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Glasfaseranschluss erfodert Eigenanteil

Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH. Foto: BNG

Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH. Foto: BNG

Region. Über die Fortschritte des Breitbandausbaus in den fünf Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner gibt die Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH (BNG), Kathrin Laurier, in einem Interview Auskunft. 

Frau Laurier, das zweite Jahr seit Beginn des physischen Breitbandausbaus in Nordhessen geht zu Ende. Wie weit sind Sie gekommen?

„Etwa zwei Drittel des Ausbaus unseres Breitbandnetzes für ein schnelles Internet bis in den kleinsten Ortsteilen Nordhessens sind geschafft. 1000 der insgesamt etwa 1400 Multifunktionsgehäuse zur Verteilung des Internetsignals in den Ortschaften sind nun gesetzt und rund 1500 Kilometer der insgesamt geplanten rund 2200 Kilometer Trasse realisiert.

Damit haben wir etwa zwei Drittel unserer Strecke bis zum Ziel bewältigt. Und das ist uns trotz mancher Widrigkeit gelungen, denn 2018 war ein Jahr der Extreme: Erst Regen, dann Frost und Schnee bis Ostern, dann Hitze und Dürre bis in den Herbst. Dennoch sind wir sehr gut vorangekommen.“

Werden die Bauarbeiten bis Ende 2019 abgeschlossen sein?

„Zunächst mal sind wir derzeit weiter, als wir es mit der Firma Weigand Bau, unserem Generalunternehmer, vertraglich vereinbart hatten, und wir wollen unser Ziel des Ausbaus in den 570 Orten bis Ende 2019 erreichen.

Bisher sieht es gut aus, aber keiner weiß, was noch passiert. Der kommende Winter könnte länger anhalten als gedacht. Die Arbeiten ruhen ja planmäßig von Weihnachten bis Anfang Februar. Wenn dann der Boden noch tiefgefroren ist, müssen wir warten. Sonst drohen gravierende Bauschäden.“

Bei der Breitbandversorgung in Guxhagen kommt ein Saugbagger zum Einsatz. Foto: BNG

Bei der Breitbandversorgung in Guxhagen kommt ein Saugbagger zum Einsatz. Foto: BNG

Wie soll es 2019 weitergehen, wenn das Wetter mitspielt?

„Dann soll es im Februar gleichzeitig in bis zu 14 Bauabschnitten wieder losgehen. In Summe werden wie bisher auch 17 Vollkolonnen mit zwei Kabelpflügen und 25 Spülbohrgeräten im Einsatz sein.“

In welchen Landkreisen oder Teilregionen stehen denn 2019 noch Arbeiten aus?

„Die Breitband Nordhessen plant den Ausbau der Infrastruktur mit einem Vorlauf von einem halben Jahr, d.h. wir wissen wo im 1. Halbjahr 2019 gebaut werden soll. Auf www.breitband-nordhessen.de kann jeder die für einen Baubeginn in diesem Halbjahr verbindlich geplanten Bauabschnitte einsehen.“

Was bedeutet es für die Orte, in denen die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Wann kommt der schnelle Anschluss vor Ort?

„Diese Frage kenne ich und ich verstehe alle Bürger, die sie stellen. Darum antworten wir immer wieder: Zunächst legt der Generalunternehmer für uns, die Breitbandgesellschaft, unser Netz, Leerrohre und Glasfaserkabel, das uns allen, den fünf Landkreisen, gehört. Wir dürfen und können das Netz aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht betreiben.

In einem europäischen Ausschreibungsverfahren gewann die Netcom aus Kassel die Aufgabe, das Netz zu betreiben. Wenn wir nicht nur in einem Ort, sondern in einem ganzen Bauabschnitt mit dem Erdbau fertig sind, und wenn wir die Glasfaserkabel bis zu den Verteilkästen in den Ortschaften verlegt haben, dann kann die Netcom beginnen, ihre aktive Technik zu installieren, um das Signal bis zum Endkunden zu bringen. Zwischen dem Abschluss unserer Bauarbeiten und der Ankunft des Signals vergeht also eine gewisse Zeit. Wie lange diese ist? Diese Frage kann die Netcom beantworten.“

Frau Laurier, wenn der gegenwärtige Netzausbau abgeschlossen ist, haben dann auch wirklich alle Orte und Häuser in Nordhessen einen schnellen Breitbandzugang?

„Das kommt darauf an, was wir unter einem schnellen Breitbandzugang verstehen. Mit ihren Förderrichtlinien definiert die Politik eine Anschlussdatenrate ab 30 Mbit in der Sekunde im Download als zeitgemäß bzw. ausreichend. Wenn wir unser Netz bis Ende 2019 ausgebaut haben, sind es laut einer aktuellen Analyse lediglich noch ca. 4.000 Anschlüsse, das entspricht einem Anteil von rund zwei Prozent bezogen auf das Gesamtgebiet in Nordhessen, die diesen Wert nicht erreichen. Das ist schon ein tolles Ergebnis.“

Wird die BNG auch für die letzten zwei Prozent der Nordhessen das Netz ausbauen?

„Wir prüfen das. Zunächst einmal klären die Landkreise, wer oder was sich hinter den rund 4.000 möglichen Anschlusspunkten verbirgt. Ist es ein Wohnhaus, ein Gewerbebetrieb oder ein leerer Schuppen? Diese sind meist sehr weit weg vom Kabelverzweiger. Wenn diese möglichen Anschlusspunkte – vermutlich bis zum Frühjahr 2019 – identifiziert sind und geklärt ist, ob sie für einen Anschluss überhaupt in Frage kommen, dann können diese Punkte nur über eine Direktanbindung mit Glasfaser erreicht werden.

Das ist aufwändig, und es ist aktuell noch offen, ob es dafür eine Förderung gibt. Aber selbst, wenn im Breitbandförderprogramm des Bundes alle Details geklärt sein werden, sollten sich die Endkunden auf einen angemessenen Eigenanteil für den Glasfaserdirektanschluss einstellen.“

Frau Laurier, auf dem vorigen Breitbandgipfel im November 2018 in Landau im Kreis Waldeck-Frankenberg war von der Gigabitgesellschaft und Ihrer neuen nordhessischen Gigabitstrategie die Rede. Was ist das?

„Die Datenmengen, mit denen wir im Alltag arbeiten und die wir hin und her senden, werden immer weiter wachsen. Heute sprechen wir von Megabit. Bald werden wir die Datenmengen in Gigabit messen. Ein Bit ist die kleinste Menge an digitalisierter Information. Ein Megabit sind 1.000.000 Bit. Ein Gigabit ist das Tausendfache von einem Megabit. Damit wird sich der Fortschritt, die Automatisierung und Steuerung technischer Prozesse, abermals beschleunigen.

Aber das heißt auch, dass unsere Übertragungsnetze, die wir heute ausbauen, den kommenden Anforderungen wiederum angepasst werden müssen. Um in die Gigabitgesellschaft hineinwachsen zu können, brauchen wir auch in Nordhessen Glasfaserkabel bis zu jedem Gebäude. Auf Englisch heißt das FTTB oder FTTH: ‚Fiber to the building‘ oder ‚Fiber to the household‘.“

Glasfaserkabel in der Nahaufnahme: Foto: BNG

Glasfaserkabel in der Nahaufnahme: Foto: BNG

Haben Sie eine Strategie für den Ausbau einer Gigabitstruktur in Nordhessen?

„Wir entwickeln diese Strategie. Aber wir wissen, dass nicht sofort mit einem flächendeckenden FTTB/H-Ausbau begonnen werden kann. Wir benötigen eine Zielnetzplanung oder Ausbau-Masterplanung, in der beschrieben wird, wie der langfristige und gezielte Ausbau eines FTTB/H-Netzes vorbereitet und begleitet werden kann.

Wir müssen uns auf Entscheidungskriterien zur Beantwortung der Frage verständigen, ob und welche Infrastrukturelemente bei anstehenden linienhaften Tiefbauarbeiten zu verlegen sind. Was ist die Basis für die Ermittlung notwendiger Investitions- und Fördermittelbudgets für einen späteren, flächendeckenden FTTB/H-Ausbau? Wie bereiten wir die konkrete FTTB/H-Erschließung in einzelnen Kommunen und Städten vor?

Das sind nur wenige der zentralen Fragen, die sich nun stellen. Mit der Zielnetzplanung geben wir schließlich auch Antworten auf Fragen, die sich für Städte und Kommunen aus dem Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetzG) ergeben.

Vor diesem Hintergrund bilden der Projektansatz der BNG und die Erstellung von kommunalen Zielnetzplanungen die zentralen Elemente in der Vorbereitung der Förderung sowie der Umsetzung des späteren flächendeckenden Gigabitausbaus.“

Das klingt kompliziert. Wie wollen Sie nun vorgehen, um die passende Gigabitstrategie zu entwickeln?

„Für den Evolutionsprozess zu einer Gigabitregion im Ausbaugebiet der BNG gehen wir nach einem Dreistufenplan vor. 1. Wir strukturieren unser Projekt organisatorisch und ablauftechnisch, müssen vor allem auch regulatorische Fragestellungen klären. 2. Wir erstellen die kommunale FTTB/H-Zielnetzplanungen in enger Abstimmung mit den Gemeinden und Städten. 3. Wir setzen den kommunalen Gigabitausbau um. Das klingt jetzt einfacher als es in Wirklichkeit ist. Die BNG wird nun mit Projektstufe 1 beginnen, um eine zentrale Projektstruktur aufzusetzen und vielfältige Fragestellungen zu klären.

Sobald wir das Projekt strukturiert haben, können sich die Gemeinden, die an einem flächendeckenden FTTB/H-Ausbau interessiert sind, direkt an die BNG als zentralen Ansprechpartner wenden.

Erster Schritt für die interessierten Kommunen und Städte ist dann die geförderte Erstellung einer Zielnetzplanung. Die BNG wird hier Wege zu relevanten Förderungen aufzeigen und die Beantragung von Fördermitteln begleiten. Zudem wird die BNG helfen, wenn es um die Ausschreibung von Planungsleistungen, Vorgaben zum Materialkonzept oder um die Vorgabe von Anbindungspunkten geht, um nur einige Beispiele zu nennen.“

Warum ist ein derartiger Ausbau zwingend von einer weiteren Bundes- und Landes-Förderung abhängig? 

„Entgegen des aktuellen FTTC-Ausbaus der BNG wird sich ein flächendeckender Gigabitausbau in Nordhessen betriebswirtschaftlich auch langfristig gesehen nicht tragen können. Entsprechend werden Fördermittel die Grundlage für einen derartigen Ausbau bilden müssen.“

Eine Rolle Leerrohr liegt in Elgershausen für die Verlegung von Glasfaserkabeln bereit. Foto: BNG

Eine Rolle Leerrohr liegt in Elgershausen für die Verlegung von Glasfaserkabeln bereit. Foto: BNG

Frau Laurier, welche Signale aus diesen Richtungen liegen Ihnen aktuell vor?

„Die Bundes- wie Landesstrategien zum Breitbandnetzausbau signalisieren dabei klar, dem generellen Ausbauwunsch von FTTB Rechnung tragen zu wollen. Diesem Wunsch müssen dabei sowohl Bund und Land fördertechnisch allerdings entsprechend Rechnung tragen. Dies bedeutet speziell die Bereitstellung entsprechender Fördervolumina, die die deutlichen Investitionskosten auch abdecken sowie die Herbeiführung einer förder- und beihilferechtlichen Möglichkeit, bestehende FTTC-Ausbauten konsequent in Richtung FTTB weiterentwickeln zu können.“

Ein weiterer Ausbau würde als Förderbedingung die Anhebung der 30 MBit/s-Grenze auf mindestens 50 MBit/s voraussetzen. Inwieweit gibt es da schon Signale seitens des Bundes und des Landes? Inwieweit spielt da die EU eine Rolle? 

„Die Landesregierung hat auf dem diesjährigen Breitbandgipfel Hessen in Frankfurt signalisiert, dass sie sich dieser Thematik zusammen mit dem Projektträger des Bundesförderprogramms Breitband annehmen will. Hierbei nimmt sie somit eine führende Rolle unter den Landesregierungen ein.

Unabhängig davon wird eine Einbindung von Bund und EU in jedem Fall notwendig werden, da es sich hier um beihilfe- und förderrechtliche Fragestellungen handelt, deren Beantwortung eine Freigabe seitens der EU Kommission bedarf.“

Frau Laurier, die SEK-News bedanken sich für das Interview.

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Breitbandgesellschaft Nordhessen mbH

Die Breitband Nordhessen GmbH (BNG) wurde im Februar 2014 von den fünf nordhessischen Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner gegründet. Sie setzt sich für den flächendeckenden Ausbau eines Hochgeschwindigkeitsinternets bis in den kleinsten Ortsteil ein. Während in größeren Gemeinden und Verdichtungsräumen der Ausbau eines schnellen Internets für die kommerziellen Anbieter attraktiv genug ist, ist der physische Ausbau des Netzes betriebswirtschaftlich unattraktiv, wenn die Anbieter damit nicht genügend potentielle Nutzer erreichen.

In Nordhessen gelten aus Sicht der kommerziellen Anbieter fast 600 Orte und Ortsteile mit etwa 320.000 Einwohnern als betriebswirtschaftlich unattraktiv für einen Ausbau. Darum koordiniert die Breitband Nordhessen GmbH für diese Gebiete die gesamte Abwicklung und den Ausbau der Glasfaservernetzung.

Sowohl Gewerbetreibenden als auch Privathaushalten sollen im Ausbaugebiet Breitbandanschlüsse mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung gestellt werden. Mit der Freigabe von VDSL-Vectoring sind Zugangsbandbreiten von bis zu 100 Mbit/s möglich.

Unabhängig hiervon sind auf einem Netz, wie es die BNG baut, mit der Super-Vectoring-Technologie perspektivisch Bandbreiten von 200 bis 400 Mbit/s im Download möglich.

(red)

Mehr im Netz:
• CV, Kathrin Laurier: https://www.breitband-nordhessen.de/fileadmin/Docs/2_Biographie.pdf
www.breitband-nordhessen.de



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