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Jugendmeisterschaften: Henri Alter Fünfter im Speerwurf

Foto: Alwin J. WagnerWattenscheid/Melsungen. Über 1.800 Athleten aus 500 Vereinen kämpften vom 8. bis 10. August in 77 Entscheidungen um die deutschen Meistertitel der Altersklassen U20 und U18. Auch für Henri Alter waren diese nationalen Titelkämpfe der Höhepunkt auf seinem Wettkampf-Kalender. Allerdings war das hochsommerliche Wetter der letzten Wochen verschwunden. Während am erst Tag der Wettkampf wegen eines starken Regens unterbrochen werden musste, haderten am Schlusstag vor allem die Speerwerfer mit den wechselnden Winden, die, manchmal störend, manchmal auch helfend, aber fast immer unkalkulierbar, ihre Spielchen mit den Speeren trieben, wobei vor allem der Rückenwind die Speere allzu früh nach unten drückte.

17 Jugendliche hatten sich für den Vorkampf im Speerwerfen der U20 qualifiziert. Klarer Favorit war Jonas Bonewit aus München. Der deutsche Winterwurfmeister von Sindelfingen hatte sich bei der U20-WM in Eugene (USA) noch im letzten Durchgang vom Medaillenplatz verdrängen lassen und belegte mit 71,62 Meter nur den vierten Platz. Dementsprechend galt es, einen guten Saisonabschluss zu absolvieren. Unter diesen Vorzeichen brauchte man sich die Frage nach dem TOP-Favoriten in dieser Speerwurfentscheidung nicht mehr zu stellen. Hinter Bonewit boten sich mit Sascha Graf aus Steinbach (67,19 m), Patrick Held (Wanne, 66,52 m) und Dominic Strauß aus Potsdam (66,12 m) drei Medaillenanwärter für Silber und Bronze an. Sechs weitere Jugendliche ließen in diesem Jahr ihren Speer bereits über 61 Meter segeln, so dass der Melsunger Henri Alter, der sich am 1. Mai so schwer verletzte, dass er zehn Wochen nicht trainieren konnte, chancenlos in diesen Wettkampf ging.

Dass er aber ein Kämpferherz besitzt und immer gut vorbereitet zu den entscheidenden Meisterschaften fährt, bewies er das letzte Mal bei den Winterwurfmeisterschaften am 16. Februar in Sindelfingen. Damals überraschte er bei eisiger Kälte als Siebter die deutsche Speerwurfelite und knackte mmit 60,30 Meter zum ersten Mal die 60m-Marke. Er lieferte Christoph Müller aus Magdeburg ein spannendes Duell und verdrängte ihn auf den achten Platz. Immerhin hatte der WM-Teilnehmer der U18 ein Jahr vorher 72,83 Meter geworfen.

Foto: Alwin J. WagnerIn Wattenscheid komplettierte der Melsunger mit 60,48 Meter den Kreis der dreizehn 60m-Werfer, wobei auch die vier nachfolgenden Jugendlichen mit Weiten um 59 Meter angereist waren.

Nachdem Henri Alter am 23. Juli in Bebra 54,29 Meter erzielt hatte, bestätigte eine Woche später sein 60,48m-Wurf von Borken eine weitere Aufwärtstendenz des 18-Jährigen. Dieser Kreisrekord war mehr als ein freundlicher Hinweis auf seine Berechtigung für die DLV-Jugendmeisterschaften.

Bereits beim Einwerfen im Trainingsanzug deutete das Melsunger Speerwurf-Ass mit einer 58m-Weite an, dass er sich in einer vorzüglichen Form befand. Fünf Minuten vor dem offiziellen Wettkampfbeginn des dritten Tages, eröffnete Leon Bühler vom VfL Sindelfingen mit 56,89 Meter den Speerwurfwettbewerb. Es folgte Nico Reinsmann (Bayer Leverkusen) mit einem ungültigen Wurf. Als dritter Werfer war Henri Alter an der Reihe. Sein Anlauf verriet etwas Unsicherheit, und da er beim Abwurf zwei bis drei Meter verschenkte, bohrte sich sein Speer bereits bei 56,83 Meter in den Rasen.

Sasacha Menn, ein Zehnkämpfer aus Kindelsberg, übertraf mit 60,65 Meter als Erster die 60m-Marke.

Als elfter Werfer übernahm Sascha Graf (Steinbach) mit 61,97 Meter die Führung. Jonas Bonewit tat als vierzehnter Werfer, was selbstbewusste Favoriten mit zuverlässigem Können und internationaler Erfahrung zu tun pflegen: mit einer Weite von 67,05 Meter setzte er sich eindeutig an die Spitze. Aber Patrick Held vom TV Wanne legte den Speer genau in den Wind und verbesserte sich als letzter Werfer im ersten Durchgang auf 68,05 Meter, was die Führung bedeutete.

Henri lag nach dem ersten Versuch auf Rang zehn und hoffte im zweiten Durchgang auf einen Knaller über 60 Meter. Obwohl er fast nichts beim Abwurf verschenkte, setzte er den Wurf viel zu hoch an, so dass der Speer bei 53,17 Meter wie ein Stein herunterfiel. Dadurch wurde seine Nervosität nicht geringer. Nach dem zweiten Durchgang lag er immer noch auf Rang zehn, aber er musste im letzten Versuch des Vorkampfes mindestens 58,86 Meter werfen, um das Finale zu erreichen. Minuten des Wartens in fast unerträglicher Spannung nicht nur für den Athleten – auch auf der Tribüne, wo seine Eltern saßen und einige Fans aus Melsungen ihm die Daumen drückten. Man konnte erkennen, dass er nervös war und sich wie elektrisiert auf seinen dritten und entscheidenen Wurf vorbereitete. Die bewundernswerte Ruhe war aus seinem Körper gewichen. Kurze Sprints und eine leichte Dehnung sollten ihn fit machen – und sie machten ihn fit.

Nach dem Hinweis seines Trainers nahm er beim Abwurf den Arm etwas höher, so dass der Speer flacher als bei den vorausgegangenen Würfen über den Platz schoss und im dritten Versuch erst hinter der 60m-Linie landete. Er wartete ungeduldig auf die Bekanntgabe seiner Leistung, die der Kampfrichter vom Bandmaß ablas: Als die Weite von 60,17 Meter angezeigt wurde, spekulierte man mit dem Finale. Aber es folgten noch fünf weitere Werfer, die mit besserer Vorleistung angereist waren. Dominic Strauß, das große Talent aus Potsdam, hatte im Vorjahr bei der WM der U18 weit über 70 Meter geworfen. In Wattenscheid fand er bei diesen störenden Winden nur schwer in den Wettkampf und kam erst nach zwei ungültigen Würfen im dritten Durchgang als Vierter auf 61,05 Meter. Das war die beste Weite für den Kaderathleten des DLV, er damit über fünf Meter hinter seiner Bestleistung zurückblieb. Anders hingegen Henri Alter, der seine Zielvorgaben – Erreichen des Finales mit einer Weite über 60 Meter – erfüllt hatte.

Auch im vierten Durchgang unterstrich der Jugendliche aus Melsungen seine großartige Form und sorgte mit seiner persönlichen Bestweite von 61,45 Meter für eine kleine Sensation, denn plötzlich lag er auf Rang vier.

Foto: Alwin J. WagnerIm fünften Durchgang setzte er erneut seinen Wurf zu steil an, so dass der Speer fast senkrecht herunterkam, aber immer noch fast 58 Meter weit flog. Diesen Wurf machte er ungültig. Aber man konnte erkennen, wie viel Potential in dem 1,78 Meter „kleinen“, aber schnellkräftigen Jugendlichen steckt. (ajw)

Als der Kampfrichter zum letzten Durchgang aufrief, wurde Henri Alter immer noch auf Rang vier geführt. Von den Trainern der teilnehmenden Speerwerfer hatte ihn niemand für den Endkampf auf der Rechnung. Alwin J. Wagner hatte seinen Schützling nach dem Abschlusstraining, als der Speer bei 62,60 Meter landete, eine Endkampfchance eingeräumt.

Im sechsten und letzten Versuch ließ er zum dritten Mal an diesem Vormittag den Speer über die 60m-Marke segeln und erzielte mit 60,77 Meter seine zweitbestes Ergebnis. Sascha Graf, der nur einen Rang vor ihm auf „Bronze“ lag, hatte sich auf 66,15 Meter verbessert. Als sich Sascha Menn mit seinem letzten Wurf auf 64,00 Meter steigern konnte, verdrängte er Henri Alter auf Platz fünf.

Patrick Held (TV Wanne 1885) war als Führender mit 68,05 Metern aus dem ersten Versuch ins Finale eingezogen und lag bis zum letzten Durchgang auf Rang eins. Erst mit seinem letzten Versuch rettete Jonas Bonewit mit 69,55 Metern die Goldmedaille. Zum Vergleich: Im letzten Jahr war die deutsche Meisterschaft noch mit 65,75 Meter weggegangen.

Der Wind stellte hohe Anforderungen an die jugendliche Werfer, so dass nur drei von siebzehn beim Jahreshöhepunkt eine Bestleistung aufstellen konnten. Im Schnitt blieben sie zwei bis drei Meter zurück. Dass Henri Alter nach seiner Verletzung und einer kurzen Vorbereitungszeit im entscheidenden Moment mit einer neuen hessischen Jahresbestleistung sowie mit neuem Kreisrekord so auftrumpfen konnte, damit konnte niemand rechnen.

Die vielen Mühen der Vorbereitung, dazu wohl auch noch die Freude darauf, sich bei den nationalen Meisterschaften mit den besten des Landes messen zu können, animierten den 18-jährigen Abiturienten aus Melsungen, nach einer Pause von fast drei Monaten in Wattenscheid anzutreten und dabei so großartig abzuschneiden. (ajw)



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