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Villa im Viereck

Fabian Schade (21) ist einer der ersten neuen Bewohner der Hephata-Villa

fabian-schadeSchwalmstadt-Treysa. Fabian Schade wohnt in der Nummer neun. Sein Einzelzimmer im Obergeschoss hat er sich bewusst ausgesucht. „Ich wollte Treppen steigen“. Denn auch das hilft dem 21-Jährigen nicht zuzunehmen. Ein wichtiges Ziel in seinem Leben. Fabian Schade weist das Prader-Willi-Syndrom (PWS) auf, eine Genveränderung, die unter anderem mit ständigem Hungergefühl einhergeht. Er ist einer der ersten Bewohner der neuen PWS-Wohngruppe in der Villa Hephata. „Meinen Eltern und mir hat das Konzept hier gut gefallen. Wir haben uns vorher einige Einrichtungen angesehen“, sagt Fabian Schade. Bislang hat er bei seiner Familie gelebt. „Ich fand mit 21 Jahren reicht das aber auch. Ich wollte etwas Neues erleben“. Dafür ist Hephata seit Anfang September eine gute Adresse.

Entstanden ist das spezielle Konzept in Zusammenarbeit mit der „Prader-Willi-Syndrom-Vereinigung Deutschland“.  Als eine Art „Wohngemeinschaft“ bezeichnet Teamleiter,  Diakon Bernd Muskat die neue Wohngruppe. Sie bietet Platz für neun Bewohner, die ihre Schullaufbahn beendet haben. Die ersten vier sind bereits eingezogen, ein fünfter Betroffener wohnt auf Probe. Anfragen für die weiteren Plätze liegen vor und kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. „Das Angebot bietet das Viereck Wohnen, Arbeiten, Gesundheit / Therapie und Freizeit an. Das ist in dieser Kombination an einem Ort einmalig in Hessen“, sagt Muskat. Obwohl es einen hohen Bedarf gebe, existierten in Deutschlandweit bislang nur 13 Einrichtungen für PWS-Betroffene.

PWS tritt durchschnittlich bei einem von 10.000 bis 15.000 Kindern auf und geht auf eine Genveränderung zurück. Betroffene bleiben häufig in ihrer motorischen Entwicklung zurück, haben Sprech- und Sprachprobleme oder eine leichte geistige Behinderung. Das ständige Hungergefühl ist vom Erleben her mit einer Sucht vergleichbar. Die Suche nach Lebensmitteln bestimmt bei vielen Betroffenen den Tagesablauf.

„Wir bieten ein sehr differenziertes und vielschichtiges Angebot. Das spiegelt sich auch im Personalschlüssel wider“, sagt Muskat. Insgesamt vier Erzieher und Sozialpädagogen, ein Anerkennungspraktikant, eine Hauswirtschafterin und ein Fitnesstrainer betreuen die Bewohner. Hinzu kommen die Nachtwachen im Haus. Ziel ist es, eine Sicherheit gebende Tagesstruktur zu bieten. Dazu gehört die kontrollierte Lebensmittelaufnahme – derzeit maximal 1.210 Kilokalorien am Tag, verteilt auf sechs Mahlzeiten. Das speziell zubereitete Mittagessen aus der Zentralküche nehmen die Bewohner unter der Woche gemeinsam in der Villa ein. Am Wochenende wollen sie künftig selbst kochen. Außerdem steht ihnen ein großer Fitnessraum im Keller der Villa zur Verfügung. Dort werden Sport, aber auch Körperwahrnehmung und Entspannung trainiert. Im Gemeinschaftsraum unter dem Dach steht eine Spielkonsole, an der nicht nur mit Joystick, sondern vollem Körpereinsatz diverse Sportarten nachempfunden werden. Hinzu kommen gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge in die Stadt und Umgebung, aber auch das Erledigen anfallender Alltagsarbeiten wie Putzen, Staubsaugen, Waschen und Bügeln.

Zweites Standbein ist eine geregelte Arbeit. Fabian Schade möchte Werker im Zierpflanzenbau werden: „Man sitzt nicht den ganzen Tag im Büro, sondern arbeitet mit Händen und Füßen“. Mit Unterstützung der Berufshilfe kann er seinen Wunsch verwirklichen. Momentan absolviert er in einem externen Garten- und Landschaftsbaubetrieb ein Praktikum. Danach will er seine Lehre als Werker abschließen. „Ich will erstmal probieren draußen eine Arbeit zu finden. Wenn das nicht klappt, versuche ich es in den Hephata-Werkstätten“.  Seine Mitbewohner haben dort bereits im Berufsbildungsbereich angefangen. So oder so, sein erstes Ziel hat Fabian Schade fest im Blick: „Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich, wenn ich zu Hause ausziehe und ein neues Leben anfange, auch abnehme“. (me)



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