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IHK-Umfrage: Nachmittagsbetreuung an Grundschulen muss verbessert werden

Kassel. Bei der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern gibt es erheblichen Nachholbedarf. Das zeigt eine Umfrage der IHK-Organisation, an der sich fast 5.000 Schulen beteiligt haben. Ziel der Umfrage ist es, die Betreuungssituation für Grundschulkinder transparent zu machen. Auch 147 Schulen aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel haben an der Befragung teilgenommen. „Das Thema Nachmittagsbetreuung ist in den Grundschulen angekommen – auch in Nordhessen“, resümiert Dr. Roswitha Wöllenstein, Expertin für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der IHK Kassel. „Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil das Land Hessen, die Landkreise und die Kommunen die Notwendigkeit von Betreuungsinfrastruktur an Grundschulen erkannt haben und den Auf- und Ausbau der Schulbetreuung finanziell fördern.“

An fast allen Grundschulen in Nordhessen und im Altkreis Marburg, die sich an der Umfrage beteiligt haben, gebe es Betreuungsangebote. Doch die Betreuungszeiten variieren. „Auch wenn die Mehrzahl der antwortenden Schulen eine Nachmittagsbetreuung bis mindestens 16.30 Uhr beziehungsweise 17 Uhr anbieten, verfügen noch 40 Prozent der Schulen über Angebotsstrukturen, die wenig mit den heutigen Bedingungen der Arbeitswelt zu tun haben“, erklärt Wöllenstein. Bei 62 Prozent oder 84 der antwortenden Schulen im IHK-Bezirk findet eine Nachmittagsbetreuung bis maximal 17 Uhr statt, oft bis 16.30 Uhr. In 42 Schulen wird eine Nachmittagsbetreuung bis maximal 15 Uhr angeboten, in acht Schulen bis spätestens 13.30 Uhr. Wöllenstein: „Wenn Kinder um 13 oder 15 Uhr aus der Betreuung abgeholt werden müssten, ist eine Vollzeittätigkeit für Eltern – das heißt im Regelfall für die Mütter – kaum zu realisieren.“

Auch die Angebote bei der Nachmittagsbetreuung sind für die Schüler sehr unterschiedlich. Während ein warmes Mittagessen und eine regelmäßige Hausaufgabenbetreuung an über 80 Prozent der Schulen in Nordhessen und dem Altkreis Marburg zum Standard gehören und auch die qualifizierte Betreuung durch entsprechend ausgebildete Kräfte sichergestellt wird, sind zusätzliche Angebote aus den Bereichen Sport und Musik laut Umfrage nur in gut der Hälfte der Schulen im Schulprogramm verankert. „Insbesondere der wichtige Bereich Sprachförderung ist als Angebot in den Grundschulen noch unterentwickelt“, kritisiert die IHK-Expertin. Die Ergebnisse für die nordhessischen Grundschulen korrespondieren mit den Ergebnissen auf Bundesebene.

Darüber hinaus müssen sich Eltern mit längeren Fahrzeiten zwischen Wohn- und Arbeitsort meist sehr beeilen, um ihre Kinder pünktlich von der Schulbetreuung abzuholen. „Das zeigt sehr deutlich, dass die Betreuungssituation an den Grundschulen noch verbesserungsbedürftig ist“, sagt Wöllenstein. „Deshalb nehmen viele Frauen eine Teilzeittätigkeit mit geringem Stundenumfang an und bleiben damit oft hinter ihren eigentlichen beruflichen Möglichkeiten und Wünschen zurück.“ Damit werde ein großes Potenzial an Fachkräften verschenkt, das die Wirtschaft dringen benötige.

Auch die insgesamt etwa zwölf Wochen dauernden Schulferien stellen für viele Eltern eine Herausforderung dar, da dem durchschnittlich sechs Wochen Urlaub der Beschäftigten entgegen stehen. Für diesen Engpass wird eine Ferienbetreuung benötigt. Bei 50 Prozent der antwortenden Schulen im IHK-Bezirk gibt es überhaupt keine Betreuung in der Ferienzeit. In nur sieben Schulen wird eine Betreuung während der gesamten Ferienzeit angeboten. Die restlichen Schulen bieten eine zeitweise Betreuung an, oft in Kooperation mit kommunalen Einrichtungen. Bundesweit bieten nur 22 Prozent der Grundschulen eine Betreuung, die die gesamten Ferien abdeckt.

39 Prozent der antwortenden Grundschulen im IHK-Bezirk stellen laut Umfrage eine Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten fest, 41 Prozent eine Nachfrage nach mehr Plätzen. „Trotzdem planen auch die meisten nordhessischen Schulen in naher Zukunft keinen Ausbau der Nachmittagsbetreuung“, berichtet Wöllenstein. Bundesweit registriert ein gutes Viertel der Grundschulen (26 Prozent) einen höheren Bedarf nach längeren Öffnungszeiten und ein Drittel nach mehr Betreuungsplätzen.
Bundesweit hatten nur vier Prozent der beteiligten Schulen bisher Kontakt mit Unternehmen in Form von Kooperationen im Bereich Sponsoring. In Nordhessen und dem Altkreis Marburg engagieren sich Unternehmen auf diese Weise in neun der untersuchten Schulen. Weitere Kooperationsmöglichkeiten mit Unternehmen, wie das Buchen von Belegplätzen oder die Organisation von Freizeit- und Bildungsangeboten, sind im IHK-Bezirk wie auch bundesweit noch selten. „In diesem Bereich bieten sich den Schulen bisher ungenutzte Potenziale“, betont Wöllenstein. „Unternehmen sind vielfach bereit, sich lokal zu engagieren. Denn die Schüler von heute sind die Fachkräfte von morgen.“ Daher sollten Schulen beim Ausbau der Nachmittagsbetreuung geeignete Partner suchen – seien es Unternehmen, lokale Sportvereine, Musikschulen oder Netzwerke, wie die Lokalen Bündnisse für Familien. Wöllenstein: „Gemeinsam mit Kooperationspartnern können Betreuungskonzepte entwickelt werden, sodass die Schulen den heutzutage hohen Anforderungen an Erziehung und Bildung gerecht werden können.“

Im Interesse der Wirtschaft und der Beschäftigten dürfen Eltern nicht aufgrund fehlender Betreuungsinfrastruktur daran gehindert werden, ihre Arbeit im gewünschten Rahmen fortzusetzen. „Die schulische Förderung und Begleitung der Kinder durch die Eltern ist wichtig und notwendig. Ebenso wichtig ist es, Strukturen zu schaffen, die es Eltern ermöglichen, ihre Kinder mit guten Gewissen in die Nachmittagsbetreuung zu geben“, sagt die IHK-Expertin. „Nur wenn Eltern wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind, schulisch gefördert werden und dort sinnvollen Freizeitaktivitäten nachgehen können, besteht die Chance, beides zu verwirklichen: Familien zu gründen und erfolgreich dem Beruf nachzugehen.“

Hintergrund: Die Umfrage
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat zum ersten Mal die bundesweite Umfrage „Grundschulcheck 2011“ initiiert, an der sich auch die IHK Kassel beteiligt hat. Intention dieser Umfrage ist es, mehr über die tatsächliche Betreuungssituation in den Grundschulen und die Struktur des Betreuungsangebotes zu erfahren. Denn: Die Bedeutung der Betreuung von Grundschulkindern wird bisher häufig unterschätzt. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels muss das Land die vorhandenen Potenziale stärker in das Wirtschaftsleben einbinden. Mit der Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen, wie dem Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur für Unter-Dreijährige sowie einem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr von 2013 an, wurde auch auf staatlicher Ebene in den vergangenen Jahren viel bewegt. Während mittlerweile die meisten Eltern ihre Kleinkinder gut betreut wissen, stellt der Übergang in die Grundschule die Eltern und damit auch die Personalpolitik in Unternehmen vor neue Herausforderungen.  Daher wurden Ende Februar 2011 im IHK-Bezirk 292 Grundschulen angeschrieben mit der Bitte, die Fragen zum „Grundschulcheck 2011“ zu beantworten. 147 haben den Fragebogen zurückgesandt. Die zurückgesandten Fragebögen wurden dem DIHK zur bundesweiten Auswertung zur Verfügung gestellt.   Die IHK Kassel bedankt sich bei Schulen, die an der Umfrage teilgenommen haben, recht herzlich. (red)



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