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MT erkämpft Sieg über Balingen teuer

mt-dimitrios-tzimourtosMit einem lachenden und einem weinenden Auge sahen die 1.882 Zuschauer in der Kasseler Rothenbach-Halle den 28:25 (14:9)-Sieg der MT Melsungen über den HBW Balingen, sofern sie Anhänger der Rot Weißen waren. Denn obwohl die ersten zwei Punkte der noch jungen Saison auf der Haben-Seite verbucht werden konnten, schlug die schwere Verletzung von Bundesliga-Torschützenkönig Savas Karipidis vielen aufs Gemüt. Der Publikumsliebling war in der neunten Minute beim Zurücklaufen im Kampf um den Ball mit Gegenspieler Mare Hojc aneinander geraten, unglücklich zu Boden gegangen und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen geblieben. Die erste Diagnose war niederschmetternd: Wadenbeinbruch, und damit mindestens zwei Monate Zwangspause für den Griechen.

Eine Aktion, die sich nahtlos in das bis dahin gezeigte Spiel beider Mannschaften fügte. Denn es regierte Kampf, manchmal auch Krampf auf dem Feld. Auf beiden Seiten endete der jeweils erste Angriffsversuch im Nichts. So war es Vladimir Temelkov, der den ersten Treffer markieren konnte – per Tempogegenstoß. Bezeichnend für weite Teile des Spiels im ersten Durchgang. Denn immer wieder verteilten die Nordhessen Geschenke in Form von Ballverlusten, die der Gast dankbar entgegen nahm und anschließend sein Heil im Tempospiel suchte. Die Einstellung auf Balingens überaus aggressive 3:2:1-Deckung fiel schwer, und Nenad Vuckovic schaffte es zunächst nicht, das Spiel der Hausherren in Gewinn versprechende Bahnen zu lenken. 2:4 hieß es folgerichtig nach sieben Minuten, ohne dass die Schwaben selbst viel dazu tun mussten.

Dann passierte es: Beim Kampf um den Ball in der Folge eines Balinger Gegenstoßes kommen sich Savas Karipidis und Mare Hojc unglücklich in die Quere, ihre Beine verhaken sich im Fallen und der MT-Rechtsaußen bricht sich dabei das Wadenbein. Das Spiel verkrampft nun zusehends. Es dauert bis zur 12. Minute, bis die MT den Schock halbwegs verdaut hat und Nenad Vuckovic zum 4:4 ausgleicht.

Melsungens Trainer Ryan Zinglersen reagierte auf das bis dahin schwache Spiel seiner Mannschaft und brachte erstmals in dieser Saison Vladica Stojanovic. Eine Aktion mit doppelter Signalwirkung und nachhaltigem Erfolg. Einerseits beruhigte sich schlagartig das zuvor hektische und fehleranfällige Spiel der Melsunger. Andererseits hatten die Zuschauer endlich wieder etwas Positives zu beklatschen und konnten die Gedanken an Karipidis Ausscheiden beiseite schieben. Es kam Linie ins Spiel, es gab plötzlich sogar Spielzüge über fünf, sechs Stationen zu sehen. Wie beim 10:7, als der Ball von links über Grigorios Sanikis, Vladica Stojanovic und Alexandros Vasilakis ganz nach rechts zu Dimitrios Tzimourtos wanderte, und der von Außen Gästekeeper Nikola Marinovic keine Abwehrchance ließ.

In dieser Phase der Begegnung kristallisierte sich ein Duell heraus, das auch nach der Partie noch für Gesprächsstoff sorgte: Thomas Klitgaard gegen Nikola Marinovic. Unglaublich, was der Wahl-Österreicher im Kasten der Balinger dem Dänen über sechzig Minuten wegfischte. Viermal hatten die Fans den Torschrei allein zwischen der zehnten und 22. Minute schon auf den Lippen, viermal jubelte das kleine Häuflein mitgereister HBW-Anhänger. Aber auch gegen Nenad Vuckovic und Vladica Stojanovic blieb Marinovic mehrfach Sieger. Und war praktisch allein dafür verantwortlich, dass die Nordhessen zur Pause schließlich „nur“ mit fünf Toren vorn lagen.

In der Pause gab Trainer Zinglersen die Parole für die zweite Hälfte aus: „Wir spielen für Savas“. Und so starteten die Bartenwetzer dann auch mit viel Druck, der sofort zum Siebenmeter führte. Alexandros Vasilakis, bis dahin noch ohne Fehlversuch in dieser Saison, scheiterte jedoch am nach wie vor exzellent haltenden Marinovic. Machte aber nur 30 Sekunden später diesen Lapsus wieder wett, indem er zum 15:9 traf. Thomas Klitgaard und noch einmal Vasilakis legten sofort noch zwei Treffer nach, der Gast schien endgültig geschlagen. Zumal die Offensivabteilung aus Balingen nach wie vor jede Bundesligatauglichkeit schuldig blieb. Einzig Benjamin Herth stemmte sich immer wieder gegen das drohende Debakel. Doch seine Ideen verpufften spätestens, wenn die Nebenleute Druck auf die Nahtstellen der Melsunger Deckung hätten ausüben müssen.

Dass es nicht wirklich zum Desaster kam für die Gäste, lag einzig am nachlassenden Elan der MT-Angriffsreihe. Nach Tzimourtos 18:10 riss der Faden völlig, fiel die Mannschaft in das schon aus anderen Spielen bekannte Loch. Drei anfängerhafte Ballverluste, dreimal ungenügendes Rückzugsverhalten, zwei blitzsaubere Kontertore von Dennis Wilke und Benjamin Herth. Die Schwaben bekamen trotz des klaren Rückstandes Oberwasser. Dann zeigte sich, wie wichtig die Rückkehr von Vladica Stojanovic wirklich war. Nach den erwähnten drei Fehlern hatte niemand mehr den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Passives Spiel drohte gar und so musste irgendjemand reagieren. Vladica Stojanovic eben, wer sonst. Mit einem seiner bekannten trockenen, ansatzlosen Würfe passgenau ins Eck zum 19:12.

Doch Balingen hatte Lunte gerochen, deckte wieder so aggressiv wie zu Beginn der Partie. Mit Erfolg. Immer wieder gab es Ballgewinne in der Abwehr, immer wieder kam sich Mario Kelentric ziemlich allein gelassen vor. Als der Siebenmeter von Dimitrios Tzimourtos als Aufsetzer geworfen an die Latte klatschte, und Benjamin Herth sowie zweimal Dennis Wilke per Tempogegenstoß einnetzten, wurde es kritisch für die Hausherren. Tzimourtos und Stojanovic konnten zunächst noch Schadensbegrenzung betreiben. Doch nach den Treffern von Strobel, Ilitsch und Temelkov lag Melsungen plötzlich nur noch mit 23:20 vorn. Ryan Zinglersen reagierte wie schon in Halbzeit eins goldrichtig, wechselte den mittlerweile ziemlich entnervten Kelentric gegen Robert Lechte aus. Und gleich seine erste Bewährungsprobe bestand der Schwede mit Bravour. Sowohl Vladimir Temelkov als auch im Nachwurf Felix Lobedank fanden in Melsungens Neuzugang ihren Meister.

So bleibt spekulativ, was gewesen wäre, hätte Lechte dem HBW nicht immer wieder im Wege gestanden. Der 31-Jährige hatte in den letzten zehn Spielminuten noch reichlich Gelegenheit zu zeigen, warum er in die Bundesliga geholt wurde. Unter anderem entschärfte er einen Strafwurf von Temelkov. So reichte es am Ende zu einem vom Ergebnis her knappen, aber dafür hoch verdienten Sieg der Hausherren. Auch weil die spieltaktischen Maßnahmen von Trainerfuchs Dr. Rolf Brack wirkungslos verpufften, der zwischenzeitlich Frank Ettwein als siebten Feldspieler für Marinovic einwechselte. Es blieb Alexandros Vasilakis vorbehalten, zwei Sekunden Ablauf der Spielzeit den Schlusspunkt zu setzen unter ein Spiel, das in Melsungen angesichts der schweren Verletzung von Savas Karipidis trotz der ersten zwei Punkte dieser Saison keine echte Freude aufkommen ließ. Und auf den 15.000sten Melsunger Bundesligatreffer, seit dem Aufstieg 1992, müssen die MT-Fans nun bis zum nächsten Spiel warten. Denn 28 Tore gegen Balingen waren dafür genau eins zu wenig.

Stimmen zum Spiel
Dr. Rolf Brack, HBW-Trainer:
Wir haben gut gekämpft und doch verloren. Aber mit insgesamt 29 Ballverlusten, davon 19 Fehlwürfen, kommt man am Ende eben leider nur auf 25 Tore. Beim 13:21 sah es ganz übel aus für uns. Aber Kompliment an meine Mannschaft, dass sie noch einmal zurückgekommen ist. Benjamin Herth war heute nicht nur torgefährlich, sondern hat unser Spiel gut gelenkt. Bei 21:24 waren wir wieder dran, haben aber prompt wieder eine schwächere Phase folgen lassen. Aber auch nach dem 21:27 sind wir noch einmal ran gekommen. Es hat nicht gereicht, weil wir aus dem Rückraum nicht den gleichen Druck entwickeln können wie ein Vuckovic, Sanikis oder Vasilakis bei Melsungen. Nur zwei Tore von unseren Halbpositionen sprechen eine deutliche Sprache. Die Verletzung von Karipidis tut mir sehr leid. Ich kenne ihn vom Allstar-Spiel in Berlin und schätze ihn und seine Art nicht nur auf dem Spielfeld.

Ryan Zinglersen, MT-Trainer: Ich bin sehr erleichtert. Das waren meine ersten Punkte überhaupt in der deutschen  Bundesliga. Dafür danke ich meiner Mannschaft und bin stolz darauf, dass sie dem Druck des Gewinnen-müssens nach den zwei Auftaktniederlagen standgehalten hat. Im Spiel sechs gegen sechs hat unsere Abwehr sehr stabil gestanden. Nur 25 Gegentore, davon 10 Gegenstöße und fünf Siebenmeter. Da ist nicht viel durch gekommen aus dem laufenden Spiel. Nach dem Ausfall von Ivan Brovko und der schweren Verletzung von Savas Karipidis haben wir jetzt auf beiden Seiten nur noch jeweils einen Spieler zur Verfügung. Aber sowohl Daniel Tellander als auch Dimitrios Tzimourtos haben toll gespielt. Dimi kam rein und ging gleich ab wie eine Rakete. Jetzt geht es am Mittwoch erst einmal im Pokal nach Leipzig. Und wir werden das Spiel bestimmt nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Statistik
MT Melsungen:
Kelentric (1.-49., 10 P.), Lechte (49.-60., 4 P.); Schöngarth (n.e.), Junillon 1, Klitgaard 3, Tellander 3, Tsimourtos 6/2, Vasilakis 6/1, Stojanovic 5, Treutler (n.e.), Danner, Sanikis 1, Karipidis 1, Vuckovic 2

HBW Balingen/Weilstetten: Marinovic (22 P.), Grathwohl (n.e.); König, Lobedank 1, Herth 8/4, Sauer 1, Wilke 6, Ettwein, Strobel 1, Hojc 1, Temelkov 3/1, Bürkle, Müller 1, Ilitsch 3

SR: Lars Schaller (Leipzig) / Sebastian Wutzler (Frankenberg/Sachsen)

Zeitstrafen: 8 – 10 (Klitgaard 14:20 22:54, Junillon 36:03, Vuckovic 47:53 – Sauer 15:28 32:28, Temelkov 16:35, Strobel 52:32, Ilitsch 53:22)

Strafwürfe: 5/3 – 6/5; Vasilakis scheitert an Marinovic (31:11); Tzimourtos an die Latte (41:41); Temelkov scheitert an Lechte (55:16)

Zuschauer: 1.882, Rothenbach-Halle, Kassel

Spielfilm: 1:1 (3.), 2:3 (6.), 3:4 (9.), 4:4 (12.), 5:4 (15.), 8:5 (18.), 9:6 (21.), 11:8 (24.), 12:8 (27.), 14:9 (HZ), 16:9 (33.), 18:10 (36.), 19:12 (39.), 21:14 (42.), 22:16 (45.), 23:19 (48.), 24:21 (51.), 26:21 (54.), 27:22 (57.), 28:25 (EN)



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