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Hessenderby: Spannend, dramatisch, unentschieden

Kassel/Melsungen. Mit einem Tor fast mit der Schlusssirene rettete Jens Schöngarth der MT Melsungen noch einen Punkt beim 30:30 (17:14) in einem packenden Hessenderby gegen die HSG Wetzlar. Vor 2.770 Zuschauer lieferten sich beide Teams eine an Spannung und Dramatik kaum zu überbietende Partie, in der sich am Ende alle irgendwie als Sieger fühlen durften. Und die Fans waren ob des gebotenen Thrillers sowieso aus dem Häuschen und erlebten die letzten Minuten vor Begeisterung stehend. Dass sich die richtige Derby-Stimmung erst aufbauen konnte, dafür sorgten zu Beginn vor allem zwei Wetzlarer mit Beziehung zu Melsungen. Vorn legte Daniel Valo sofort mächtig los und zeichnete für die ersten beiden Gästetreffer verantwortlich, hinten parierte Nikolas Weber, der in diesem Jahr um ein Haar nach Nordhessen gewechselt wäre, mehrfach glänzend gegen das Griechen-Trio Alexandros Vasilakis, Grigorios Sanikis und Savas Karipidis.

Dass die MT dennoch den Wetzlarern auf den Fersen blieb, lag vor allem am prima Zusammenspiel von Grigorios Sanikis mit Felix Danner. Vier Pässe führten allesamt zu Toren. Entweder direkt, wie beim 4:4 (8.), oder indirekt über drei Siebenmeter von Savas Karipidis, denen jeweils ein Foul am Melsunger Kreisläufer voraus ging.

Gelegenheiten zu einer eigenen Führung hatten die Gastgeber nur wenige. Und wenn, dann ging der Schuss prompt nach hinten los. Wie beim Pfostentreffer von Vasilakis, dem unmittelbar der Gegenstoß von Adnan Harmandic zum 4:5 folgte. Auch die nächste Großchance vergeigte der Grieche frei stehend gegen Weber, nachdem Danner ihm gleich zwei Wetzlarer aus dem Weg geräumt hatte. Kevin Schmidt bedankte sich umgehend mit dem Tempogegenstoß zum 4:6. Nach dem folgenden Anschlusstreffer von Karipidis reagierten die Gäste wieder cleverer. Danner hatte einen Wurf von Müller geblockt, Schmidt sich aber den Ball schnell heruntergepflückt. Ein kurzer Pass zurück zu Müller, der im zweiten Anlauf traf. Drei Szenen, die die vielleicht größte Schwäche der MT an diesem Abend klar aufzeigten: Wetzlar war gedanklich wie auch in den Aktionen meist einen Tick entschlossener als die Nordhessen und sicherte sich so den Löwenanteil der Abpraller.

Die nächste Chance zur Melsunger Führung bot sich in der 19. Minute. Peter Jungwirth hatte beim Stand von 8:8 nur das Außennetz getroffen. Doch der folgende Wurfversuch von Sanikis landete ebenfalls neben dem Kasten. Nikolai Weber brachte das Leder ohne Verzögerung wieder ins Spiel, und Timo Salzer versenkte es zum 8:9. Danach der nächste Fehlwurf von Vasilakis und der nächste Volltreffer von Valo – 8:10 (20.). Kurz darauf machte es der Grieche endlich besser. Mario Kelentric, diesmal von Beginn an auf dem Feld und auch mit einigen schönen Paraden, passte das Spielgerät nach einem Valo-Aufsetzer über das Tor schnell zu Patrik Fahlgren. Über die Zwischenstation Nenad Vuckovic bekam Vasilakis den Ball zugespielt und jagte ihn aus vollem Lauf in den Winkel. Wieder der Ausgleich, nachdem vorher schon Karipidis seinen vierten Strafwurf verwandelt hatte.

In diesem Stil ging es munter weiter: Wetzlar legte einen vor, Melsungen glich aus. Bis zum 14:14 in der 27. Minute. Dann lief Per Sandström, in der 26. Spielminute eingewechselt, zur Hochform auf. Zunächst eine Glanzparade des Schweden gegen Adnan Harmandic, Tempogegenstoß Allendorf – die erste Führung der Hausherren zwei Minuten vor der Pause. Dann gleich zweimal Rettung gegen Valo, Fahlgren mit Sololauf – 16:14. Und weil es gerade so gut lief folgte die nächste Großtat: Parade gegen Peter Jungwirth von Außen. Felix Danner war kurz vorher mit einer Strafzeit bedacht worden und die MT dadurch in Unterzahl. Was Michael Allendorf und Alexandros Vasilakis nicht an einem erfolgreich abgeschlossenen Kempa-Trick hinderte. Nikolai Weber war restlos bedient und holte das Leder gar nicht mehr aus dem Netz, sondern ging trotz noch laufender Uhr einige Sekunden zu früh in Richtung Bank und in die Halbzeitpause.

Es schien, als wäre die Partie mit der ersten Übernahme und dem anschließenden Ausbau der Führung durch die Hausherren vorzeitig entschieden. Denn auch nach dem Wechsel fand die Dominanz der Bartenwetzer ihre Fortsetzung. Sandström parierte einen Valo-Wurf, vorn passte Fahlgren auf den zurückgekehrten Danner, der sofort durchzog zum 18:14. Parade Nummer sieben des Schweden folgte der Kraftakt von Nenad Vuckovic, der sich gegen drei Wetzlarer durchsetzte und zum 19:14 einwarf. Wetzlar schien zu diesem Zeitpunkt geschlagen. Erst nach mehr als sieben Minuten Flaute konnte Valo den nächsten HSG-Treffer verbuchen.

Ein Lebenszeichen gerade noch zur rechten Zeit, möchte man meinen. Doch eins mit nachhaltiger Signalwirkung. Die nächsten zehn Minuten gingen mit 6:3 an die Gäste, die einerseits von einer Strafzeit gegen Michael Allendorf profitierten, andererseits eine eigene Unterzahl, Schmidt musste raus, schadlos überstanden. 22:21 stand es plötzlich wieder, als Nenad Vuckovic das nächste Erfolgserlebnis feierte und vermeintlich auf 23:21 stellte. So wies es jedenfalls der Anzeigewürfel aus. Und niemand, inklusive Wetzlarer Bank, Unparteiischen und Kampfgericht, störte sich daran. Zumal es innerhalb weniger Sekunden das nächste Mal klingelte: Valo hatte getroffen. In schneller Folge schlossen sich Michael Allendorf, Kári Kristjánsson und Patrik Fahlgren mit erfolgreichen Abschlüssen an. Die Anzeige stand auf 25:23, als ein Pfiff von Peter Rauchfuß, der die Spielaufsicht führte, die Partie unterbrach. Eine kurze Diskussion mit den Schiedsrichtern und Trainern, dann die Ergebniskorrektur: nur noch 24:23, weil nachträglich der vermeintliche Vuckovic-„Treffer“ wieder abgezogen wurde. Das gellende Pfeifkonzert von den Rängen war verständlich, denn kaum jemand brachte diese Korrektur mit dem schon zwei Minuten zuvor verbuchten Tor in Verbindung.

Melsungen verarbeitete diese scheinbare Benachteiligung gut und legte fast trotzig durch Jens Schöngarth und Michael Allendorf wieder zwei vor. Aber Wetzlar hatte längst Lunte gerochen und war hellwach im Spiel zurück. Die Schlussphase hielt dann auch wirklich alles, was man von einem emotionsgeladenen Derby erwartet. Inklusive eines unbedachten Textilvergehens von Jens Schöngarth, der prompt für zwei Minuten runter musste und damit die Bahn frei machte für den neuerlichen Ausgleich durch ein Kontertor von Tobias Hahn. Zweimal legte dann die MT durch Vasilakis und Vuckovic vor, zweimal glich Alois Mraz aus.

Genau 57 Sekunden zeigte die Uhr noch, als Gennadji Chalepo seine Auszeit nahm. Gerade rechtzeitig, um sein Team vor der drohenden Passivität und dem Ballverlust zu retten. Und auch nach Wiederbeginn wanderte das Spielgerät noch aufreizend lange durch die grün-weißen Reihen. Bis schließlich der Arm der Unparteiischen doch nach oben ging. Immer wieder hatten sich die Wetzlarer Angreifer bereitwillig fest machen lassen und Zeit geschunden. Bis Timo Salzer plötzlich in eine winzige Lücke  hineinstieß und zur 30:29-Gästeführung einlochte. Noch 18 Sekunden waren zu spielen. Immerhin genug Zeit für einen geordneten letzten Angriff. Der aber nicht kam. Unproduktives Kreuzen vor der Abwehr, Querpässe statt Angriffsdruck. Und als letzter Ausweg die grüne Karte von Michael Roth – noch sieben Sekunden.

Anton Mansson kam als siebter Feldspieler, um die Gäste über zwei Kreisläufer zu binden und dem Rückraum eine Schussmöglichkeit zu verschaffen. Vergeblich, weil sich Nenad Vuckovic in Philipp Müller hineindrehte und festlief – Freiwurf, noch drei Sekunden. Fahlgren, Danner, Vuckovic und Mansson bildeten die Abschirmung, Jens Schöngarth baute Körperspannung auf für den kommenden finalen Wurf. Ein kurzes Abspiel des Kapitäns auf den zeitgleich gestarteten Youngster, ein Schritt Anlauf und dann ein Wurf wie ein Strich über Freund und Gegner hinweg in den kurzen Winkel. 30:30, Schlusssirene, ohrenbetäubender Lärm, ringsum jubelnde Spieler und Fans. Die einen über den ersten Auswärtspunkt, die anderen über diesen fulminanten Schlusspunkt unter ein Derby, das in jeder Hinsicht hielt was man sich davon versprach. Bis auf den Sieg vielleicht, den beide unbedingt wollten, den aber beide nicht bekamen. Weil dieser Krimi ganz einfach keinen Verlierer verdient gehabt hätte. (Bernd Kaiser)

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: Insgesamt muss man zufrieden sein, wenn man so zum Schluss noch ein Tor macht. Wir haben mit Jens Schöngarth alles auf eine Karte gesetzt und wollten uns mit zwei Kreisläufern die Wurfposition erarbeiten. Wir haben über 45 Minuten das gezeigt was wir wollten: über eine aggressive Abwehr in unser Tempospiel kommen. Sind aber nach der 19:14-Führung zu schnell wieder ins Fahrwasser gekommen, wo wir zu viele einfache Fehler gemacht haben und es war offensichtlich, dass wir extreme Probleme in der Defensive hatten. Aber man muss natürlich auch sagen, dass die HSG ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Sie sind nicht auseinander gebrochen, haben sich immer wieder zurück gekämpft. Wir sind nicht ganz zufrieden, weil wir heute zwei Punkte holen wollten. Aber alles in allem muss man sagen, dass das Ergebnis gerecht war. Man muss auch festhalten, dass, obwohl ein Derby, doch zum Teil sehr hochklassige Aktionen dabei waren. Beide Mannschaften haben gezeigt, dass sie guten Handball spielen können, und die Fans sind voll auf ihre Kosten gekommen.

Gennadij Chalepo: Für uns war es das bisher beste Spiel auswärts, keine Frage. Und mit dem einen Punkt können wir im Nachhinein auch zufrieden sein. Es war ein typisches Derby-Spiel mit viel Hektik. In der ersten Halbzeit haben wir gut angefangen. Wir wollten den Gegner mit einer aggressiven Abwehr unter Druck setzen. Kurz vor der Halbzeit haben wir dann ein paar Gegenstöße vergeben. Und auch nach der Pause waren wir nicht gut. Da lagen wir dann drei, vier Tore hinten. Aber ich bin froh, dass meine Mannschaft moralische Stärke gezeigt hat. Es war dann ein Kampf bis zum Schluss, und deshalb bin ich mit dem einen Punkt auch zufrieden.

Statistik

MT Melsungen – HSG Wetzlar 30:30 (17:14)

MT Melsungen: Sandström (14 P.), Kelentric (4 P.) – Schöngarth 2, Mansson, Schweikardt, Fahlgren 4, Vasilakis 5, Danner 3, Sanikis 1, Karipidis 7/4, Zufelde, Allendorf 5, Vuckovic 3.

HSG Wetzlar: Marinovic (0 P.), Weber (12 P.) – Schmidt 1, Rompf, Salzer 4, Valo 6, Jungwirth 2, Mraz 3, Müller 3, Chalkidis 2, Fäth, Hahn 1, Harmandic 3, Friedrich 2, Kristiánsson 3.

SR: Ralf Damian (Bingen) / Frank Wenz (Mainz).

Zeitstrafen: 8 – 4 (Danner 30., Allendorf 34., Vasilakis 46., Schöngarth 53. – Schmidt 41., Müller 50.).

Strafwürfe: 5/4 – 2/0 (Schmidt wirft an die Latte, 13:41 Min.; Friedrich scheitert an Sandström, 45:52 – Karipidis scheitert an Weber, 49:37).

Zuschauer: 2.770 in der Rothenbach-Halle, Kassel.

Spielfilm: 0:0 (1.), 2:2 (3.), 2:2 (6.), 4:5 (9.), 5:7 (12.), 6:7 (15.), 7:8 (18.), 9:10 (21.), 11:12 (24.), 13:14 (27.), 17:14 (HZ), 18:14 (33.), 20:17 (36.), 21:18 (39.), 22:20 (42.), 24:23 (45.), 25:24 (48.), 26:25 (51.), 27:26 (54.), 28:28 (57.), 30:30 (EN).



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