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Gefährliche Durchfahrt: Ortstermin in Leimsfeld

Frielendorf. Auf Einladung der Gemeindeverwaltung Frielendorf trafen sich Vertreter des Ortsbeirats und des Arbeitskreises Ampelkreuzung (AAK) Leimsfeld, des Fachbereiches Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Schwalm-Eder-Kreises, des Polizeiverkehrsdienstes Schwalm-Eder, der Straßenverkehrsbehörde Schwalm-Eder, der Straßenmeisterei Schwalmstadt, des Amtes für Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil und betroffene Bürger zu einem gemeinsamen Ortstermin. Thema war die aus Sicht der Anwohner bestehende erhebliche Gefährdung für Fußgänger durch in die B254 einbiegenden Fahrzeugführer, verursacht durch eine erhebliche Zahl von Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstößen im Ampelbereich.

Eine vom 12. bis zum 29. März durch die Gemeinde Frielendorf angefertigte Messung ergab, dass sich rund 25 Prozent aller Fahrzeugführer an dieser Stelle nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, Spitzengeschwindigkeiten bis 140 Stundenkilometern im Bereich der Fußgängerampel wurden gemessen.

Bezugnehmend auf die Ausführungen von Markus Neumann (Arbeitskreis Ampelkreuzung Leimsfeld) zu der Situation der Anwohner und die sehr deutliche Unterstützung durch den Bürgermeister der Gemeinde Frielendorf Birger Fey, äußerten die anwesenden Behördenvertreter zunächst ihr Verständnis. Dirk Daniel, Leiter des Verkehrsdienstes der Polizei Schwalm-Eder, wies allerdings darauf hin, dass sich die im Messprotokoll ermittelten Geschwindigkeitsübertretungen aus polizeilicher Sicht durchaus im Bereich des Normalen bewegen und keine Besonderheit im Vergleich zu innerörtlichen Messpunkten anderer Gemeinden darstelle. Jürgen Steinfeld (Hessen Mobil) machte weiter darauf aufmerksam, dass es sich weder bei dem Kreuzungsbereich noch bei der Ortsdurchfahrt um einen Unfallschwerpunkt handele. Vor diesem Hintergrund betrachte er es als schwierig, regulierende Maßnahmen durchzusetzen.

Konsens konnte dennoch in dem Vorhaben erzielt werden, die Errichtung einer dauerhaften Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachung an der Ampelanlage behördlich prüfen zu lassen. Jochen Dörrbecker (Leiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Schwalm-Eder Kreises) wird das Prüfungsverfahren in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Frielendorf auf den Weg bringen.

Dirk Daniel machte jedoch in diesem Zusammenhang ergänzend darauf aufmerksam, dass die Polizeiakademie Hessen (Wiesbaden) bei der dauerhaften Einrichtung geschwindigkeitsüberwachender Maßnahmen anzuhören und zu beteiligen sei (die Polizeiakademie Hessen bestätigt dies auf Anfrage am 4. April und teilt mit, die abschließende Entscheidung läge bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde).

In der sich anschließenden Diskussion kamen die betroffenen Bürger zu Wort, denen es gelang, ihre Sichtweise sehr engagiert darzustellen und ihre Position zu vertreten. Auch hier äußerten die anwesenden Behördenvertreter Verständnis, verweisen jedoch erneut auf die Genehmigungsvoraussetzungen und den Verfahrensweg.

Weiterer Themenpunkt des Ortstermins war die Einmündung der K125 in die B254 am Ortsausgang Leimsfeld in Richtung Schwalmstadt. Hier führen verschiedene Faktoren zu einer Beeinträchtigung der Sicht für in die B254 einbiegende Fahrzeuge, unter anderem ein ungünstig angebrachter Wegweiser. Der Leiter der Straßenmeisterei Schwalmstadt, Helmut Greb, sagte unbürokratische Hilfe bei der technischen Veränderung der Beschilderung zu. Abschließend überreichte Markus Neumann Jochen Dörrbecker die mit 450 Unterschriften unterzeichneten Forderungen der Leimsfelder Bürger an die Entscheidungsträger.

Hintergrund:
Die Ortsdurchfahrt Leimsfeld wird täglich von rund 6.000 Fahrzeugen befahren. Besonders im Bereich der Ampelkreuzung kommt es dabei häufig zu gefährlichen Situationen, bei denen besonders Lkw-Fahrer aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit oder Unachtsamkeit das rote Ampelsignal überfahren. Doch auch Auto- und Motorradfahrer haben ihren Anteil: eine durch die Gemeinde Frielendorf durchgeführte Messung ergab, dass sich gut jeder vierte Fahrzeugführer im bußgeldrelevanten Bereich bewegt und sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält. Knapp 20 der 22.000 gemessenen Fahrzeuge erreichten im Innerortsbereich der Fußgängerampel Geschwindigkeiten zwischen 100 und 140 Stundenkilometer. Käme es zu einer Halterfeststellung, entspricht dies einem Bußgeldaufkommen von rund 90.000 Euro, 122 Fahrerlaubnisse würden vorübergehend entzogen. Zu berücksichtigen bleibt, dass lediglich für die Dauer von sieben Tagen gemessen wurde und dabei nur die aus Richtung Gebersdorf kommenden Fahrzeuge Eingang in die Messung fanden.

Dass es nicht häufiger zu schweren Unfällen kommt, ist aus Sicht der Anwohner einzig ihrer Vorsicht und ihrem vorausschauenden Verhalten zu verdanken, da sie die Gefährdungssituation bereits seit Jahrzehnten kennen. Doch gerade diesen Zusammenhang nimmt das zuständige Regierungspräsidium Kassel in einem Schreiben aus dem vergangenen Oktober zum Anlass, eine Entschärfung der Situation abzulehnen. Begründet wird die Entscheidung damit, dass es sich wegen der fehlenden nachweisbaren  Unfallhäufigkeit nicht um einen Unfallschwerpunkt handele.

Die Frage nach den sich häufig ereignenden „Beinahe-Unfällen“ spielt dabei keine Rolle. Außer Acht gelassen wird auch, dass die Verkehrsdichte auf der B254 drastisch zugenommen hat und im Zuge des Ausbaus der A49 bis Schwalmstadt mit einer weiteren Erhöhung des Verkehrsaufkommens zu rechnen ist. Lastkraftwagen aus ganz Europa fahren bereits heute in großer Anzahl in nördlicher Richtung liegende Betriebe und Industriegebiete in Homberg/Efze, Wabern, Fritzlar, etc. an. Sie fallen unter die Ausnahmeregelungen des Durchfahrtsverbotes der B254 für Kraftfahrzeuge über 12t zulässigem Gesamtgewicht.
Zusammenfassend lassen aus Sicht der Leimsfelder Bürgerinnen und Bürger sowohl die vorliegenden Messergebnisse als auch das Verhalten vieler Fahrzeugführer erwarten, dass der nächste Unfall an der Leimsfelder Ampelkreuzung nur eine Frage der Zeit ist.
Blechschäden sind dabei noch zu verschmerzen, doch Kinder und alte Menschen sind nicht in der Lage, auf das Fehlverhalten von Rotlichtsündern und Rasern angemessen zu reagieren. Deshalb hat es sich der Arbeitskreis Ampelkreuzung und der Ortsbeirat Leimsfeld zur Aufgabe gemacht, die Situation für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger deutlich zu entschärfen – und dies, bevor ein Menschenleben zu beklagen ist.

450 Menschen unterstützen mit ihren Unterschriften die Leimsfelder Bürger. Die Forderungen im Einzelnen:
– die Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht
– die Installation eines Warnblinklichtes in angemessenemAbstand zur Ampelkreuzung, das den herannahenden Fahrzeugführern den bevorstehenden Wechsel auf Rotlicht ankündigt
– die Installation einer dauerhaften automatischen Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage im Bereich der Ampelkreuzung, wie dies bereits an der Einmündung B254/ K44 (Frielendorf-Allendorf) erfolgt ist
– die Wiedereinführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer an der Einmündung B254/K125 (siehe hierzu: http://www.leimsfeld.lima-city.de/Aktuelles.htm) (red)



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