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ADFC mit Bürgermeisterkandidaten auf dem Rad unterwegs

Foto: nhSchwalmstadt. Am Freitagnachmittag begrüßten Aktive des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) die drei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Schwalmstadt, Vertreter der Medien und zahlreiche interessierte Bürgern auf dem Haaße-Hügel in Treysa. Wie schon vor der letzten Bürgermeisterwahl hatte der Sprecher der ADFC-Ortsgruppe, Ulrich Wüstenhagen, auch diesmal zu einer sogenannten Neubürger(meister)-Radtour eingeladen.

Wüstenhagen, der zudem seit vier Jahren das Ehrenamt des Radverkehrsbeauftragten der Stadt bekleidet, führte die 25-köpfige Gruppe auf einer knapp zweistündigen Runde durch die Ortsteile Treysa, Ascherode, Ziegenhain und Niedergrenzebach. An ausgewählten Punkten, an denen sich besonders deutlich zeigt, wo es beim Thema Radverkehr in Schwalmstadt hauptsächlich klemmt, gab es Zwischenstopps mit Erläuterungen zur Situation und zu möglichen Maßnahmen.

Die Route orientierte sich bewusst weniger an den touristischen Radwegen, als vielmehr an den Hauptrouten des Alltagradverkehrs. In Ziegenhain, beim Durchfahren der historischen Wasserfestung, erlebten die Kandidaten einmal im wahrsten Sinne des Wortes „hautnah“, wie wenig attraktiv es derzeit noch ist, dort mit dem Rad entlang zu fahren. Einige – zum Glück nur vereinzelte – Autofahrer überholten die Gruppe hupend und ohne Beachtung des vorgeschriebenen Seitenabstands von mindestens 1,50 Meter. Dabei missachteten sie die einschlägigen Regeln der Straßenverkehrsordnung.

Dauerhafte Abhilfe kann hier nach Ansicht des ADFC nur geschaffen werden, wenn es gelingt, den größten Teil des Durchgangsverkehrs auf die dafür vorgesehenen Ortsumgehungen zu verlagern und das (Spitzen-) Geschwindigkeitsniveau des verbleibenden Verkehrs zu senken.

In der Ziegenhainer Straße, zwischen Niedergrenzebach und Fünftenweg, erläuterte der Radverkehrsbeauftragte den Teilnehmern, wie Fußgänger und Radfahrer auf dieser für den Autoverkehr eigentlich entbehrlichen Straße durch die fragwürdige Aufteilung der Verkehrsflächen extrem benachteiligt werden. In der kurzen Zeit, in der die Gruppe sich dort aufhielt, fuhren allein zwei Pkw- und ein Quad-Fahrer wie selbstverständlich entgegen der erlaubten Richtung durch die Einbahnstraße, die noch nicht einmal für den Radverkehr geöffnet ist. Die Radler hielten sich dagegen genauestens an die geltenden Regeln der StVO und fuhren auf dem schmalen, aber offiziell für Radfahrer freigegebenen Gehweg mit der vorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit durch die Unterführung zum Fünftenweg.

Als die Gruppe in Ortslage Treysa auf der B 454 unterwegs war, hatte sich das motorisierte Verkehrsaufkommen zum Glück bereits deutlich verringert. Dennoch „erfuhren“ die Teilnehmer auch hier unmittelbar, dass es in der gesamten Ortsdurchfahrt an Flächen fehlt, die dem Radverkehr vorbehalten sind, also beispielsweise Schutzstreifen beziehungsweiise Radfahrstreifen. Mit Inbetriebnahme der A 49-Anschlussstelle zwischen Florshain und Frankenhain wird sich diese Situation noch einmal verschärfen. Deshalb steht diese Maßnahme ganz oben auf der Prioritätswunschliste des ADFC.

Die Rückkehr zum Ausgangspunkt erfolgte auf der im Radverkehrskonzept für Schwalmstadt als Pendlerroute P2 benannten Route, welche an der Hazienda von der B 454 abbiegt und über den Damm des Rückhaltebeckens, durch das Apfelgässchen und die Ascheröder Straße ins Zentrum von Treysa führt. Die Querung der Osttangente erfolgte aus Sicherheitsgründen zu Fuß, das Rad schiebend, auf dem Fußgängerüberweg („Zebrastreifen“). Denn, insbesondere Fahrzeuge, die sich aus östlicher Richtung nähern, kann man an der Querungsstelle bestenfalls hören, jedoch erst in letzter Sekunde sehen, wenn sie mit 50 Stundenkilometern fahren.

Auch den Abschnitt des Apfelgässchen zwischen dem Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ zum Zeichen „Verbot der Einfahrt“ und der Ascheröder Straße legte die Gruppe, entsprechend den angewiesenen Regeln, schiebenderweise auf dem Gehweg zurück. Der Radverkehrsbeauftragte wies darauf hin, dass schon im Juni 2014 im Rahmen einer Verkehrsschau des Kreises eine Öffnung der Einbahnstraße für bergauf fahrende Radler angeordnet wurde, die Umsetzung der Maßnahme durch die Stadt seither jedoch aussteht.

Am Ende reichte die Zeit nicht mehr für einen geplanten Abstecher zum Parkhaus und zum Wieragrund-Kreisverkehrsplatz. Im Parkhaus wurde nämlich von der Stadt, von der Öffentlichkeit bisher nahezu unbemerkt, eine Fahrradsammelgarage errichtet. Zielgruppe sind Bahnpendler, aber auch Bürger, die in Bahnhofsnähe arbeiten und ihr hochwertiges Fahrrad sicher unterstellen wollen. „Der Wieragrund-Kreisel weist Jahre nach Inbetriebnahme immer noch einige, teilweise gefährliche Mängel bei der Führung des Radverkehrs auf. Auch in der Wierastraße bleiben die Bedürfnisse der Radfahrer bisher völlig unberücksichtigt“, macht Ulrich Wüstenhagen deutlich.

Am Haaße-Hügel gab es ein abschließendes Pressegespräch mit den Bürgermeisterkandidaten und dem Veranstalter. Alle drei Kandidaten stimmten darin überein, dass diese Tour ihnen viele Aspekte des Radverkehrs eindrücklicher näher gebracht hat, als das beispielweise in Sitzungen des Verkehrsausschusses oder des Radverkehrsbeirats möglich wäre. Es herrschte auch weitgehende Einigkeit darüber, dass oftmals mit einfachen, wenig kostspieligen Maßnahmen bedeutende Verbesserungen für den Radverkehr erzielt werden könnten und dass die im Radverkehrskonzept priorisierten Maßnahmen Schritt für Schritt im Rahmen der Möglichkeiten realisiert werden sollten. Ulrich Wüstenhagen bedankte sich herzlich im Namen des ADFC bei Frank Pfau, Stefan Pinhard und Detlef Schwierzeck, die sich trotz ihres durch den Wahlkampf angespannten Terminkalenders die Zeit genommen hatten, sich intensiv mit dem Thema „Radverkehr“ auseinanderzusetzen. (red)



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