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Unerhört gutes Festival

Erste Eindrücke von den Hephata-Festtagen. Foto: Hephata

Treysa. Der erste Tag der Hephata-Festtage ging erst Samstagnacht mit einer 90er Open-Air-Party zu Ende. Davor lag ein Festivaltag mit tausenden Besuchern, einem bunten Markttreiben, viel Musik und einer beeindruckenden Auftaktveranstaltung mit 130 Gästen. –– Bericht mit Bildergalerie

Das ist ja unerhört!

Diese stand unter dem Titel „Unerhört!“, und griff damit die aktuelle Kampagne der Diakonie Deutschland auf. Der doppeldeutige Kampagnentitel soll den Menschen Rechnung tragen, die im öffentlichen Diskurs oft unerhört bleiben oder über die das Urteil: „Das ist ja unerhört!“ gefällt wird. Die Journalistin Petra Nagel kam in drei Interviewrunden mit eben diesen Menschen ins Gespräch.

Die Flüchtlinge!

In der ersten Runde: „Unerhört – die Flüchtlinge!“, berichtete Mahi Akami aus dem Iran von ihren Erfahrungen als Flüchtling und Diakon Björn Keding, Geschäftsführer der Diakonischen Gemeinschaft Hephata, von der Koordinationsarbeit für ein Netzwerk ehrenamtlicher Flüchtlingsbegleitung. Akami: „Mein Leben war bedroht. In Deutschland dürfen Frauen, aber müssen nicht. Im Iran müssen Frauen und dürfen nicht.“ Akami plädierte für Vertrauen und Menschlichkeit sowie die Notwendigkeit, neben der Sprache auch Wissen über die deutsche Kultur vermittelt zu bekommen. Björn Keding erklärte, dass es in Schwalmstadt mittlerweile 240 Menschen gebe, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagierten.

Diese Suchtkranken!

Die zweite Gesprächsrunde trug den Titel: „Unerhört – diese Suchtkranken!“, hier kamen Thomas Schmidt und Claus Rothmaier zu Wort. Thomas Schmidt ist Klient der Sozialen Rehabilitation Hephatas, Rothmaier Suchttherapeut. Er skizzierte die Größenordnung des Problems Alkohol: „Fast jeder, der hier im Raum sitzt, kennt jemanden, der weniger trinken sollte. Alkohol begleitet es, miteinander Kontakt zu haben, es ist ein gesellschaftliches Schmiermittel.“ Thomas Schmidts Biografie passte dazu: „Ich hatte mit elf Jahren meinen ersten Vollrausch. Das Zeug stand überall rum.“ Schmidt wohnt seit 2008 abstinent auf dem Hephata-Gut Halbersdorf: „Ich bin froh, dass ich die Hilfe habe. Ich weiß nicht, was sonst wäre.“

Diese Alltagshelden!

Die letzte Gesprächsrunde mit Daniela Seidemann-Schawer und Hephata-Mitarbeiter Armin Kasper hatte die Überschrift: „Unerhört – diese Alltagshelden“. Seidemann-Schawer und ihr Mann sind Pflegeeltern von sechs Kindern. Kasper arbeitet in der Hephata-Jugendhilfe und begleitet die Familie. Dies tun er und seine Kollegen bei insgesamt 30 Familien, in denen 50 Kinder wohnen. Seidemann-Schawer: „Ich gebe bei den Kindern das hinein, was ich kann, ohne einen Anspruch. Ich bin den Eltern super dankbar, dass sie diese Kinder auf die Welt gebracht haben und ich Zeit mit ihnen verbringen kann.“

Hintergrundinfos zur Kampagne

Dr. Thomas Schiller, Leiter des Zentrums Kommunikation bei der Diakonie Deutschland, gab im Anschluss Hintergrundinfos zu der Kampagne „Unerhört!“. Schiller sagte: „Die Welt wird vielfältiger und bunter, aber auch immer unübersichtlicher. Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden. Das gilt besonders für die Diakonie, deren Arbeit davon lebt, dass sie den Menschen zunächst einmal zuhört, um anschließend helfen zu können.“

Diesen Aspekt griff auch Hephata-Direktor Pfarrer Maik Dietrich-Gibhardt auf. „Wir verstehen die Festtage als Festival für Vielfalt und Teilhabe. Wir treten ein für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung.“

Abräumer: Lackenegger und Blackriver

Das war dann auch bei der 90er Open-Air-Party am Samstagabend Programm. Gleich drei Gruppen sorgten für Tanzstimmung auf dem großen Festplatz an der Hephata-Gärtnerei. Judith Hildebrandt alias T Seven, die als Frontfrau der Gruppe „Mr. President“ in den 90ern große Erfolge feierte, interpretierte mit Gitarrist Volkmar Rudolf Dittmar Hits wie „Right in the night“ und „Mr. Vain“ neu. Die „Backstreet’s Back“, eine Backstreet-Boys-Show aus Italien, heizte den rund 1000 Gästen unter anderem mit „Get down“, „All I have to give“ und „I‘ll be the one“ ein. Die größte Begeisterung ernteten aber die beiden DJs „Lackenegger“ und „Blackriver“. Hr3-Moderator Peter Lack alias „Lackenegger“ und Lukas Schwarzbach, Klient der Hephata-Behindertenhilfe, alias „DJ Blackriver“, legten gemeinsam Musikstücke aus den 90er Jahren auf. Das inklusive Duo sorgte mit CD-Playern und Mikrofon für absolute Partystimmung.

Fazit aus dem Festival

Unerhört? Nein, so blieb die Botschaft am Samstag definitiv nicht. Eher lautete sie: „Unerhört gut! Dieses Festival.“

(red)



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