtung der Behindertenhilfe gearbeitet. Darauf stützen sich seine diakonischen Grenzerlebnisse, die er in seinem Vortrag thematisierte. „In den Behinderteneinrichtungen begegneten sich die unangepassten, aufsässigen, kritischen Alternativesucher und bildeten dann mit den dort schon lange arbeitenden, in der Regel nicht aus sozialen Berufen kommenden, älteren Betreuerinnen eine bunte Truppe.“ Was heute im Bereich der Behindertenhilfe zu sehen und zu erleben sei, könne aus der ostdeutschen Perspektive der 70er und 80er Jahre nur als wunderbare Wandlung gesehen werden. Bei der auch die Unterstützung einiger westdeutscher Träger nach der Wende, unter anderem Hephata, eine wichtige Rolle gespielt habe.

Fusion der Kirche
Mit institutionellen Grenzen und deren Überwindung sah sich der Theologe bei der Fusion der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) konfrontiert. In der EKM wurden zum 1. Januar 2009 drei Landeskirchen in vier Bundesländern zusammengefasst. Das gemeinsame Diakonische Werk der EKM entstand bereits im Oktober 2004. Den Weg dorthin beschrieb Grüneberg unter anderem mit den Worten „Es galt die alte chinesische Weisheit: ,Die einen wollen Frieden, die anderen keinen Krieg. So entstehen natürlich Spannungen.’“ Im April stünden nun der Umzug der bislang noch drei Geschäftsstellen der Diakonie Mitteldeutschland in eine zentrale Geschäftsstelle in Halle an der Saale, danach auch eine gemeinsame Mitgliedsbeitragsordnung sowie die Überarbeitung des bisherigen Leistungskatalogs auf dem Programm. Nicht nur im Hinblick darauf, sondern auch für die weitere Arbeit Hephatas schloss Eberhard Grüneberg seinen Vortrag mit den Worten Paulus: „Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache der Berufung und vollende alles Wohlgefallen am Guten und das Werk des Glaubens in Kraft.“ (me)



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